BAD MÜNSTER AM STEIN-EBERNBURG. Zu einem unschönen und für die Tierwelt folgenschweren Vorfall kam es am vergangenen Sonntag, den 26. April, zur Mittagszeit auf der Nahe. Eine größere Gruppe von Kanuten missachtete bestehende Naturschutz-regelungen und befuhr einen besonders sensiblen Flussabschnitt zwischen Bad Münster und Bad Kreuznach, was zu einer dramatischen Rettungsaktion für eine Schwanenfamilie führte.
Nach Angaben der Naturschutzgruppe Nahe handelte es sich bei der Gruppe um etwa 13 bis 14 Personen. Diese befuhren einen Bereich, der vom 1. April bis zum 31. Oktober aufgrund der Brut- und Aufzuchtzeit von Wasservögeln besonderen Einschränkungen unterliegt. Mehrere Zonen sind in diesem Zeitraum für das Befahren komplett gesperrt. Zudem dürfen drei dort befindliche Wehre bei dem aktuell herrschenden Niedrigwasser weder überfahren noch betreten werden, um Schäden an der Flusssohle und den dort lebenden Organismen zu vermeiden.
Laut Beobachtungen bewegten sich die Freizeitpaddler lautstark über die gesamte Flussbreite und befuhren auch die ökologisch wertvollen Uferbereiche. Auf die dort brütenden oder Jungtiere führenden Wasservögel wurde keinerlei Rücksicht genommen. Die Folgen waren verheerend: Mehrere Vogelfamilien gerieten in Panik, Altvögel flüchteten, und Jungtiere verloren den Anschluss zu ihren Eltern.
Die Naturschutzgruppe Nahe geht davon aus, dass es sich nicht um Mitglieder örtlicher Vereine handelte, welche die Regeln in der Regel kennen und beachten. Vielmehr wird vermutet, dass es sich um Kunden einzelner Anbieter handelt, die geführte Touren oder Trendsportarten wie „Packrafting“ bewerben, ohne dabei ausreichend auf die Schutzgebiete und Befahrungsverbote hinzuweisen, wie es professionelle Anbieter tun.
Besonders dramatisch entwickelte sich die Situation nahe der Eisenbahnbrücke. Ein Schwanenvater, der versuchte, seine Familie vor der herannahenden Kanugruppe in Sicherheit zu bringen, geriet dabei in das Revier eines anderen Schwanenpaares. Das revierverteidigende Paar griff den eindringenden Schwan sofort an. Der heftige Kampf verlagerte sich bis ans Ufer. Schließlich blieb der attackierte Schwanenvater regungslos liegen, wurde aber von seinen Artgenossen weiter attackiert.
„Nur durch das beherzte Eingreifen eines zufällig anwesenden Anglers und eines Familienvaters, die einem Mitglied unserer Gruppe sofort zu Hilfe eilten, konnte der Schwan und damit seine gesamte Familie gerettet werden“, berichtet ein Sprecher der Naturschutzgruppe Nahe sichtlich bewegt. Die beiden Helfer setzten sich dabei selbst erheblichen Gefahren aus, da im Uferbereich eine starke Strömung herrschte und der Untergrund sehr rutschig war. „Dies war absolut nicht selbstverständlich. Wir bedanken uns an dieser Stelle vielmals für diese mutige und außergewöhnliche Hilfe!“, so der Sprecher weiter.
Die Naturschutzgruppe Nahe betont, dass solche Vorfälle oft gravierende Folgen haben, die nicht sofort sichtbar sind. In stark strömenden Gewässerabschnitten verlieren Jungvögel schnell den Kontakt zu ihren Eltern. Da ihr Gefieder noch nicht vollständig entwickelt und wasserabweisend ist, saugt es sich schnell voll. Dies führt oft innerhalb kurzer Zeit zu Unterkühlung, Erschöpfung und letztendlich zum Ertrinken der Küken. Viele dieser Verluste bleiben unbemerkt.
„Solche Situationen sind absolut vermeidbar“, betont die Naturschutzgruppe eindringlich. „Es gibt auf der Nahe ausreichend alternative Strecken, die befahren werden können. Wer sich jedoch bewusst über bestehende Regeln hinwegsetzt, gefährdet aktiv Tiere und zerstört wertvolle, selten gewordene Lebensräume.“
Gerade in der Brut- und Aufzuchtzeit seien störungsfreie Rückzugsräume für die Tiere überlebenswichtig. Die Nahe verfüge nur über wenige derart geschützte Abschnitte, umso wichtiger sei es, diese konsequent zu respektieren. Die Gruppe appelliert daher an alle Wassersportler und Freizeitpaddler, die bestehenden Befahrungsverbote strikt einzuhalten. Auch außerhalb geschützter Bereiche sollte Rücksicht genommen werden: Tiere sollten in die Uferbereiche flüchten können und nicht vor den Booten hergetrieben werden.
Zudem bittet die Naturschutzgruppe Nahe um Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Identifizierung der betreffenden Kanutengruppe führen könnten. Melden kann man dies unter: 0177-6287588.
„Wir bedanken uns für Ihr Verständnis und Ihre Rücksichtnahme“, schließt der Appell Ihrer Naturschutzgruppe Nahe.






