StartNachrichtenKreis Bad KreuznachKostenexplosion trifft VfL: Mitglieder müssen über Beitragserhöhung entscheiden

Kostenexplosion trifft VfL: Mitglieder müssen über Beitragserhöhung entscheiden

BAD KREUZNACH / REGION. Der VfL Bad Kreuznach steht vor einer entscheidenden Phase: Steigende Kosten, sinkende Einnahmen und ein wachsender Investitionsbedarf setzen den Traditionsverein unter Druck. Im Nahe-News Exklusiv Gespräch skizziert Präsident Christoph Anheuser die Lage – und wirbt für Verständnis bei den Mitgliedern wenn die Mitgliedsbeiträge angehoben werden. Ziel sei es, den Verein finanziell zu stabilisieren, das breite Sportangebot zu sichern und gleichzeitig größtmögliche Transparenz herzustellen.

Große Herausforderungen – ohne Schuldzuweisungen
Das neue Präsidium macht deutlich: Kritik an den Vorgängern, insbesondere an Anheusers Vorgängerin Heike Bruckner, sei nicht angebracht. Deren Amtszeit sei von außergewöhnlichen Belastungen geprägt gewesen, von der Corona-Pandemie über stark steigende Energiepreise bis hin zu internen Umbrüchen in einzelnen Abteilungen.

Stattdessen setzt die neue Führung auf einen anderen Schwerpunkt: „brutale Transparenz“ gegenüber den Mitgliedern. Die finanzielle Realität solle offen auf den Tisch, auch wenn sie unbequem ist.

VfL-Präsident Christoph Anheuser

Einnahmen sinken, Kosten steigen
Die wirtschaftliche Lage des Vereins hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Mehrere Faktoren kommen zusammen:

  • Kapitalerträge, einst wichtige Einnahmequelle, sind nahezu weggefallen.
  • Sponsoring und Spenden gehen zurück oder werden gezielter vergeben.
  • Gleichzeitig steigen die Kosten erheblich – vor allem für Energie und Personal.

Gerade im Bereich der Übungsleiter und Trainer zeigt sich ein strukturelles Problem: „Ehrenamt allein reicht nicht mehr aus, um den Betrieb eines Großvereins zu sichern. Zudem erhöhen Verbände regelmäßig ihre Abgaben“, so Anheuser.

Die Folge: Für die Jahre 2023 und 2024 weist der Verein jeweils ein deutliches Defizit im hohen fünfstelligen Bereich von über 50 000 Euro aus. Auch für 2025 wird ein ähnliches Ergebnis erwartet. Zwar konnten diese operative Verluste bislang durch Rücklagen ausgeglichen werden – doch diese schmelzen zunehmend ab.
„Wir haben ein begrenztes Zeitfenster, in dem wir noch gestalten können“, sagte der Präsident im Gespräch.

Mit rund 2.500 bis 2.700 Mitgliedern gehört der VfL zu den größten Vereinen der Region. 15 Abteilungen bieten ein breites Sportangebot, ein Anspruch, der trotz wachsender Konkurrenz gehalten werden soll.
Doch Größe bedeutet auch Verantwortung: Der Verein unterhält mehrere eigene Liegenschaften, darunter die Jahnhalle, die Pfeffermühle, das Tennis & Hockeyheim im Salinental sowie das Kanuheim.

Vor allem die Jahnhalle entwickelt sich zunehmend zum finanziellen Kraftakt. Hier stehen umfangreiche Maßnahmen an:

  • Brandschutz und Barrierefreiheit
  • Modernisierung der Lüftungs- und Elektroanlagen
  • energetische Sanierung, unter anderem durch eine geplante Photovoltaikanlage

Bereits in den kommenden Sommerferien ist eine rund dreiwöchige Schließung vorgesehen, um zentrale Brandschutzmaßnahmen zu prüfen und umzusetzen. Gleichzeitig soll der Eingangsbereich modernisiert werden – als „Visitenkarte“ des Vereins.
Beim Kanuheim steht zudem ein lang ersehntes Projekt vor der Umsetzung: eine neue Einstiegsstelle.

Neben Einsparungen prüft das Präsidium auch neue Einnahmequellen. Ein konkretes Projekt ist eine LED-Wand an der Jahnhalle, über die Werbung vermarktet werden könnte. Nach internen Berechnungen könnte sich diese Investition innerhalb von etwa drei Jahren amortisieren.Parallel sollen energetische Maßnahmen langfristig die Betriebskosten senken, ein entscheidender Hebel angesichts der hohen Energiepreise.

Sparen hat aber auch Grenzen
Deutliche Einschnitte im Sportbetrieb lehnt das Präsidium jedoch ab. Maßnahmen wie die Entlassung von Trainern oder die zeitweise Schließung von Anlagen würden zwar kurzfristig Kosten senken, langfristig aber den Verein schwächen.Auch bei den Übungsleitervergütungen sieht die Vereinsführung eher Nachholbedarf: Diese seien aktuell im Vergleich zu anderen Vereinen zu niedrig und müssten steigen, um Personal zu halten.

Beitragsanpassung gilt als unvermeidbar
Aus den verschiedenen Gründen ist für das Präsidium eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge unvermeidbar. Derzeit nimmt der Verein rund 330.000 Euro jährlich ein – benötigt werden jedoch etwa 100.000 Euro mehr, um Defizite auszugleichen und Investitionen zu stemmen.

Rechnerisch entspräche das einer Steigerung um rund 30 Prozent. Tatsächlich plant das Präsidium differenzierte Anpassungen, häufig im Bereich von 15 bis 20 Prozent – je nach Mitgliedsgruppe.

Das Präsidium hofft, dass auch die Mitglieder der Abteilungsgruppe „Weisse Fräck“ der Beitragserhöhung zustimmen werden. Denn diese wichtige Abteilung für den VfL benötigt in der Regel nur sechs Wochen im Jahr die Halle, da nach Aschermittwoch bekanntlich alles vorbei ist.

Die letzte Beitragserhöhung erfolgte Anfang 2023. Eine erneute Anpassung ist zum 1. Juli 2026 vorgesehen – vorbehaltlich der Zustimmung der Mitglieder in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung.
Besonderes Augenmerk liegt auf sozialen Aspekten: Familienmodelle und Regelungen für Alleinerziehende sollen überarbeitet werden, um Benachteiligungen zu vermeiden. Gleichzeitig betont Anheuser: „Niemand soll wegen des Beitrags austreten müssen.“ Neue Fördervereine einzelner Abteilungen könnten in Härtefällen zusätzliche Unterstützung leisten. Für das Präsidium gibt es im Moment keine Alternative zur Beitragserhöhung. „Wir sind für die Finanzen in der Haftung“, so Anheuser.

Auch äußere Faktoren spielen eine Rolle. Steigende Sprit- und Parkkosten belasten viele Mitglieder. Die Stadt hat zwar Entlastungen geschaffen, etwa kostenfreies Parken ab 18 Uhr an der Jahnhalle, doch perfekte Lösungen gibt es nicht. Neben finanziellen Maßnahmen plant das Präsidium auch strukturelle Veränderungen. Die Vereinssatzung gilt als überholt und soll modernisiert werden. Vor allem aber will das Präsidium die Mitglieder stärker einbinden und alle relevanten Zahlen offenlegen – ein Schritt, der Vertrauen schaffen soll.

Der Entscheidungsprozess ist klar terminiert: Am 23. April findet eine Informationsveranstaltung in der Jahnhalle für alle Mitglieder statt. Bei dieser Veranstaltung sollen auch die neuen Beiträge vorgestellt werden. Am 18. Mai finden Beratungen in den Gremien statt. Die außerordentliche Mitgliederversammlung, bei der die Beitragserhöhung beschlossen werden soll, ist am 9. Juni in der Jahnhalle. Dort liegt die finale Entscheidung bei den Mitgliedern.

Der VfL Bad Kreuznach steht vor einem Spagat: Einerseits müssen finanzielle Lücken geschlossen und dringend notwendige Investitionen gestemmt werden, andererseits soll das breite Sportangebot erhalten bleiben.
Das Präsidium setzt dabei auf Offenheit, und auf die Bereitschaft der Mitglieder, den eingeschlagenen Kurs mitzutragen. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob dieser Weg auf Zustimmung trifft.


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