GULDENTAL. Große Freude herrschte vor kurzem bei der ARGE Nahe-
Lachs e.V. und dem Angelsportverein Guldental: Im unteren Guldenbach wurden rund 20.000 junge Lachse ausgesetzt. Die 3 bis 5 Zentimeter großen Sömmerlinge stammen aus dänischer Zucht und sollen langfristig zur Wiederansiedlung des Lachses im Nahesystem beitragen. Das Projekt wird vom Land unterstützt und von der Oberen Fischereibehörde mit etwa 10 000 Euro finanziert.
Der Besatz erfolgte unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Jörg Schneider, der im Auftrag des Landes Rheinland-Pfalz das Projekt „Lachs 2040“ an der Nahe begleitet. Unterstützt wurde er von zahlreichen ehrenamtlichen Helfern, die sich seit Jahren für den Schutz und die Rückkehr des Lachses einsetzen.
Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts war der Lachs in den Nebenflüssen des Rheins –
darunter auch die Nahe – heimisch. Durch Gewässerverschmutzung, Überfischung und den Bau von Wehranlagen verschwand der Wanderfisch jedoch nahezu vollständig aus dem Rhein-Einzugsgebiet. Seitdem steht der Lachs unter strengem Schutz, ein Fang ist hierzulande nicht mehr erlaubt.

Die ARGE Nahe-Lachs e.V., gegründet am 6. April 2002, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Lachs im Nahesystem wieder heimisch zu machen. Neben Schulungen als Lachswarte, Besatz mit Junglachsen, Exkursionen zu Wasserkraftanlagen, gab es zahlreiche Behördentermine, um die Durchgängigkeit der Nahe zu verbessern. Letzteres ist besonders dringlich – die Wiederansiedlung gelingt nur, wenn der Lebensraum für den Lachs wieder durchgängig und naturnah gestaltet wird. Hiervon würden auch viele andere heimische Fischarten profitieren, wie Barbe, Nase, Maifisch und Meerforelle.
Im letzten Jahr hat sich der Vorstand der ARGE Nahe-Lachs neu aufgestellt. „Die größte Hürde liegt derzeit im Unterlauf der Nahe bei Laubenheim“, erklärt der neue Vorsitzende der ARGE, Christian Henning. Dort blockiert eine Querverbauung mit zwei Wasserkraftanlagen bereits nach wenigen Kilometern den Aufstieg wandernder Fische. Die ARGE fordert deshalb das Land Rheinland-Pfalz auf, endlich für die notwendige Durchgängigkeit zu sorgen – wie sie in der EU-Wasserrahmenrichtlinie gesetzlich vorgeschrieben ist.
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Ein weiterer dringender Punkt: die Sicherstellung ausreichender Restwassermengen an den
Wehranlagen, um den „tötungsfreien Auf- und Abstieg der Fische“ zu ermöglichen. Auch an der Wasserkraftanlage in Gensingen sieht die ARGE Handlungsbedarf. Mit einem neu aufgestellten Vorstand, bestehend aus Christian Henning (1. Vorsitzender), Jürgen
Heß und Michael Simon (stellvertretende Vorsitzende), Frank Fütterer (Schatzmeister), Peter Korn (Geschäftsführer), Dennis Höning (Pressereferent) sowie acht Beisitzern, geht die ARGE die Herausforderungen mit neuem Elan an. Im Fokus steht dabei nicht nur die Durchgängkeit, sondern auch die bessere Vernetzung mit den Angelvereinen an der Nahe, etwa durch eine neue Homepage, gemeinsame Projekte zum Kormoranmanagement oder Renaturierungsmaßnahmen. „Nur wenn alle Akteure an einem Strang ziehen, haben die jetzt ausgesetzten Junglachse in drei Jahren eine echte Chance, als laichfähige Tiere aus der Nordsee zurückzukehren“, so Henning. Der symbolträchtige Besatz ist damit nicht nur ein ökologisches Signal, sondern auch ein Aufruf zum gemeinsamen Handeln – für einen lebendigen Fluss und die Rückkehr des Königsfischs in die Nahe.






