StartNachrichtenKreis Mainz-BingenKnall, Rauch und vermisste Kinder: Große Einsatzübung in Gensingen

Knall, Rauch und vermisste Kinder: Große Einsatzübung in Gensingen

GENSINGEN. Ein Knall in der Küche, dichter Rauch zieht durch den Flur und plötzlich schlagen die Rauchmelder Alarm: Was zunächst nach einem gefährlichen Brand in der Kita Morgensonne klingt, war am Sonntagmorgen zum Glück nur eine groß angelegte Übung. Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und das Team der Kindertagesstätte probten gemeinsam den Ernstfall.

Das Szenario wurde dabei möglichst realistisch gestaltet. Nach dem Alarm mussten Kinder sowie Erzieherinnen und Erzieher das Gebäude verlassen und sich am vorgesehenen Sammelplatz einfinden. Unterstützt wurde die Übung von Mitgliedern des Jugendrotkreuzes und der Jugendfeuerwehr, die verschiedene Verletzte darstellten.

Nur wenige Minuten nach dem fiktiven Notruf traf Zugführer Marvin Müller als erster Feuerwehrmann an der Einsatzstelle in der Schulstraße ein. Seine entscheidende Frage an Gabi Pitthan, die an diesem Morgen die Leitung der Kita spielte: „Sind alle Personen aus dem Gebäude?“

Die Antwort lautete: Nein. Eine Hauswirtschaftskraft, ein Kind und ein Erzieher wurden vermisst. Für die nachrückenden Feuerwehrkräfte war damit klar, was zu tun war. „Innenangriff zur Menschenrettung und Brandbekämpfung“, lautete der Auftrag. Eine Nebelmaschine hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das gesamte Gebäude mit künstlichem Rauch gefüllt, während die Rauchmelder lautstark Alarm schlugen.

Atemschutztrupps suchen nach Vermissten
Während die ersten Feuerwehrleute unter Atemschutz in das Gebäude vorgingen, traf fast zeitgleich der erste Rettungswagen des DRK ein. Auch für die Rettungskräfte galt es zunächst, sich einen Überblick über die Lage und die Zahl der Verletzten zu verschaffen. Die Verletztendarsteller machten die Situation zusätzlich realistisch: Kinder husteten und jammerten, angenommen wurden Verletzungen durch Stürze sowie Rauchgasvergiftungen. Über Funk wurden weitere Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst angefordert. Nach wenigen Minuten hatten die Atemschutztrupps die drei vermissten Personen gefunden. Zwei bewusstlose Personen wurden auf Tragen aus dem Gebäude zum Sammelplatz gebracht. Der vermisste Erzieher war noch gehfähig. Mittlerweile standen in der engen Schulstraße zahlreiche Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge. Auch die sommerlichen Temperaturen machten den Einsatzkräften während der körperlich anstrengenden Übung zu schaffen.

Verletzte werden vom DRK versorgt
Am Sammelplatz übernahmen Feuerwehr und DRK die Versorgung der Verletzten. Die am schwersten verletzten Personen wurden von den Rettungskräften behandelt und anschließend in die Rettungsfahrzeuge gebracht – bereit für einen angenommenen Transport in eine Klinik. Schließlich kam die erlösende Meldung: „Feuer aus, Lüftungsmaßnahmen.“ Mit einem großen Lüfter wurde der künstliche Rauch aus dem Gebäude gedrückt. Nach und nach verstummten auch die Rauchmelder. Damit war das wesentliche Übungsziel erreicht.

Organisatoren ziehen positives Fazit
Die Organisatoren Heide Lies vom DRK und Axel Pitthan von der Feuerwehr zeigten sich anschließend mit dem Verlauf der gemeinsamen Übung zufrieden. Auch für das Personal der Kita Morgensonne brachte der realitätsnahe Einsatz wichtige Erkenntnisse. „Das soll bitte nicht mal in echt so passieren“, waren sich die Beteiligten nach dem Ende der Übung einig.

Für die Erzieherinnen und Erzieher sollen die während des Einsatzes gewonnenen Erfahrungen nun auch Thema einer Teambesprechung werden. Denn eine solche Situation unter möglichst realistischen Bedingungen zu trainieren, unterscheidet sich deutlich davon, vorhandene Einsatz- und Evakuierungskonzepte ausschließlich theoretisch durchzusprechen. Auch DRK-Beobachter Tobias Bechtluft lobte die gute Zusammenarbeit und regte eine Wiederholung an. Gerade gemeinsame Übungen bieten Feuerwehr, Rettungsdienst und Kita-Personal die Möglichkeit, voneinander zu lernen und Abläufe für einen tatsächlichen Notfall zu verbessern.

Enge Schulstraße als Herausforderung
Ein weiterer wichtiger Punkt wurde bei der Nachbesprechung deutlich. Axel Pitthan wies noch einmal ausdrücklich auf die beengten Verkehrsverhältnisse in der Schulstraße hin. Außerdem gab er Hinweise zum Einsatzplan für die Grundschule und die beiden Kindertagesstätten in Gensingen.

Rund 40 Personen nahmen insgesamt an der Übung teil. Nach getaner Arbeit lud das DRK die Beteiligten zu einem kleinen Imbiss an seinem Standort ein. Zeit zum Durchatmen blieb den Einsatzkräften allerdings nicht lange: Noch am selben Nachmittag wurden sie zu einem kräftezehrenden Großbrand nach Sprendlingen alarmiert.


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