StartBlaulicht ReportWaldbrand: Einsatzleitung informiert über dramatische Lage

Waldbrand: Einsatzleitung informiert über dramatische Lage

TRAISEN. Die Lage beim Waldbrand am Rotenfels bleibt auch am Sonntag äußerst angespannt. Rund 650 Einwohner mussten ihre Häuser in Traisen verlassen, etwa 300 Einsatzkräfte kämpfen gegen die Flammen allerdings unter Bedingungen, die selbst erfahrene Einsatzkräfte nur selten erleben. Ein direkter Löschangriff ist aufgrund eines Kampfmittelgefahrengebiets derzeit nicht möglich. Stattdessen konzentrieren sich Feuerwehr, Forst und Hilfsorganisationen darauf, den Brand einzudämmen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das wurde am Sonntagnachmittag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Landkreises Bad Kreuznach, der Feuerwehren, Polizei und Forstverwaltung deutlich.

Landrätin Bettina Dickes


„Die Lage ist deutlich größer, als zunächst zu vermuten war“, sagte Landrätin Bettina Dickes zu Beginn der Pressekonferenz. Deshalb habe der Landkreis die Informationsweitergabe neu organisiert und die Einsatzleitung übernommen. Unterstützung komme mittlerweile aus ganz Rheinland-Pfalz sowie aus weiteren Bundesländern. „Allein ist ein solcher Einsatz nicht zu bewältigen“, betonte Dickes.

Aus kleinerem Flächenbrand wurde Katastrophenlage
Wie Bürgermeister Markus Lüttger schilderte, war der Brand am Samstagnachmittag gegen 14.30 Uhr zunächst als größerer Flächenbrand im Bereich des Rotenfels gemeldet worden. Innerhalb kurzer Zeit waren rund 150 Feuerwehrkräfte vor Ort und das Feuer schien zunächst unter Kontrolle zu sein.
Dann änderte sich die Lage schlagartig. Im Wald waren plötzlich mehrere laute Knallgeräusche zu hören. Nachdem die Polizei bestätigte, dass diese Geräusche nicht typisch für einen Waldbrand seien, wurde der Kampfmittelräumdienst alarmiert. Gegen 19.45 Uhr erfolgte die Hochstufung des Einsatzes zum Katastrophenfall. Die Einsatzleitung ging auf den Landkreis Bad Kreuznach über.
Nach Angaben von Brand- und Katastrophenschutzinspektor Alexander Roßkopf umfasst die Brandfläche mittlerweile rund drei Hektar, die Tendenz ist steigend. Das eigentliche Problem sei jedoch nicht die Größe des Feuers, sondern das Gelände.

Da sich der Brand in einem ehemaligen Kampfmittelbereich befindet, gilt ein Sicherheitsradius von 1.000 Metern. Innerhalb dieses Bereichs dürfen keine Einsatzkräfte arbeiten. Wiederholt waren Detonationen zu hören. Ob tatsächlich Munition oder andere Sprengkörper explodierten, könne derzeit zwar nicht abschließend bestätigt werden, ein Zusammenhang mit früheren Kampfmittelverdachtsflächen sei jedoch möglich. Die Brandursache ist weiterhin völlig unklar.
„Eine aktive Brandbekämpfung innerhalb des Sperrbereiches ist derzeit nicht möglich“, erklärte Roßkopf. Stattdessen werde versucht, das Feuer mit Brandschneisen und Beregnungsanlagen auf einen begrenzten Bereich einzudämmen.

Feuerwehr setzt auf neue Strategie
Die ursprüngliche Taktik musste deshalb vollständig geändert werden. Bereits verlegte Schlauchleitungen bis unmittelbar an den Brandherd konnten nicht mehr genutzt werden, teilweise wurden sie selbst Opfer der Flammen.

Nun konzentrieren sich die Einsatzkräfte darauf, den Wald rund um das Feuer großflächig zu befeuchten. Mobile Wasserwerfer und Beregnungsanlagen aus Hanau und Groß-Gerau werden eingesetzt. Parallel schlagen die Landesforsten mit Harvestern breite Brandschneisen. Zusätzlich werden Bäume gefällt sowie Vegetation und Grünstreifen entfernt, um dem Feuer möglichst wenig Nahrung zu bieten. Das Feuer soll innerhalb dieser Schneisen gehalten werden.

Zum Schutz der Bevölkerung wurde zunächst der nördliche Teil von Traisen geräumt. Nachdem sich die Lage weiter verschärfte, ordnete die Einsatzleitung am Sonntagvormittag die Evakuierung der gesamten Ortsgemeinde an.

Die rund 650 Betroffenen wurden überwiegend in der Birkenberghalle in Roxheim untergebracht. Gebrechliche Menschen sowie Familien mit besonderem Betreuungsbedarf wurden in Hotels untergebracht. Nach Angaben der Einsatzleitung besteht derzeit keine unmittelbare Gefahr für die Wohnhäuser.

Am Sonntagnachmittag wurde zudem ein Infopoint eingerichtet. Dort können sich Bürger anmelden, die aus dringenden Gründen – beispielsweise zur Versorgung von Haustieren oder zur Abholung lebenswichtiger Medikamente – kurzfristig unter Begleitung in ihre Häuser zurückkehren müssen. Eigenständiges Betreten des Sperrgebietes bleibt weiterhin untersagt.

Sorge um Funk und Stromversorgung
Neben dem Feuer bereiten den Einsatzkräften auch kritische Infrastrukturen Sorgen. In unmittelbarer Nähe des Brandgebietes befinden sich eine wichtige Starkstromleitung sowie der Fernmeldeturm.
Nach Angaben der Einsatzleitung konnte die Stromversorgung kurzfristig umgeschaltet werden, sodass derzeit keine Gefahr eines großflächigen Stromausfalls besteht. Für den Digitalfunk der Einsatzkräfte wird vorsorglich eine mobile Funkstation aufgebaut. Sollte der bestehende Funkmast ausfallen, wäre die Kommunikation der Feuerwehren erheblich eingeschränkt.

Tom Riedel

Branddirektor Tom Riedel lobte insbesondere das große Engagement der überwiegend ehrenamtlichen Helfer. Rund 300 Einsatzkräfte seien derzeit im Einsatz. Die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Polizei, Forstverwaltung sowie den Einsatzkräften aus Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern funktioniere hervorragend.

„Das Ehrenamt bildet das Rückgrat unseres Bevölkerungsschutzes“, sagte Riedel. Gleichzeitig appellierte er an die Bevölkerung, angesichts der anhaltenden Trockenheit jede Brandgefahr im Wald zu vermeiden.
Wie lange der Einsatz noch andauern wird, konnte am Sonntag niemand abschätzen. Klar ist jedoch: Solange das Feuer im Kampfmittelgebiet brennt, wird der Brand ausschließlich aus sicherer Entfernung eingedämmt und ständig mit Drohnen sowie Wärmebildkameras überwacht.


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