STAUDERNHEIM/REGION. Ein Museum zu betreiben, bleibt für Ursula und Michael Altmoos ein Abenteuer – auch nach 15 Jahren. Mit fast 10.000 Besuchern, vielen Begegnungen und einer unfallfreien Saison zieht das Betreiberpaar des „Nahe der Natur – Mitmach-Museums für Naturschutz“ eine positive Bilanz für 2026. Am 18. Oktober endete die reguläre Besuchssaison. Die Arbeit geht jedoch weiter: mit digitalen Angeboten, Vorträgen und neuen Ideen für das kommende Jahr.
„Wir sind dankbar“, sagen Ursula und Michael Altmoos. Ihr privat getragenes Museum setzt auf ein besonderes Finanzierungsmodell: Die Gäste entscheiden am Ende ihres Besuchs selbst, welchen Eintrittspreis sie entsprechend ihrem Gefallen bezahlen möchten. Auf staatliche, verbandliche oder wirtschaftliche Förderung verzichten die Betreiber nach eigenen Angaben bewusst, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren.
Das Museum verbindet Ausstellungen über Naturschutz und ökologische Zusammenhänge mit Kunst, Mitmachangeboten und unmittelbaren Naturerlebnissen. Zum Gelände gehören acht Hektar Freifläche mit rund vier Kilometern Pfaden. Der Museumshof mit Café dient zugleich als Treffpunkt für Gespräche und Begegnungen. Die beiden Naturschutzbiologen möchten mit ihrem Angebot auch Menschen erreichen, die sich bislang wenig mit Umweltthemen beschäftigen – verständlich, gelegentlich humorvoll und ohne erhobenen Zeigefinger.
Besondere Anziehungspunkte sind der Moosgarten und der ehemalige Steinbruch, in dem sich ein wilder Wald entwickelt hat. Nach Angaben der Betreiber stammen rund 70 Prozent der Besucher nicht aus den Kreisen Bad Kreuznach und Birkenfeld. Viele reisen aus dem Rhein-Main-Gebiet an, aber auch aus Rhein-Neckar und dem Rheinland. Gleichzeitig wachse das regionale Publikum.
„Das positive Feedback der allermeisten Besucher ist überwältigend“, berichtet Ursula Altmoos. Besonders bewegend seien Begegnungen im Schmetterlingsgarten: Wenn dort im Sommer Hunderte bunte Falter unterwegs sind, würden manche Gäste die Betreiber vor Freude spontan umarmen. Vereinzelt gebe es Kritik an den schmalen Pfaden. Diese gehörten jedoch bewusst zum Naturerlebnis und sollen erhalten bleiben.
Auch organisatorisch habe sich das Museum weiterentwickelt. „Die Kinderkrankheiten sind nach der nun schon 15. Saison beseitigt“, sagt Ursula Altmoos. Die Besucherverteilung sei verbessert worden, an der Caféausgabe gebe es nur selten Wartezeiten.
Nicht alle Veranstaltungen waren allerdings so gut besucht wie erhofft. Bei manchen Konzerten, Lesungen und Vorträgen blieben trotz positiver Rückmeldungen der Anwesenden überraschend viele Plätze frei. Für das Betreiberpaar ist das Anlass, weiter an passenden Angeboten zu arbeiten. „Wir überlegen stets, was wir Neues, Attraktives anbieten, was hierher zum Thema passt, was Menschen in diesen Zeiten mögen.“
Neben Naturerlebnissen und Bildungsangeboten beschäftigt sich das Museum auch mit Konflikten zwischen Naturschutz und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Michael Altmoos spricht sich dabei für Solaranlagen auf bereits versiegelten Flächen und einen aus seiner Sicht maßvollen Umgang mit Natur und Landschaft aus. Diese Positionen würden vielfach positiv aufgenommen, von einigen Kommunalvertretern und Windkraftbefürwortern aber auch kritisch betrachtet, berichtet er. Den Betreibern sei ein friedlicher Austausch über unterschiedliche Sichtweisen wichtig.
Über Staudernheim hinaus ist das Museum mit Internetangeboten, Büchern und einem eigenen Radiosender präsent. Auf den Webseiten www.nahe-natur.com und www.freinatur.net finden Interessierte Informationen unter anderem zu Wildnis, Naturgärten und Energiethemen. In diesem Jahr erschien zudem das Buch „Miniwildnis für Alle“ von Michael Altmoos und Eva Stengel zur gleichnamigen bundesweiten Kampagne.
Ein weiteres Angebot ist NATURADIO: Der Internetsender aus dem Museum verbindet Musik verschiedener Stilrichtungen mit Themen wie Natur, Mitwelt und Frieden. Unter dem Motto „Erhörte Vielfalt“ läuft das Programm durchgehend und ist unter www.naturadio.net frei empfangbar. Michael Altmoos beschreibt es als „Umweltthemen in Musik zum Entdecken und Genießen“. Musikwünsche erreichen ihn nach eigenen Angaben aus ganz Europa.
Die Wintermonate nutzt die Museumsfamilie für wissenschaftliche Arbeit und die Entwicklung neuer Ausstellungsideen. Besuche im Museum und im Moosgarten bleiben nach vorheriger Absprache möglich, allerdings mit eingeschränktem Ausstellungsangebot. Die nächste Hauptsaison mit regelmäßigen Öffnungszeiten, Thementagen, Konzerten und einer neuen Ausstellung beginnt am 11. April 2027.
Zuvor ist das Museum noch in der Region unterwegs: Am Freitag, 6. November, um 19 Uhr geht es bei der Initiative Soonwald im Gasthaus Spaller Hof in Spall um „Fremde Arten“. Am Montag, 9. November, folgt um 19.30 Uhr bei der Naturstation im Kurmittelhaus in Bad Münster am Stein der Vortrag „Miniwildnis für Alle“. Weitere Informationen stehen unter www.nahe-natur.com/mobil.
Ein Juwel, das Wertschätzung verdient

Ein Museum mit so viel Herzblut, Fachwissen und persönlichem Einsatz zu betreiben, ist gerade in der heutigen Zeit bewundernswert. Ursula und Michael Altmoos schaffen in Staudernheim einen Ort, an dem Menschen Natur entdecken, zur Ruhe kommen und miteinander ins Gespräch finden können. Hinter diesem Angebot steckt weit mehr Arbeit, als bei einem Spaziergang durch den Moosgarten oder den wilden Steinbruchwald sichtbar wird.
Wir können im Naheland stolz und glücklich sein, ein solches Juwel zu haben. Fast 10.000 Besucher in einer Saison zeigen, dass dieser besondere Ort Menschen begeistert – viele nehmen dafür eine längere Anreise in Kauf. Das sollte auch uns in der Region ermutigen, die Schätze vor der eigenen Haustür wieder bewusster wahrzunehmen.
Unser Tipp: Merkt euch schon jetzt den 11. April 2027 vor, wenn die nächste Hauptsaison beginnt. Und hört bis dahin doch einmal bei NATURADIO hinein. So lässt sich ein Stück der Staudernheimer Naturbegeisterung auch durch den Winter mitnehmen.







