KREIS BAD KREUZNACH. Unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen, die öffentliche Verwaltung stehen vor einer der zentralsten sozial- und wirtschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit: der wachsenden Pflegeverantwortung in der Bevölkerung und in unseren Familiensystemen. Pflege betrifft dabei längst nicht mehr nur hochaltrige Menschen, sondern kann jede und jeden treffen, durch Krankheit, Unfall oder Behinderung, oft plötzlich und persönlich sowie für das soziale Umfeld unvorbereitet. Sie ist damit keine Randerscheinung, sondern eine der drängendsten Zukunftsfragen. Das macht der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Michael Simon deutlich, der dieses Thema aufgreift und das politische Zentrum rücken möchte.
Über 6 Millionen Pflegebedürftige – Tendenz steigend – offenbarten die ganze Dimension der Herausforderung, die wir zu lange verdrängt haben. 80 % der Betroffenen werden zuhause unterstützt und gepflegt – meistens durch Angehörige.
Für Millionen von Menschen bedeute Pflegeverantwortung eine tägliche Doppelbelastung: Sie stünden vor der schwierigen und oftmals mit hoher psychischer Belastung verbundenen Aufgabe, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren. Damit einher gehe nicht selten die Gefährdung der eigenen beruflichen und materiellen Existenz einher, betont der Sozialdemokrat. Wer heute pflegt, arbeitet oft reduziert, ist häufiger krank, kündigt früher und fehlt somit am Arbeitsplatz, mit all den damit verbundenen Folgen.
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Viele Angehörige pflegen vor der Arbeit und nach der Arbeit – Tag für Tag, oft über Jahre hinweg. Schlaf, Erholung und das eigene Leben bleiben dabei auf der Strecke. Darauf müsse Politik reagieren und einen verlässlichen Rahmen schaffen – im engen Zusammenwirken mit den Personalverantwortlichen in Unternehmen und Verwaltungen sowie mit den Interessenvertretungen der Beschäftigten, also den Betriebs- und Personalräten. Michael Simon sagt zu, dass er dieses Thema mit Blick auf die hohe Zahl der Betroffenen und einer vermutlich nicht unerheblichen Dunkelziffer weiter aktiv aufgreifen werden.
Simon steht seit einigen Monaten im fachlichen Austausch mit Irini Langensiepen, Expertin für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Gemeinsam haben die beiden Ideen entwickelt, die sie politisch kommunizieren. Sie sprechen sich für ein ganzes Maßnahmepaket zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf aus, um Angehörige zu entlasten, die voll im Berufsleben stecken und dazu auch familiäre Verpflichtungen haben, denen sie bestmöglich gerecht werden müssen:
Ziel dieses Maßnahmenpakets sei es, ein Aktionsprogramm zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu initiieren, das sowohl in Unternehmen als auch in öffentlichen Verwaltungen verbindlich verankert werde. Dabei sollen insbesondere die sozialen Risiken für pflegende Angehörige deutlich reduziert werden.
Da Pflegeverantwortung weiterhin überwiegend von Frauen übernommen werde sei dies auch ein Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und ein wirksames Instrument zur Prävention von Altersarmut.
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Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber mit vorbildlicher Umsetzung sollten öffentlich gewürdigt, sichtbar gemacht und finanziell gefördert werden.
Weitere Punkte und Vorschläge sind:
• Die Einrichtung von Fördermaßnahmen für die Qualifizierung und Etablierung betrieblicher Pflege-Guides in Unternehmen und Verwaltungen, zur innerbetrieblichen Beratung und Unterstützung pflegender Beschäftigter.
• Die Einführung geförderter Schulungsangebote für Führungskräfte, Personalverantwortliche und Mitarbeitende zur Sensibilisierung für Pflegeverantwortung, Kommunikation im Zusammenhang mit dem Thema Pflege und der Aufbau betrieblicher Unterstützungsstrukturen.
• Regelmäßige Informationskampagnen zur Enttabuisierung von Pflege und zur Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, unter aktiver Beteiligung der Pflegefachlichkeit.
„Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Pflege bewältigen und eine Gesellschaft schaffen, in der Pflege und Beruf Hand in Hand gehen. Ich werde mich weiterhin dafür einsetzen, dass wir einen Rahmen schaffen, in dem pflegende Menschen die Unterstützung und Anerkennung erhalten, die sie so dringend brauchen. Hier bin ich auch im guten Kontakt und konstruktiven Gespräch mit der politischen Landesebene“, so SPD-Landtagsabgeordneter Michael Simon.




