KREIS BIRKENFELD. Der Nationalparklandkreis Birkenfeld will sein Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr optimieren. Ziel ist es, Fahrten auf wenig nachgefragten Linien zu reduzieren, das Liniennetz bedarfsgerecht weiterzuentwickeln und gleichzeitig Kosten einzusparen. Dazu liegt nun ein Maßnahmenpaket vor, das Änderungen bei mehreren Buslinien sowie die Umstellung einzelner Verbindungen auf Rufbusse vorsieht.
Die Mitglieder des Ausschusses für Infrastruktur, Wirtschaft, Umwelt- und Klimaschutz (IWUK) stimmten den Vorschlägen in ihrer jüngsten Sitzung mit einer Gegenstimme zu. Ob der Kreistag dieser Empfehlung folgt, soll sich heute, am 2. November, entscheiden.
Zum Hintergrund: Zum 1. August 2022 hatte der Landkreis sein ÖPNV-Angebot auf jährlich rund 5,4 Millionen Buskilometer ausgeweitet – nahezu das Dreifache der vorherigen Fahrleistung. Um bei diesem Angebot auf Grundlage der bisherigen Erfahrungen nachzujustieren, ließ der Rhein-Nahe-Nahverkehrsverbund (RNN) im den Jahren 2023 bis 2025 Fahrgastzählungen durchführen. Dabei wurden mehrere Linien mit sehr geringer Nachfrage identifiziert und mit einer „roten Ampel“ gekennzeichnet.
Mit den daraus abgeleiteten Vorschlägen zur Optimierung des ÖPNV hatte sich der IWUK bereits mehrfach befasst. Im weiteren Verlauf wurden die Maßnahmen auf ihre praktische Umsetzbarkeit und ihr Einsparpotenzial hin überprüft. Dabei flossen auch Anregungen aus den Gemeinden ein. Zugleich sollte sichergestellt werden, dass die Attraktivität und Verlässlichkeit des Busangebots im Kreis grundsätzlich erhalten bleiben.
Die Ergebnisse dieser Prüfung stellte Marco Remy, Prokurist und Koordinator der Verkehrsplanung beim RNN, in der jüngsten Ausschusssitzung vor.
Bei der Umsetzung sind die bestehenden Verkehrsverträge mit den beiden Busunternehmen Scherer-Reisen und den Nahverkehrsbetrieben Birkenfeld (NVB) zu berücksichtigen. Die Verkehrsleistungen im Landkreis sind auf vier Lose verteilt: Scherer-Reisen bedient die Lose 1 bis 3, die NVB das Los 4 und den Stadtverkehr Idar-Oberstein.
Die auf zehn Jahre ausgelegten Verträge sehen unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit vor, Verkehrsleistungen abzubestellen. Diese Option soll aber bis maximal 20 Prozent der im jeweiligen Vertrag vereinbarten Kilometerleistung von der Verwaltung ausgeübt werden.
Eine weitere Einschränkung betrifft kleinere Änderungen des Fahrplanangebots: Bleibt die Verringerung der jährlichen Fahrplankilometer in einem Los unter 2 Prozent des vereinbarten Vertragsvolumens, führt sie nicht zu einer finanziellen Entlastung des Kreises. Denn der Zuschuss des Kreises an das jeweilige Verkehrsunternehmen bleibt in diesem Fall unverändert.
Diese Änderungen sind bei den Buslinien vorgesehen
Das vom RNN erarbeitete Maßnahmenpaket umfasst Anpassungen bei mehreren Linien im Kreisgebiet:
Linie 804: Einzelne Fahrten sollen montags bis freitags nicht mehr über die Citrinstraße in Tiefenstein, sondern über die Landesstraße 177 zur Haltestelle „Veitsrodt Markt“ geführt werden. Dadurch verbessert sich die Anbindung der Orte Veitsrodt und Herborn. Die jährliche Fahrleistung verringert sich zugleich um rund 300 Kilometer.
Linie 812: Der Abschnitt zwischen der Mikadohalle in Idar und Regulshausen wird bislang stündlich bedient, weist jedoch nur eine geringe Nachfrage auf. Künftig soll dort ein Zweistundentakt gelten. Dadurch lassen sich jährlich circa 15.000 Buskilometer einsparen.
Linie 813: Auf der Verbindung nach Algenrodt soll der bisherige Halbstundentakt am Nachmittag und Abend auf einen Stundentakt umgestellt werden. Die jährliche Fahrleistung sinkt dadurch um etwa 8.000 Kilometer.
Linie 820: Die Verbindung vom Bahnhof Oberstein über Frauenberg nach Reichenbach soll künftig nur noch montags bis freitags verkehren. Die Fahrten am Wochenende entfallen. Als Alternative soll die Rufbuslinie 829 künftig zusätzlich über Reichenbach geführt werden. Das Einsparpotenzial beträgt hier rund 54.000 Kilometer pro Jahr.
Linien 857 und 858: Die Verbindungen von Rhaunen nach Horbruch sowie von Rhaunen über Hausen, Oberkirn, Schwerbach und Gösenroth sollen vollständig auf Rufbusse umgestellt werden.
Linie 890 – Nationalparklinie: Hier liegt das größte Einsparpotenzial. Der Abschnitt zwischen Rhaunen und der Wildenburg soll wegen der geringen Nachfrage entfallen. Zwischen den Nationalparktoren Wildenburg und Hunsrückhaus soll die Linie künftig über Kempfeld, Schauren, Bruchweiler, Sensweiler, Wirschweiler und Allenbach führen. Damit werden zusätzliche Orte an die Nationalparklinie angebunden. Auch das Angebot zwischen Birkenfeld, Neubrücke und dem Hunsrückhaus soll angepasst werden: Einzelne Fahrten sind künftig stärker auf die touristische Nachfrage ausgerichtet. Sie sollen vormittags in Richtung Nationalpark und nachmittags zurückführen. Insgesamt könnten dadurch auf der Linie 890 rund 170.000 Buskilometer pro Jahr eingespart werden.
Linien 835 und 839: Die Verbindung der Linie 835 von Neubrücke nach Idar-Oberstein soll künftig über Hoppstädten (Kapelle) und Dienstweiler führen. Um den dafür erforderlichen zusätzlichen Zeitaufwand auszugleichen, entfallen die bisherigen Stichfahrten nach Nockenthal und Mackenrodt. Beide Orte sollen künftig montags bis samstags durch die neue Rufbuslinie 839 an Idar-Oberstein angebunden werden.
Linie 899: Die Rufbusverbindung vom Schulzentrum in Weierbach nach Bruchweiler beziehungsweise Langweiler soll künftig montags bis samstags nur noch alle zwei Stunden angeboten werden.
Nach der derzeitigen Einschätzung der Kreisverwaltung ergeben sich bei den Losen 1 bis 3 durch die geplanten Anpassungen keine finanziellen Einsparungen für den Kreishaushalt. Für den Stadtverkehr Idar-Oberstein werden dagegen jährliche Einsparungen von rund 6000 Euro erwartet.
Das größte finanzielle Potenzial liegt im Los 4. Hier könnten die Kosten um bis zu 380.000 Euro jährlich sinken. Voraussetzung dafür ist, dass bei der Anpassung der Linie 890 für alternative Rufbusangebote keine neuen Midibusse angeschafft werden müssen. Stattdessen sollen bereits vorhandene zwölf Meter lange Dieselbusse zum Einsatz kommen.
In dieser Frage herrschte im IWUK Einigkeit: Für die Rufbusangebote soll auf die vorhandenen Dieselbusse zurückgegriffen werden.
Auch bei der Grundsatzfrage, ob die Maßnahmen trotz der fehlenden Einsparungen in den Losen 1 bis 3 umgesetzt werden sollen, zeichnete sich im IWUK eine klare Mehrheit ab. Die zuständige Dezernentin Kathrin Alfers hatte die Ausschussmitglieder um eine Einschätzung zum Gesamtpaket gebeten.
„Die Optimierungsvorschläge sind das Produkt einer langen und intensiven Diskussion, die wir hier im Ausschuss geführt haben. Mein Plädoyer ist es, sie 1:1 umzusetzen“, erklärte Thomas Roland (SPD). Armin Korpus (CDU) schloss sich dieser Einschätzung ausdrücklich an. Er lobte die sachlich fundierten Änderungsvorschläge des RNN. Auch Hans-Joachim Billert (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für das Maßnahmenpaket aus. Zugleich mahnte er an, die weitere Entwicklung des ÖPNV-Angebots genau zu beobachten und bei Bedarf nachzusteuern. Die einzige Gegenstimme kam von Tobias Wirth (AfD). Er erklärte, die Optimierungsvorschläge für Los 4 mitzutragen. In den Losen 1 bis 3 solle es seiner Ansicht nach dagegen bei den bisherigen Regelungen bleiben, da dort keine finanziellen Einsparungen zu erwarten seien.
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