StartNachrichtenKreis Bad KreuznachWeinland Nahe richtet Amt der Wein-Majestät neu aus: „Mehr als nur Repräsentation“

Weinland Nahe richtet Amt der Wein-Majestät neu aus: „Mehr als nur Repräsentation“

BAD KREUZNACH. Die Weinregion Nahe geht bei der Zukunft ihres traditionsreichen Amts der Wein-Majestät neue Wege. Nachdem es im vergangenen Jahr erstmals keine Bewerbung für das Amt gegeben hatte, arbeitet Weinland Nahe nun mit einem umfassend überarbeiteten Konzept an einer grundlegenden Modernisierung. Künftig soll die Nahewein-Majestät deutlich mehr sein als eine klassische Repräsentantin oder ein Repräsentant auf Weinfesten: Im Mittelpunkt stehen persönliche Entwicklung, fachliche Kompetenz, Social Media und die aktive Mitgestaltung der Region.

Bis November dieses Jahres wird das Amt deshalb übergangsweise von ehemaligen Nahewein-Majestäten übernommen. Rund 30 frühere Weinköniginnen, Weinprinzessinnen und einem ehemaligen männlichen Titelträger haben sich bereit erklärt, Termine wahrzunehmen. Nach Angaben von Geschäftsführerin Lara Mindnich konnte bislang jeder Termin besetzt werden. Die Resonanz innerhalb des Netzwerks ehemaliger Majestäten beschreibt sie als „starke Gemeinschaft“.

Keine Bewerbungen mehr: Weinland Nahe reagiert auf Entwicklung
Die Neuausrichtung kommt nicht von ungefähr. Während sich in früheren Jahren zahlreiche junge Menschen um das Amt bewarben, gingen die Zahlen zuletzt stark zurück. Vor zwei Jahren gab es lediglich zwei Bewerbungen, im vergangenen Jahr erstmals gar keine mehr.

„Das Amt hat weiterhin eine hohe Relevanz, leidet aber unter einem deutlichen Imageproblem“, erläuterte Mindnich im Gespräch. Viele ehemalige Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber würden das Amt als modern und prägend beschreiben, doch dieses Bild komme in der Öffentlichkeit bislang nicht ausreichend an.

Um herauszufinden, wie das Amt zukunftsfähig gestaltet werden kann, startete Weinland Nahe einen breit angelegten Beteiligungsprozess. Grundlage war eine Online-Befragung mit 261 ausgefüllten Fragebögen. Ergänzend wurden Gespräche mit ehemaligen Wein-Majestäten, dem Deutschen Weininstitut, anderen Anbaugebieten, Tourismusvertretern, der Politik sowie regionalen Akteuren geführt. Begleitet wurde der Prozess von einer Mainzer Agentur.

Arbeitskreis mit Winzern, Tourismus und ehemaligen Majestäten
Parallel wurde ein interdisziplinärer Arbeitskreis gegründet. Beteiligt waren unter anderem Jungwinzer, Vertreter des Bauern- und Winzerverbandes, ehemalige Nahe- und Deutsche Weinmajestäten, Tourismusvertreter sowie Akteure aus der Veranstaltungsbranche.

Vorstandsmitglied Pauline Baumberger-Brand berichtete, dass bereits zu Beginn Einigkeit darüber bestanden habe, das Amt unbedingt erhalten zu wollen. Diskutiert worden sei unter anderem, ob künftig mehrere Titel vergeben werden sollen oder weiterhin nur eine einzige Nahewein-Majestät gewählt wird. Letztlich entschied sich der Arbeitskreis bewusst für ein einzelnes Amt. Wichtig sei außerdem gewesen, dass das neue Konzept weiterhin mit der Wahl der Deutschen Weinmajestät kompatibel bleibt.

Persönlichkeit statt reine Symbolik
Mit dem neuen Konzept verändert sich vor allem die inhaltliche Ausrichtung. Die Persönlichkeit der Amtsinhaberin oder des Amtsinhabers soll künftig stärker im Vordergrund stehen als Krone und traditionelle Symbolik.
Bewusste Beibehaltung von Tradition: Der Name „Nahewein-Majestät“ und die Krone bleiben, um Kontinuität und Wiedererkennung zu sichern. Gleichzeitig soll das Amt aber moderner, flexibler und individueller werden. „Die Nahewein-Majestät wird als modernes Talent- und Mentoringprogramm neu gedacht“, so Weinland-Nahe Geschäftsführerin, Anja Moser.

Künftig sollen die Amtsinhaberinnen oder Amtsinhaber eigene Schwerpunkte setzen und ihr Amtsjahr aktiv gestalten können. Geplant sind Seminare in Bereichen wie Rhetorik, Englisch, Weinfachwissen und Kommunikation. Gleichzeitig soll Raum für eigene Projekte und Ideen entstehen.

Social Media wird zentraler Bestandteil
Ein besonderer Schwerpunkt liegt künftig auf der digitalen Kommunikation. Die Nahewein-Majestät soll aktiv an der Social-Media-Strategie von Weinland Nahe mitarbeiten und die Region auch online repräsentieren.

Bei der Vorstellung des neuen Konzeptes sprach man von einer „ernsthaften, signifikanten Funktion mit echter Verantwortung“. Die Rolle solle weit über klassische Begrüßungen auf Weinfesten hinausgehen. Stattdessen gehe es um Moderation, Kommunikation, Marketing und die authentische Vermittlung von Wein, Tourismus und Regionalität.

Die größere Reichweite sozialer Medien im Vergleich zu klassischen Veranstaltungen spiele dabei eine entscheidende Rolle. Die Nahewein-Majestät werde künftig aktiv Teil der Marketingstrategie von Weinland Nahe.

Minijob und Mitarbeit im Team von Weinland Nahe
Neu ist außerdem die organisatorische Einbindung. Die Nahewein-Majestät wird künftig auf Minijob-Basis für ein Jahr Teil des Teams von Weinland Nahe sein. Vorgesehen ist unter anderem ein fester Arbeitstag pro Woche in der Geschäftsstelle.

Der ehrenamtliche Charakter des Amts soll dennoch erhalten bleiben. Viele ehemalige Amtsinhaber hätten ausdrücklich betont, wie wichtig ihnen das Ehrenamt sei. Deshalb setzt Weinland Nahe künftig auf ein Mischmodell aus Ehrenamt und monetärer Wertschätzung.

Fachwissen bleibt wichtig
Trotz aller Modernisierung soll die fachliche Kompetenz weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Laut den Ergebnissen der Umfrage erwarten rund 98 Prozent der Befragten ein hohes Maß an Wein- und Fachwissen. Ebenso wichtig seien die überregionale Präsenz sowie die enge Verbundenheit zur Region.

Gleichzeitig soll das Amt künftig offener werden. Bewerben können sich nicht mehr nur junge Menschen mit direktem Hintergrund im Weinbau. Entscheidend seien vielmehr Persönlichkeit, Kommunikationsstärke und die Leidenschaft für die Region.

Am 2. November 2024 wurde Zoé Keller de Almeida Soliz letzten Naheweinkönigin gewählt. Naheweinprinzessin wurde Laura Ludwig.

Neues Auswahlverfahren ersetzt öffentlichen Wahlabend
Auch das Auswahlverfahren wird vollständig umgebaut. Statt eines öffentlichen Wahlabends mit großer Jury soll künftig ein vertrauliches Interviewverfahren stattfinden.
Die Jury wird von bislang fast 60 Personen auf 15 Mitglieder verkleinert. Vertreten sein sollen unter anderem Jungwinzer, Tourismusvertreter, ehemalige Wein-Majestäten, das Deutsche Weininstitut, die Politik sowie regionale Verbände. Die Bewerbungsphase läuft bereits und endet am 10. August. Anschließend erhalten alle Bewerberinnen und Bewerber Unterstützung durch Weinland Nahe, unter anderem durch Vorbereitungsmaterialien und Mentoring-Angebote ehemaliger Majestäten.

Der eigentliche Auswahlprozess findet zwei Wochen vor dem neuen Krönungsabend statt. Dieser ist für den 7. November geplant. Der bisherige öffentliche Wahlabend wird damit durch einen Krönungsabend ersetzt, der stärker den gemeinschaftlichen Charakter der Region betonen soll.

„Ein prägendes Erlebnis fürs ganze Leben“
Für Weinland Nahe geht es bei der Neuausrichtung nicht nur um Weinmarketing, sondern auch um die Förderung junger Talente. Viele ehemalige Nahewein-Majestäten seien heute weiterhin stark in Politik, Ehrenamt, Vereinen oder regionalen Netzwerken engagiert.

„Viele sagen, ohne dieses Amt würden sie heute nicht dort stehen, wo sie heute sind“, berichtete Lara Mindnich. Das Amt habe viele Persönlichkeiten nachhaltig geprägt und wirke weit über das eigentliche Amtsjahr hinaus.
Mit dem neuen Konzept wolle man deshalb bewusst Tradition und Moderne verbinden – und gleichzeitig jungen Menschen eine zeitgemäße Plattform bieten, um Verantwortung zu übernehmen und die Region aktiv mitzugestalten.

Möchtest Du die nächste NaheWeinMajestät sein?
Alle Infos findest du unter www.weinland-nahe.de
Telefon 0671-83405-0,
E-Mail info@weinland-nahe.de


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