REGION. Ausgetrocknete Bachbetten, stark gesunkene Wasserstände und immer weniger Rückzugsorte für Tiere: Der trocken-heiße Sommer hinterlässt auch im Landkreis Bad Kreuznach deutliche Spuren. Nach Angaben des NABU führen zahlreiche Bäche nur noch sehr wenig oder überhaupt kein Wasser. Die Naturschützer sehen in der Renaturierung von Flüssen, Bächen und Auen einen wichtigen Baustein, um die Landschaft künftig widerstandsfähiger gegen Trockenperioden zu machen.
Besonders deutlich zeigt sich die Situation derzeit am Hahnenbach und Kellenbach, die nur noch sehr wenig Wasser führen. Der Münchheddartgraben bei Odernheim am Glan ist bereits ausgetrocknet. Im Entenbach fließt seit Mitte Juni kein Wasser mehr durch Schlossböckelheim.

Auch die Wasserstände vieler Tümpel und kleinerer Gewässer im Kreis Bad Kreuznach sind während des Sommers dramatisch gesunken. Für zahlreiche Tiere hat dies gravierende Folgen. Kaulquappen, Molchlarven und Wasserinsekten verlieren ihre Lebensräume und können bei vollständig ausgetrockneten Gewässern nicht überleben.
Eine Ausnahme bildet unter anderem das NABU-Amphibienschutzgebiet bei Monzingen. Dort gelang es Naturfreunden mit erheblichem Aufwand, Wasserstellen künstlich am Leben zu erhalten und damit dem Amphibiennachwuchs eine Entwicklung zu ermöglichen. Allerdings ist zu befürchten, dass zahlreiche Tiere nach ihrem Landgang der extremen Trockenheit zum Opfer gefallen sind.
An den wenigen noch vorhandenen Wasserstellen herrscht unterdessen reger Betrieb. Insekten und Vögel, aber auch Rehe und andere Waldbewohner suchen verstärkt die verbliebenen Kleingewässer auf.

„Niedrigwasser ist kein Schicksal“
Für Carolin Wazinski von der NABU-Regionalstelle Rheinland-Pfalz Mitte steht fest, dass langfristig gegengesteuert werden muss. „Niedrigwasser ist kein Schicksal“, betont sie. Die Landschaft müsse wieder stärker in die Lage versetzt werden, Wasser zu speichern.
Eine wichtige Rolle spielen dabei nach Ansicht des NABU renaturierte Bäche und Flüsse sowie ihre Auen. Sie können dazu beitragen, Wasser länger in der Fläche zu halten und natürliche Speicherkapazitäten zurückzugewinnen.
Die Folgen ausgetrockneter Gewässer beträfen dabei nicht nur die Natur. Artenvielfalt und Wasserqualität litten ebenso wie Landwirtschaft, Industrie und Schifffahrt. „Die aktuelle Situation macht deutlich, dass Wirtschaft und Natur nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern aufeinander angewiesen sind“, erklärt Wazinski.
Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung, dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz und dem geplanten Gesetz zum Schutz der Natürlichen Infrastruktur seien Instrumente vorhanden. Entscheidend sei nun deren konsequente Umsetzung. Renaturierungsmaßnahmen seien eine langfristige Investition in Klimaanpassung, Artenvielfalt und die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft.

Wasserstellen im Garten können Tieren helfen
Doch auch Bürger können während der aktuellen Trockenheit mit einfachen Mitteln helfen. Der NABU empfiehlt, auf Balkonen und in Gärten Wasser bereitzustellen. Bereits eine flache Schale kann Insekten, Vögeln und anderen Tieren helfen. Ein Stein oder ein Stück Holz in der Schale bietet Insekten eine sichere Landemöglichkeit.
Wichtig ist dabei die Hygiene: Die Gefäße sollten täglich mit heißem Wasser ausgespült und anschließend mit frischem Wasser befüllt werden, damit sich an den Wasserstellen keine Krankheiten verbreiten. Mit Blick auf den Herbst empfiehlt der NABU zudem, Gärten stärker an künftige Hitze- und Trockenperioden anzupassen. Heimische Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter, die auch mit heißen und trockenen Standorten zurechtkommen, können dabei helfen. Gleichzeitig bieten sie Tieren Nahrung und schattige Rückzugsorte – und machen den heimischen Garten widerstandsfähiger gegen die nächste Hitzewelle.





