Heldentenor zieht bittere Bilanz: Kultur leidet heute noch
BAD KREUZNACH. Die Corona-Pandemie von 2020 bis 2023 hat tiefe Spuren hinterlassen: viele Tote, Schwerkranke und Menschen, die heute noch psychisch leiden, Bürgerinnen und Bürger, deren wirtschaftliche Existenzgrundlage massiv beeinträchtigt oder gar ruiniert wurde, die Spaltung der Gesellschaft beim Streitthema „Impfung“. Das Stadtarchiv hat jene Zeit in Bad Kreuznach vielfach dokumentiert. Im Corona-Tagebuch haben über 40 Autorinnen und Autoren aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen in über 230 Beiträgen fast täglich geschrieben wie es ihnen geht, welche Ängste und Sorgen sie haben. Zusätzlich gibt es eine Fotodokumentation über die Folgen von Lockdown, Kontaktbeschränkung und weiteres. Außerdem waren „Maskenträger“ zu einem professionellen Foto-Shooting ins Haus der Stadtgeschichte eingeladen. In einer Corona-Gesprächsreihe erzählten Künstler, Arzt, Krankenschwester, Erzieherin, Polizist, Gastwirt, Metzger, Lehrer, Familien etc. (insgesamt 19 Interviews) über die Auswirkungen der Pandemie auf ihren Alltag. „Wie geht es den Menschen heute?“, will Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann wissen. Sie hat daher die Interviewer von damals, Yuliyan Ilev und Marc Bremmer (FM-Gässjer), für eine Fortsetzungsreihe beauftragt. „Der Vergleich von heute zur Pandemie ist ein wichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte der Stadt.“

Im August 2020 war der Heldentenor Stefan Vinke der erste, der sich den Fragen zu seinem „Corona-Alltag“ stellte. Vinke, ein internationaler gefragter Opernstar, sang beispielweise den „Siegfried“ aus der Wagner-Oper „Götterdämmerung“, den Lohengrin und Tristan weltweit an großen Häusern in Berlin, London, Wien, Peking, Melbourne. Wie geht es dem Träger des städtischen Förderpreises für Kunst und Kultur von 2015 heute? Vinke, der in Hargesheim wohnt, zieht fünfeinhalb Jahre nach seinem ersten Interview eine bittere Bilanz: „Ich habe nahezu alle Engagements verloren. Die Kultur hat einen echten Kahlschlag erlebt und hat sich von Corona nicht mehr erholt.“ Nach der zweijährigen Kultur-Zwangspause wechselten in vielen Opernhäusern die Verantwortlichen, die nun häufig jüngere Tenöre engagierten. „War ich früher im Jahr zehn Wochen zu Hause, bin ich nun zehn Wochen unterwegs“, beschreibt der 60-Jährige die drastischen Auswirkungen
Das komplette Interview ist ab Montag, 20. April In der Mediathek im Haus der Stadtgeschichte unter https://badkreuznach.stadtgeschichte.online sowie überall, wo es Podcasts gibt zu hören. Abrufbar sind auch die Interviews mit Hendrik Bott, Kneipenwirt,- Bettina Dickes, Landrätin, und Rolf Bernardi, Stammkreuznacher und Wahlspanier.





