StartNachrichtenKreis Bad KreuznachVfL Bad Kreuznach plant Beitragserhöhung von über 20 %

VfL Bad Kreuznach plant Beitragserhöhung von über 20 %

BAD KREUZNACH. Mit ungewöhnlich klaren Worten hat das neue Präsidium des VfL Bad Kreuznach bei einer Informationsveranstaltung seine Mitglieder über die angespannte finanzielle Lage des Vereins informiert (Nahe News berichtete). Unter dem Leitmotiv „brutale Transparenz, brutale Offenheit“ stand dabei vor allem ein Thema im Mittelpunkt: die geplante Erhöhung der Mitgliedsbeiträge ab dem 1. Juli 2026.

Das Präsidium, seit November im Amt, verzichtete bewusst auf Kritik an seinen Vorgängern und konzentrierte sich stattdessen auf eine schonungslose Bestandsaufnahme. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den vergangenen Jahren sind die Kosten, insbesondere für Energie, um rund 30 Prozent gestiegen. Gleichzeitig verzeichnete der Verein 2023 und 2024 deutliche operative Verluste im fünfstelligen Bereich, die nur durch Rücklagen ausgeglichen werden konnten. „Ein Weiter-so ist nicht tragbar“, sagte Präsident Christoph Anheuser.

Besonders problematisch ist die strukturelle Schieflage: Die Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen – aktuell rund 330.000 Euro jährlich – reichen kaum noch aus, um die Kosten für Trainer, Übungsleiter und den laufenden Sportbetrieb zu decken. Für den Erhalt und die Sanierung der vereinseigenen Gebäude bleibt praktisch kein Spielraum.

Dabei wächst der Investitionsdruck: Allein für notwendige Instandhaltungen und Modernisierungen werden jährlich zwischen 80.000 und 150.000 Euro benötigt. Im Fokus steht vor allem die Jahnhalle (Baujahr 1980), die dringend brandschutztechnisch ertüchtigt und modernisiert werden muss. Ohne diese Maßnahmen drohen Nutzungseinschränkungen – im schlimmsten Fall sogar Schließungen für größere Veranstaltungen.

Beitragserhöhung soll 100.000 Euro bringen
Vor diesem Hintergrund schlägt das Präsidium eine Beitragserhöhung von insgesamt rund 23 Prozent vor. Ziel ist es, zusätzliche Einnahmen von etwa 100.000 Euro pro Jahr zu generieren. Die Anpassung soll sozial gestaffelt erfolgen:

  • Erwachsene zahlen künftig 20 statt 15 Euro monatlich (+33 Prozent),
  • Kinder und Jugendliche sowie Schüler, Auszubildende und Studierende zahlen 3,50 Euro mehr,
  • Familienbeiträge werden moderat angepasst, etwa auf 41 Euro für drei Personen,
  • neu eingeführt wird eine Fördermitgliedschaft für 11,50 Euro monatlich.

Mit dieser Staffelung wolle man insbesondere Familien entlasten und gleichzeitig die notwendige Einnahmesteigerung erreichen, so das Präsidium.

Andere Optionen wurden geprüft, erscheinen kurzfristig jedoch nicht realistisch: Einsparungen würden zwangsläufig das Sportangebot treffen – etwa durch weniger Übungsleiter oder eingeschränkte Hallennutzung. Zusätzliche Einnahmen durch Sponsoring oder Spenden gelten als zu unsicher.

Mittelfristig setzt der Verein zwar auf neue Erlösquellen wie eine geplante LED-Werbewand, Photovoltaik auf dem Hallendach und energetische Sanierungen. Diese Maßnahmen dürften jedoch frühestens in ein bis drei Jahren spürbar greifen.

Trotz der angespannten Lage will der Verein weiter investieren: Bereits umgesetzt wurden unter anderem Verbesserungen am Klubheim sowie ein neuer Zugang zum Kanuheim. Im Sommer steht zudem eine dreiwöchige, brandschutzbedingte Schließung der Jahnhalle an, die für Modernisierungen im Eingangsbereich und die Einrichtung eines zentralen Erste-Hilfe-Raums genutzt werden soll.

Parallel arbeitet der Verein an seiner Zukunftsstrategie: Neben der finanziellen Konsolidierung sollen Strukturen modernisiert, die Sichtbarkeit in der Stadt erhöht und Kooperationen – etwa mit Schulen und Kitas – ausgebaut werden. Gerade diese Projekte zeigen Wirkung: Initiativen im Kinder- und Jugendbereich stoßen auf große Resonanz, weitere Einrichtungen wollen sich anschließen.

Ob die Beitragserhöhung kommt, entscheiden letztlich die Mitglieder. Nach Beratungen in Verwaltungsrat und Beirat am 18. Mai steht am 9. Juni eine außerordentliche Mitgliederversammlung an, bei der die neuen Beiträge beschlossen werden sollen. Bereits zum 1. Juli 2026 könnten sie in Kraft treten.
Das Präsidium macht keinen Hehl daraus, wie entscheidend diese Abstimmung ist: Die Beitragserhöhung sei „der einzige kurzfristig wirksame Weg“, um den Verein zu stabilisieren, gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und größere finanzielle Einschnitte in Zukunft zu vermeiden.

In der anschließenden Fragerunde wurden auch weitere Themen angesprochen. So kritisierten Mitglieder die hohen Parkgebühren der Stadt: Da der Parkplatz an der Jahnhalle erst ab 18 Uhr kostenfrei ist, entstehen vielen tagsüber zusätzliche Kosten – ein Mitglied berichtete von rund 40 Euro im Monat.

Auch die Zukunft der defizitären „Pfeffermühle“ wurde diskutiert. Einige Mitglieder regten an, sich von der Immobilie zu trennen, um finanzielle Belastungen zu reduzieren. Präsident Anheuser bestätigte, dass man sich der Problemlage bewusst sei und an Lösungen arbeite, nannte jedoch keine Details.

Zugleich äußerten einige Mitglieder, die geplante Beitragserhöhung sei „heftig“ und verwiesen auf teils günstigere Vereine in der Region. Andere betonten hingegen die hohe Qualität und das breite Angebot des VfL.


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