WALLHAUSEN. Die Gemeinde Wallhausen, im Kreis seit Jahren auch als „schwarzes Wallhausen“ bekannt, da die CDU bei Wahlen häufig Ergebnisse von über 90 Prozent erzielt, hat am Sonntag ein besonderes Jubiläum gefeiert. Der CDU-Ortsverband beging in den Räumen von „Barthelmeh’s Gourmetservice“ sein 77-jähriges Bestehen – unter den Gästen auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner.
Ortsvorsitzender Tobias Wilbert bezeichnete das Jubiläum in seiner Begrüßung als „ein Stück Wallhäuser Geschichte, ein Stück Identität und ein Stück Verantwortung“. Politik sei vor allem Gemeinschaftsarbeit, betonte er und erinnerte an die zahlreichen Wahlen der vergangenen Jahre. Demokratie lebe nicht nur von Wahlzetteln, sondern vor allem von Begegnungen und Engagement vor Ort. Als Beispiel für funktionierenden Zusammenhalt nannte Wilbert die in kurzer Zeit umgesetzte Eisbahn, die mit Ehrenamt, Sponsoren und Vereinen realisiert worden sei.

Ortsbürgermeister Christoph Jäckel hob in seiner Rede die Bedeutung kommunaler Politik hervor. „Politik beginnt nicht in Berlin und nicht in Mainz – sie beginnt hier vor Ort“, sagte er. Hinter der CDU stünden „keine Karrieristen, sondern Menschen mit Herzblut“. Die Eisbahn sei „in acht Wochen umgesetzt“ worden und zeige: „Wenn man uns machen lässt, dann liefern wir.“ Zugleich forderte Jäckel mehr Vertrauen in die Kommunen und eine bessere finanzielle Ausstattung durch das Land. Bei der Landtagswahl hofft er, dass die SPD abgewählt wird. „Es regiert eine Partei die aus Verwaltung einen Selbstzweck gemacht hat. 35 Jahre Stillstand! 35 Jahre Filz! 35 Jahre Bürokratie, die sich schneller vermehrt als die Feldhasen auf der Hardt im Frühling“, so Jäckel.
Landtagskandidatin Katharina Gräff stellte den gesellschaftlichen Austausch vor Ort in den Mittelpunkt. Politisches Gespür entstehe im direkten Gespräch mit den Menschen: „Wenn man in einem Weintreff an so einer Theke steht, dann kommt jeder irgendwann mal vorbei.“ Sie sprach sich für mehr Vertrauen in kommunale Entscheidungsträger aus und bezeichnete ihren Wahlkreis als „Zuhause“. Auch künftig wolle sie bei Veranstaltungen und in der Wallhäuser Vinothek präsent bleiben.

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigte die starke Dorfgemeinschaft und das ehrenamtliche Engagement. Das Jubiläum solle nicht nur Anlass zum Rückblick sein, sondern Auftrag, gemeinsam weiterzuarbeiten – mit dem Ziel, aus „77“ Jahren einmal „100“ zu machen. Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt entstünden durch den Einsatz vieler Bürgerinnen und Bürger, betonte sie und ermutigte unter anderem die Kandidaten für die Landtagswahl Katharina Gräff und Dr. Helmut Martin vor Ort, sich weiterhin engagiert dem Wettbewerb zu stellen, auch wenn öffentliche Ämter zunehmend mit persönlicher Kritik verbunden seien.
Landrätin Bettina Dickes unterstrich ebenfalls die besondere Gemeinschaft in Wallhausen. Das „schwarze Wallhausen“ stehe für eine starke CDU, für Zusammenhalt und dafür, dass im Dorf gemeinsam angepackt werde. Prägend seien neben Infrastruktur vor allem „Herzlichkeit“ und „Menschlichkeit“.
Besonders würdigte Dickes das Engagement zahlreicher örtlicher Akteure sowie die Arbeit des langjährigen Ortsbürgermeisters, der sinnbildlich „wie so eine Aufziehmaus durchs Dorf gelaufen“ sei und vieles bewegt habe. Sie lobte zudem das Engagement zahlreicher örtlicher Akteure und zeigte sich zuversichtlich mit Blick auf die politische Entwicklung vor Ort.
Bürgermeister Markus Lüttger sprach über aktuelle Herausforderungen der Kommunalpolitik, insbesondere die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden sowie die Förderpolitik von Land und Bund. Eine unzureichende Ausstattung führe oft zu höheren Belastungen für Bürgerinnen und Bürger, etwa bei Steuern oder Infrastrukturprojekten. Positiv hob er hervor, dass die Verbandsgemeinde Rüdesheim ihre Ortsgemeinden weiter unterstützen wolle, unter anderem durch eine geplante Senkung der Umlage. Gleichzeitig dankte Lüttger dem langjährigen Beigeordneten Heinz Martin Schwerbel für dessen sachliche und bürgernahe Arbeit.
Scharfe Kritik übte er am Umgang mit der Landtagskandidatin Katharina Gräff beim „politischen Ascherdienstag“ des CDU-Kreisverbandes in Guldental, wo sie keine Rede halten durfte und auch keine Plakate von ihr aufgehängt wurden. „Das war Mobbing in höchsten Tönen und unterirdisch. Ich distanziere mich von diesem Verhalten. Ein solches Verhalten gehöre nicht in eine „Familie der CDU“, so Lüttger, der den Kreisvorsitzenden Dr. Martin bat, dies auch der Kreisgeschäftsstelle mitzuteilen.
Im Rahmen des Festaktes wurde außerdem Stephan Lorsbach für 25 Jahre CDU-Mitgliedschaft geehrt. Der frühere Ortsbürgermeister Wolfgang Zerback, der für 60 Jahre Parteizugehörigkeit ausgezeichnet werden sollte, konnte wegen eines Reha-Aufenthaltes nicht teilnehmen.
Mit dem Jubiläum blickte der Ortsverband nicht nur auf mehr als sieben Jahrzehnte Geschichte zurück, sondern auch auf die kommenden politischen Aufgaben in Gemeinde, Kreis und Land.





