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Vom Café Löwenzahn zurück ins Arbeitsleben – Jobcenter besucht Wohnungslosenhilfe auf der Eremitage

BRETZENHEIM. Ein ausgebauter Bauwagen, Sonnensegel, kühle Getränke und der Duft von Sommer in der Luft: Das Café Löwenzahn auf dem Gelände der Wohnungslosenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie in Bretzenheim wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Ausflugscafé in der Nähe der bedeutenden historischen Stätte des Felsenklosters. Doch hinter dieser idyllischen Kulisse steckt weit mehr – nämlich ein konsequentes Konzept, das wohnungslosen Menschen einen Weg zurück in ein geregeltes Arbeitsleben eröffnet. Kurz vor Beginn der neuen Förderperiode für geförderte Arbeitsgelegenheiten (AGH) machten sich Oliver Kohl (SPD), Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent, sowie die Geschäftsführung des Jobcenters Bad Kreuznach, Patricia Reidenbach und Joey Isted, gemeinsam mit Benedikt Schöfferle, Bereichsleiter Projektfinanzierung der kreuznacher diakonie, dem Fallmanager Bernd Gaulke und Fachkraft Claudia Baader vom Jobcenter ein Bild von der Einrichtung und ihrer Arbeit.

Eine Einrichtung mit langer Tradition
Die Eremitage in Bretzenheim blickt auf eine lange Geschichte zurück: Bereits seit 1928 dient sie als Unterkunft für wohnungslose Menschen. Von Beginn an wurde sie autark gestaltet – mit eigener Infrastruktur, die Selbstversorgung und Eigeninitiative fördert. Heute stehen auf dem weitläufigen Gelände mehr als 50 Plätze, darunter acht für Frauen, zur Verfügung, die keine eigene Wohnung mehr haben und häufig mit mehrfachen Belastungen umgehen müssen.

Ein besonderer Pluspunkt der Einrichtung: Bewohnerinnen und Bewohner dürfen ihre Hunde mitbringen. „Das erleichtert vielen Menschen den Schritt, hier einzuziehen, enorm“, erklärt Einrichtungsleiter Heiner Trauthig. Gerade für Wohnungslose, die ihre einzige verlässliche Bindung zu ihrem Haustier haben, ist das kein kleines Detail – sondern oft der entscheidende Anstoß, von der Straße in die Einrichtung zu wechseln.

Das ländliche Umfeld der Eremitage unterstützt die Konzeption: „Die Lage ist von Vorteil für Menschen mit Suchtproblemen, weil sie aus dem städtischen Umfeld herauskommen. So gelingt es besser, die Sucht zu kontrollieren – oder manchmal sogar zu überwinden“, berichtet Trauthig. Die Einrichtung wird übrigens auch von Menschen aus anderen Landkreisen genutzt und vom Landesamt für Jugend, Soziales und Versorgung finanziert. Die Finanzierung der an die Einrichtung angegliederten Notunterkunft übernimmt der Landkreis Bad Kreuznach

Schafe, Bücher und Igelhotels: Beschäftigung als Brücke
An Aufgaben mangelt es auf der Eremitage nicht. Neben dem Betrieb des Café Löwenzahn – das an Wochenenden auch für Radfahrer und Ausflügler geöffnet ist – wirken die Bewohnerinnen und Bewohner im Bücherflohmarkt mit, kümmern sich um Schafe, Hühner und Nandus auf dem Gelände und werkeln in der Kreativwerkstatt, wo unter anderem Insekten- und Igelhotels gebaut werden. Besonders die Tierpflege kommt bei den Bewohnerinnen und Bewohnern gut an – sie bietet Struktur, Verantwortung und täglich sichtbare Ergebnisse.

Wer möchte, kann stundenweise gegen eine Motivationsprämie arbeiten, um das Taschengeld aufzubessern. Wer mehr Verbindlichkeit sucht, findet sie in den acht vom Jobcenter geförderten Plätzen der AGH: Hier arbeiten die Teilnehmenden ganze Tage, übernehmen Verantwortung und erhalten eine klare Tagesstruktur. Die Mittel für die geförderte Beschäftigung werden jährlich bewilligt. Teilnehmende können bis zu drei Jahre gefördert werden. Darüber hinaus finanziert das Jobcenter Bad Kreuznach eine Anleiterstelle im Rahmen der AGH, deren Aufgabe es ist, die Menschen Schritt für Schritt an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen.

Eine funktionierende Förderkette
Das Konzept zeigt Wirkung. „Das spricht für eine funktionierende Förderkette“, betont Joey Isted beim Besuch. Oliver Kohl ergänzt: „Das Ziel ist erreicht, wenn Menschen wieder in ein reguläres Arbeitsverhältnis kommen.“

Gefördert vom Land Rheinland-Pfalz in Kooperation mit dem Jobcenters Bad Kreuznach wurden seit 2023 bereits drei unbefristete Arbeitsverhältnisse ermöglicht – ein echter Meilenstein für Menschen, die sich aus schwierigen Lebensumständen herausgearbeitet haben. Um die Menschen in der Einrichtung optimal zu begleiten und ihnen einen Weg zurück ins Arbeitsleben zu eröffnen, sucht Fallmanager Bernd Gaulke die Bewohner regelmäßig direkt in der Eremitage auf. Auch Fachkraft Claudia Baader von Jobcenter, die sich um die Koordination mit dem Träger kümmert, ist regelmäßig vor Ort.

„Hier kommen Menschen mit Brüchen in ihrer Biografie an“, sagt Einrichtungsleiter Trauthig – und deutet dabei auf ein Gemälde an der Wand des Speisesaals. Es stammt von einem ehemaligen Bewohner, dem der Weg zurück gelungen ist: Heute arbeitet er als freischaffender Künstler und entwirft Bühnenbilder an einem renommierten Theater.


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