WÖLLSTEIN/REGION. Die Genossenschaft der Winzer der Rheinhessischen Schweiz schloss das Geschäftsjahr 2025 deutlich besser ab als das Vorjahr: Die Gewinn- und Verlustrechnung weist einen Jahresüberschuss von 7231 Euro nach Steuern aus. 2024 hatte noch einen Fehlbetrag von 62.312 Euro beschert. Die Zahl der Mitglieder ging von Ende 2024 auf Ende 2025 um zwei auf 89 zurück. Diese bewirtschaften zusammen 261 Hektar Rebfläche in Rheinhessen und an der Nahe.
Vorstandsvorsitzender Gunter Dexheimer berichtete, dass 2025 nach einem feuchten und warmen Frühjahr ohne Spätfrost sowie einem trockenen Sommer am 5. September mit der Lese begonnen wurde. Am Anfang habe man eine große Erntemenge erwartet, doch die späten Sorten litten unter reichlich Regen und drohten zu faulen: „Nur durch einen Turboherbst konnten wir weiteren Ertragsverlusten vorzubeugen“, erinnerte Dexheimer an die Ausweitung der Traubenanlieferungszeiten bis zum Ende der Lese am 25. September.
Zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten habe man größere Mengen Most verkauft, weil der Fassraum durch die um 40 Hektar gewachsene Rebfläche knapp war: 539.000 Most konnten abgesetzt werden. Dexheimer dankte dem Geschäftsführer, den beiden Kellermeistern und dem gesamten Team für deren gute Arbeit. Im vergangenen Jahr wurden 3.530.960 Kilogramm Trauben gelesen, davon 79,3 Prozent Weißweine und 20,7 Prozent Rotweine. Im Vorjahr waren es 2.802.686 Kilogramm. Die dramatische Lage am Fassweinmarkt habe 2025 zu Preisabschlägen geführt. Diese lagen im Schnitt bei 21 Cent pro Liter, was insgesamt 400.000 Euro ausmachte. Auch das Flaschenweingeschäft sei leicht zurückgegangen auf rund 560.000 Flaschen. Mengenbedingt stieg die Auszahlung um 230.000 Euro auf mehr als 1,272 Millionen Euro netto (brutto 1,366 Millionen Euro). Das entspricht einer Auszahlung von durchschnittlich 5.228 Euro pro Hektar (im Spätfrostjahr 2024 waren es 4.470 Euro).
Dexheimer verwies auf die Erfolge bei 2025er-Weinprämierungen: Von der Landwirtschaftskammer erhielten die Weine und Sekte fünf Gold-, vier Silber- und acht Bronzemedaillen, von der DLG dreimal Gold, neunmal Silber und viermal Bronze. Im laufenden Jahr sollen rund 25.000 Euro in Brandschutz sowie die Sicherheitsbeleuchtung im Keller investiert werden.
Geschäftsführer Matthias Heßdörfer beleuchtete die Bilanz der Genossenschaft: Die Umsatzerlöse lagen bei 3,183 Millionen (Vorjahr 3,415 Millionen) Euro, während der Lagerbestand um 344.560 (Vorjahr 766.500) Euro zurückging. Die Lohnkosten für die Belegschaft und Aushilfen sowie Sozialabgaben schlugen mit 529.410 Euro zu Buche. Die Kapital- und die Ergebnisrücklage blieben unverändert. Der Jahresüberschuss wird verwendet, um den Verlustvortrag der Vorjahre auf 106.266 Euro abzubauen. Heßdörfer beschrieb die Erlössituation als „generell problematisch“. Er hoffe, dass sich die Preise für Fasswein wieder erholen werden, die 2025 im Schnitt deutlich gesunken seien.
Vorsitzender Jörg Zöller (Pfaffen-Schwabenheim) berichtete über die Arbeit des Aufsichtsrates und trug den Prüfbericht des Genossenschaftsverbandes für 2024 vor, der die Wirtschaftlichkeit der Genossenschaft vor dem Hintergrund der Lage am Weinmarkt als „nicht befriedigend“ bewertete.
Der Jahresabschluss wurde einstimmig genehmigt, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat erwies sich als eine reine Formsache. Bei Wahlen zum Vorstand wurden die turnusgemäß ausscheidenden Mitglieder Torben Bernhard (Frei-Laubersheim) und Gunter Brück (Nack) einstimmig wiedergewählt. Brück wurde auch als stellvertretender Vorstandsvorsitzender bestätigt. Rainer Mattern (Fürfeld) und Lothar Schmahl (Gumbsheim), die aus dem Aufsichtsrat ausschieden, wollten nicht wieder kandidieren. Matthias Zöller aus Gau-Weinheim wurde wiedergewählt. Marco Wollschied aus Siefersheim sowie Nils Schröder aus Gumbsheim einstimmig in den Aufsichtsrat gewählt.
Am Ende der Generalversammlung erfolgte eine Ehrung: Für 25 Jahre Engagement in Aufsichtsrat und Vorstand wurde dessen Vorsitzender Gunter Dexheimer mit der silbernen Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes ausgezeichnet, die ihm Aufsichtsratsvorsitzender Jörg Zöller überreichte.
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