BAD KREUZNACH / REGION. Ein innovatives Projekt zur Kreislaufwirtschaft nimmt im Landkreis Bad Kreuznach Fahrt auf: Ab sofort können Bürger im KRN Servicepoint am Bahnhof Bad Kreuznach ihre mit Speiseölresten gefüllten Sammelbehälter des Projekts „Jeder Tropfen zählt“ gegen leere tauschen. Dieses Engagement schont nicht nur Ressourcen, sondern verbessert auch die Klimabilanz der Region, da das gesammelte Öl zu umweltfreundlichem HVO-Kraftstoff für die Busse der KRN (Kommunalverkehr Rhein Nahe) verarbeitet wird.
Vom Küchenabfall zum Biotreibstoff
„Dieses Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kreislaufwirtschaft im Alltag funktionieren kann“, betonte Landrätin Bettina Dickes bei einem gemeinsamen Pressetermin mit KRN-Geschäftsführer Uwe Hiltmann auf dem Betriebshof der KRN. Die Landrätin zeigte sich erfreut über die aktive Beteiligung der Bürger: „Jeder einzelne Tropfen Speiseöl, der nicht im Abwasser landet, sondern wiederverwertet wird, ist ein Gewinn für unsere Umwelt.“
KRN-Geschäftsführer Uwe Hiltmann ergänzte: „Als kommunales Verkehrsunternehmen tragen wir eine besondere Verantwortung für den nachhaltigen Mobilitätswandel in der Region. Die Partnerschaft im Projekt ‚Jeder Tropfen zählt‘ ist ein wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir schließen damit den Kreislauf vom Abfallprodukt zum klimafreundlichen Antrieb direkt vor Ort.“

KRN setzt auf HVO: Weniger CO2 und Feinstaub
Die KRN nutzt bereits in einem Teil ihrer Busflotte den umweltfreundlichen HVO-Kraftstoff (Hydrotreated Vegetable Oil). „Aktuell fahren 55 Fahrzeuge unserer Flotte in Bad Kreuznach mit HVO. Dadurch reduzieren wir die CO₂-Emissionen dieser Fahrzeuge um bis zu 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Diesel. Auch der Feinstaubausstoß sinkt um etwa ein Drittel“, so Hiltmann.
Der Betriebshof der KRN verfügt mit einer Lagerkapazität von 200.000 Litern über die größte HVO-Tankstelle in der Region. Obwohl anfangs eine gewisse Skepsis bei den Mitarbeitern bestand, hat sich der HVO-Kraftstoff bewährt. Wolfgang Hackauf von der KRN-Leitung Flotte und Facility bestätigte, dass der gesamte Verbrennungsprozess mit HVO angenehmer und weniger geruchsintensiv sei. Jährlich benötigt die KRN über eine Million Liter Kraftstoff.
Positive Zwischenbilanz und Ausbau der Sammelstellen
Rund 100 Tage nach dem offiziellen Startschuss im Mai 2025 zieht die Kreisverwaltung Bad Kreuznach eine positive Zwischenbilanz. „Die Resonanz ist sehr gut“, schildert Birgit Kilian, die im Bürgerbüro der Verwaltung die grünen Sammelbehälter für Öl- und Speisefettreste ausgibt. Sie und ihre Kollegin Nicole Bamberger händigen täglich zwischen fünf bis 15 Behältern aus. Bisher wurden rund 80 volle Behälter zurückgegeben beziehungsweise gegen leere umgetauscht. Die Bürger kommen dabei gezielt ins Bürgerbüro, um die Behälter abzuholen.
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Zusätzliche Ausgabe- und Sammelstellen sind die Verbandsgemeinde Bad Kreuznach und die Ortsgemeinde Spabrücken (seit Mitte Juni im Gemeindehaus). Auch der Dorfladen Hergenfeld und GULINA – Dorfladen Guldental beteiligen sich. In der Verbandsgemeindeverwaltung Rüdesheim sowie in den Dorfläden Hennweiler und am Soonwald in Winterbach sind weitere Ausgabestellen in Planung.
Projektkoordinatorin Birgit Beuscher ist derzeit auf der Suche nach weiteren Partnern, wie Einzelhandelsfilialen oder Ortsgemeinden, die als Ausgabe- und Annahmestellen fungieren möchten. Diese geben Behälter gegen eine Pfandgebühr von 2,50 Euro aus, stellen eine Rücknahmetonne auf und händigen neue leere Sammelbehälter aus.

Auch für Gastronomiebetriebe und Vereine bietet die Kreisverwaltung Möglichkeiten an, das gebrauchte Fett abzugeben.
Das Projekt „Jeder Tropfen zählt“ zeigt, wie jeder Einzelne einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, indem aus Küchenabfällen sauberer Treibstoff für den öffentlichen Nahverkehr wird.




