StartJahrmarkt 2026Was hinter dem Jahrmarkt steckt: Schausteller gewähren exklusive Einblicke

Was hinter dem Jahrmarkt steckt: Schausteller gewähren exklusive Einblicke

BAD KREUZNACH. Einen Tag vor der offiziellen Eröffnung des Bad Kreuznacher Jahrmarktes gehört ein Termin inzwischen fest zum Programm: der traditionelle Backstage-Rundgang des Schaustellerverbandes mit den Medienvertretern. Am Donnerstagvormittag öffneten einige Schausteller ihre Geschäfte und gewährten dabei Einblicke in Bereiche, die den Jahrmarktsbesuchern normalerweise verborgen bleiben.
Von modernster Technik im neuen Riesenrad über ein traditionsreiches Kinderkarussell und riesige Mengen an Plüschtieren bis hin zu frisch gekochten Soßen im Nudelhaus und der Technik einer einzigartigen Schiffschaukel reichte die diesjährige Tour über die Pfingstwiese.

55 Meter hoch und 287 Tonnen schwer
Erste Station war einer der großen Hingucker des diesjährigen Jahrmarktes: das 55 Meter hohe Riesenrad „Eyecatcher“. Willi Kipp junior stellte den Medienvertretern die neue Anlage vor, die erst im vergangenen Herbst nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde. Das Riesenrad verfügt über 42 Gondeln, in denen jeweils auch ein Rollstuhl Platz findet. Im aufgebauten Zustand bringt die Anlage rund 287 Tonnen auf die Waage.

Technisch unterscheidet sich das neue Riesenrad deutlich vom „Europarad“, das in den vergangenen Jahren auf der Pfingstwiese zu Gast war. Obwohl beide Räder mit 55 Metern gleich hoch sind, ist die neue Konstruktion wesentlich kompakter und moderner.
Besonders beeindruckend ist die Logistik. Während für das frühere Riesenrad rund 20 Transporte notwendig waren, kommt der „Eyecatcher“ mit lediglich acht Transporten aus. Drei Mittelbauwagen werden nebeneinander positioniert, hydraulisch zusammengesetzt und anschließend verschraubt. Ein großer 250-Tonnen-Kran wird für den Aufbau ebenfalls nicht mehr benötigt.
Wenn es schnell gehen müsste, könnte das Riesenrad innerhalb von zwölf Stunden aufgebaut werden. Im normalen Jahrmarktsbetrieb nehmen sich die Schausteller dafür jedoch etwa drei Tage Zeit – schließlich stehen auch Reinigung und weitere Arbeiten auf dem Programm. Der Abbau dauert rund eineinhalb bis zwei Tage.

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Auch während des Betriebs übernimmt moderne Computertechnik viele Aufgaben. Acht energiesparende Motoren treiben das Rad an. Die Steuerung registriert unter anderem, in welcher Gondel Fahrgäste eingestiegen sind und sorgt für einen geregelten Ablauf beim Ein- und Aussteigen. Künstliche Intelligenz steckt allerdings nicht dahinter: Die Anlage arbeitet mit einer exakt programmierten Computersteuerung. 
Für die besondere Optik sorgen energiesparende RGB-LEDs auf Vorder- und Rückseite sowie zwei Videoleinwände, die unter anderem für Projektionen und Werbung genutzt werden können.

Kinderkarussell mit jahrzehntelanger Tradition

Von modernster Riesenradtechnik ging es anschließend zu echter Jahrmarktstradition. Dominik Moser-Steinke stellte sein legendäres Kinderkarussell vor. Nach Angaben der Betreiber handelt es sich um das älteste Kinderkarussell auf dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt. Seit 1984 soll es an seinem heutigen Standort stehen. Selbst die Bilder am Karussell sind noch original erhalten. Anders als beim hochmodernen Riesenrad ist beim Auf- und Abbau noch jede Menge Handarbeit gefragt. Das Karussell besteht aus zahlreichen Einzelteilen, die in zwei Anhängern transportiert werden.

Ganz ohne moderne Technik kommt aber auch der Klassiker nicht mehr aus: Die Beleuchtung wurde komplett auf LED umgestellt und durch farbige RGB-Effekte ergänzt. Besonders stolz sind die Betreiber auf die enge Verbindung vieler Familien zu ihrem Fahrgeschäft. Großeltern, die früher selbst mit dem Karussell gefahren sind, kommen heute mit ihren Enkeln vorbei. Auch Eltern bringen ihre Kinder Jahr für Jahr wieder mit. Damit ist das Fahrgeschäft für viele Besucher längst ein Stück persönliche Jahrmarktgeschichte geworden.

Tausende Plüschtiere warten auf Gewinner
Ganz andere Dimensionen offenbarte Schausteller Thomas Schmidt an seinem Greifer-Geschäft „Topper“. Insgesamt 28 Automaten stehen dort. Nach Möglichkeit soll jeder Automat mit einem anderen Artikel bestückt sein, damit für die Besucher möglichst viel Abwechslung geboten wird. Auch auf der Kirmes ändern sich die Trends ständig. Lizenzartikel sind besonders gefragt, allerdings auch teuer im Einkauf.

Zu den aktuellen Rennern gehören unter anderem Minions, Hello Kitty und verschiedene Hologramm-Artikel. Ein besonders beliebter Hase läuft nach Angaben des Schaustellers derzeit ebenfalls hervorragend. Welche Mengen hinter einem solchen Geschäft stecken, dürfte viele Besucher überraschen. Von einzelnen Artikeln werden teilweise 2.000 bis 2.500 Exemplare bestellt. Bei einer Bestellung wurden beispielsweise 2.400 Stück eines Artikels zu einem Einkaufspreis von 7,99 Euro pro Stück geordert.

Für mehrere Bestellungen wurde sogar eine Gesamtrechnung von 364.000 Euro genannt. An besonders umsatzstarken Jahrmarktstagen wechseln zwischen 600 und 800 Gewinne den Besitzer. Entsprechend groß ist das Lager hinter beziehungsweise über dem Geschäft. Geht ein beliebter Artikel zur Neige, kann Nachschub aus den Lagern in Mannheim und Bremen organisiert werden.

Im Nudelhaus werden die Soßen selbst gekocht
Kulinarisch wurde es bei der nächsten Station. Maxi Ruoff stellte das Nudelhaus vor. Seit 2017 ist der Familienbetrieb regelmäßig vor Ort, seit 2022 kommt das heutige Fahrzeug zum Einsatz. Besonders wichtig: Die angebotenen Soßen werden selbst und frisch gekocht. Sechs verschiedene Nudelsorten stehen zur Auswahl.

Dazu gibt es unter anderem Bolognese, Carbonara, Tomaten- und Knoblauchsoße. Ein besonderer Renner bei den Stammgästen ist die „Pasta Speciale“, eine Mischung aus Bolognese und Carbonara, die gerne noch mit Käse verfeinert wird. Auch auf Allergien und unterschiedliche Ernährungsformen stellt sich der Betrieb zunehmend ein. Glutenfreie Nudeln werden in Bad Kreuznach stärker nachgefragt als beispielsweise zuvor in Stuttgart. Die Tomatensoße ist vegan, ebenso sind die verwendeten Nudeln ohne Ei. Die Bolognese wird ausschließlich mit Rindfleisch zubereitet, während die Carbonara Schweinefleisch enthält.

„Nessie“ sorgt für Bauchkribbeln
Zum Abschluss wurde es noch einmal technisch und nostalgisch zugleich. Hans-Peter Markmann aus Bonn präsentierte die große Schiffschaukel „Nessie“. Das Fahrgeschäft stammt aus dem Jahr 1978 und befindet sich seit 1992 im Familienbesitz. Markmann war damals gerade einmal zwei Jahre alt und ist praktisch mit der Schiffschaukel aufgewachsen. Die Anlage absolviert jährlich zwischen 20 und 25 Standplätze in ganz Deutschland und ist in dieser Ausführung nach Angaben des Schaustellers einzigartig. Die Achse der Schiffschaukel befindet sich in 20 Metern Höhe.

Wer in der letzten Reihe sitzt, erreicht bei der Fahrt knapp 19 Meter Höhe. Insgesamt finden 50 Personen Platz. Für den Antrieb sorgt ein 250-kW-Elektromotor. Vier Antriebsreifen – jeweils zwei für die unterschiedlichen Laufrichtungen – bringen die Schaukel in Bewegung. Wer besonders viel Bauchkribbeln möchte, sollte sich einen Platz außen suchen. Dort ist das typische „Airtime“-Gefühl besonders deutlich zu spüren. Wem dagegen schnell flau im Magen wird, dem empfiehlt Markmann einen Platz in der Mitte. Grundsätzlich sei „Nessie“ aber ein Fahrgeschäft für die ganze Familie – von Jugendlichen bis zu Eltern und Großeltern.

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Auch bei der Beleuchtung hat die Technik längst Einzug gehalten. Wo früher Glühbirnen mit farbigen Kappen für die passende Jahrmarktsatmosphäre sorgten, ermöglicht heute eine komplette RGB-Beleuchtung unterschiedlichste Lichtprogramme. Der traditionelle Backstage-Rundgang zeigte damit auch in diesem Jahr eindrucksvoll, wie viel Arbeit, Technik, Logistik und Leidenschaft hinter den bunten Fassaden der Jahrmarktsgeschäfte steckt. Was für die Besucher ab Freitag fünf Tage lang vor allem Spaß, Nervenkitzel und Genuss bedeutet, ist für die Schausteller das Ergebnis tagelanger Vorbereitung – und in vielen Fällen einer Familientradition, die bereits seit Generationen gelebt wird.


Video vom Backstage-Rundgang:

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Fotoalbum vom Backstage-Rundgang:


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