StartNachrichtenKreis Bad KreuznachApp statt Dresscode: Ist der Besuch der klassischen Spielbank noch zeitgemäß?

App statt Dresscode: Ist der Besuch der klassischen Spielbank noch zeitgemäß?

RHEINLAND-PFALZ. Spielbanken und Casinos zählen in vielen Ländern zu den edelsten und pompösesten Bauten und auch die staatlichen Spielbanken in Deutschland können sich sehen lassen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich dieses Bild jedoch teilweise gewandelt. Der Dresscode ist heute eher casual statt elegant und die größte Konkurrenz kommt nicht mehr aus der Nachbarregion, sondern aus dem Internet. Und dennoch, den Spielbanken in Rheinland-Pfalz geht es wirtschaftlich gut.

Haben Spielbanken ihren Reiz verloren?

Die Geschichte der Spielbanken in Deutschland ist lang und beginnt tatsächlich hier in Rheinland-Pfalz. Bereits im Jahr 1720 eröffnete mit der Spielbank Bad Ems die erste deutsche Spielbank, gefolgt von der Spielbank Wiesbaden im Jahr 1771 und der Spielbank Baden-Baden im Jahr 1801.

Waren die Spielbanken über viele Jahrzehnte lang allein den Adligen und Wohlhabenden vorbehalten, wurden sie insbesondere im 20. Jahrhundert zunehmend für ein breiteres Publikum zugänglich. In den deutschen Spielbanken galt dennoch über viele Jahre hinweg ein klar definierter Dresscode.

Herren erschienen im Anzug oder zumindest mit Sakko, Damen in eleganter Abendgarderobe. Heute werden Gäste in der Regel nur noch gebeten, in gepflegter Alltagskleidung zu erscheinen. Dieser Wandel vollzog sich nicht abrupt, sondern schrittweise und ging in gewisser Weise mit dem veränderten Image der Spielbanken einher.

Er verlief aber auch parallel zu den veränderten Ausgehgewohnheiten der Menschen in Deutschland. Vor allem jüngere Menschen greifen heute deutlich seltener zu formeller Garderobe, zumal es nur noch wenige Anlässe gibt, bei denen elegante Kleidung selbstverständlich ist.

Spielbanken zählen dabei gerade für junge Menschen zunehmend weniger zu den bevorzugten Ausgeh-Locations. Wer Glücksspiele spielen möchte, tut dies meist online. Laut Latintimes nutzen daher insbesondere junge und digital-affine Menschen lieber Online-Angebote, statt den Weg in eine reale Spielbank auf sich zu nehmen.

Spielbanken in Rheinland-Pfalz bleiben wirtschaftlich höchst relevant

Das Geschäft der Spielbanken in Rheinland-Pfalz boomt dennoch wie nie zuvor. Die sechs Standorte haben sich nach den Coronajahren allem Anschein nach hervorragend erholt und spülten zuletzt Rekordsummen in die Haushaltskassen des Landes. Laut dem jüngsten Haushaltsplan für die Haushaltsjahre 2025/2026 des Bundeslandes Rheinland-Pfalz betrug die Spielbankenabgabe im Jahr 2024 insgesamt 26,5 Mio. €.

Für das Jahr 2025 und 2026 wurden hingegen ganze 41,8 Mio. € respektive 42,3 Mio. € eingeplant. Dies sind auch im Vergleich zu den Jahren vor Corona neue Höchstwerte. Von 2018 bis 2020 beispielsweise lagen die Abgaben jeweils nur etwas über 10 Mio. €. Anders  als in anderen deutschen Bundesländern handelt es sich bei den Spielbanken in Rheinland-Pfalz allerdings nicht um staatliche Betriebe.

Drei Standorte gehören zur Spielbank Mainz, Trier, Bad Ems GmbH & Co. KG, die anderen drei (Bad Neuenahr, Bad Dürkheim und Nürburgring) zur Spielbank Bad Neuenahr GmbH & Co. KG. Die aktuellen Konzessionen für Mainz, Trier und Bad Ems laufen noch bis 2027 mit der Möglichkeit einer fünfjährigen Verlängerung.

Die Konzession für die anderen drei Standorte wurde zuletzt 2022 verlängert und gilt bis 2031, ebenfalls mit der Möglichkeit einer fünfjährigen Verlängerung.

So gehen Spielbanken mit der Zeit

Um mit den digitalen Angeboten mithalten zu können, haben sich die Spielbanken in Deutschland in den letzten Jahren deutlich verändert. Der klassische Casinoabend mit strengen Regeln und formellem Auftreten spielt heute eine wesentlich kleinere Rolle. Stattdessen setzen die Häuser auf ein offeneres und moderneres Konzept, das auch Menschen anspricht, die früher keinen Bezug zur Spielbank hatten.

Dazu gehören Events, Themenabende oder Live-Musik, die den Besuch stärker in Richtung Freizeiterlebnis verschieben. Auch Restaurants und Bars wurden ausgebaut, sodass die Spielbank nicht mehr nur als Ort zum Spielen wahrgenommen wird, sondern als kompletter Ausgehort.

Ein Abend im Casino soll heute mehr sein als nur das Spiel am Tisch oder Automaten. Gleichzeitig wurden die Zugangsregeln gelockert. Ein strenger Dresscode ist inzwischen die Ausnahme. Statt Anzug und Abendkleid reicht in den meisten Fällen gepflegte Alltagskleidung aus.

Damit reagieren die Betreiber auf veränderte Erwartungen, vor allem bei jüngeren Gästen. Insgesamt zeigt sich, dass Spielbanken mit der Zeit gehen und ihr Angebot breiter aufstellen, um attraktiv zu bleiben und neue Zielgruppen zu erreichen.

Direkte Online-Alternativen noch nicht vorhanden

Allzu direkte Konkurrenz aus dem Netz haben die Spielbanken insbesondere in Rheinland-Pfalz jedoch ohnehin nicht, zumindest nicht im legalen Markt. Zwar wurden mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 erstmals bundesweit Online-Spielautomaten und Online-Poker legalisiert, Spielbankenspiele wie Roulette oder Blackjack in digitaler Form jedoch nicht ganz so pauschal.

Stattdessen soll jedes Bundesland selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang entsprechende Online-Angebote zugelassen werden. Der rechtliche Rahmen sieht dabei keine freie und unbegrenzte Öffnung des Marktes vor. Vielmehr ist die Zahl möglicher Konzessionen klar begrenzt und an die bestehende Zahl landbasierter Spielbankkonzessionen gekoppelt.

Jedes Land kann also nur in einem engen Rahmen eigene Modelle schaffen und muss sich dabei an den Vorgaben des Glücksspielstaatsvertrags orientieren. Genau deshalb ist die Lage in Deutschland bis heute uneinheitlich. Während einzelne Länder diesen Weg bereits gegangen sind und legale Angebote zugelassen haben, hält sich Rheinland-Pfalz bislang zurück.

Das Land hat von dieser Möglichkeit bisher keinen Gebrauch gemacht und damit auch keine direkten digitalen Pendants zu den eigenen Spielbanken geschaffen. Für die Häuser vor Ort ist das ein Vorteil, weil sie im legalen Markt des Bundeslandes keine unmittelbare Konkurrenz aus dem gleichen Segment haben. Gleichzeitig zeigt sich daran aber auch, wie vorsichtig Rheinland-Pfalz in diesem Bereich weiterhin agiert.

Verzicht auf zusätzliche Steuereinnahmen?

Rheinland-Pfalz verzichtet damit bewusst auf potenzielle zusätzliche Steuereinnahmen aus dem Bereich der Online-Casinospiele. Während andere Bundesländer eigene Modelle geschaffen haben und entsprechende Abgaben direkt vereinnahmen, bleibt dieser Teil des Marktes im Land bislang ungenutzt.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass die stationären Spielbanken weiterhin stabil aufgestellt sind. Die zuletzt deutlich gestiegenen Einnahmen aus der Spielbankabgabe belegen, dass das klassische Angebot trotz wachsender digitaler Konkurrenz funktioniert.

Der Online-Markt wächst zwar, vor allem durch internationale Anbieter, die für viele Nutzer leicht zugänglich sind. Dennoch hat dies bislang nicht dazu geführt, dass die landbasierten Spielbanken an Bedeutung verlieren.

Rheinland-Pfalz setzt damit weiterhin auf ein klar begrenztes Modell, das auf Kontrolle und bestehende Strukturen ausgerichtet ist. Ob dieser Kurs langfristig beibehalten wird, bleibt offen. Aktuell zeigt sich jedoch, dass auch ohne eigene Online-Casino-Lizenzen stabile Einnahmen erzielt werden können.


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