REGION. Die Verbandsgemeinden Langenlonsheim-Stromberg, Rüdesheim und Rhein-Nahe wollen ihre touristischen Kräfte künftig bündeln und den Erlebnisraum zwischen Rhein, Nahe und Soonwald gemeinsam weiterentwickeln. Nachdem die Verbandsgemeinderäte in Rüdesheim und Rhein-Nahe bereits zugestimmt hatten, beschloss am Mittwoch, 24. Juni auch der Verbandsgemeinderat Langenlonsheim-Stromberg einstimmig den Einstieg in die interkommunale Zusammenarbeit. Mit der Unterzeichnung eines gemeinsamen Letter of Intent gaben die drei Bürgermeister den offiziellen Startschuss für den Entwicklungsprozess.
Ziel ist die Gründung einer wirtschaftlichen touristischen Organisation, die die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken, Ressourcen bündeln und gemeinsame Marketingmaßnahmen umsetzen soll. Die jetzt unterzeichnete Absichtserklärung stellt dabei noch keine endgültige Organisationsentscheidung dar, sondern bildet die Grundlage für den nun beginnenden Entwicklungsprozess.
Projektleiterin und Leiterin der Stabsstelle Tourismus, Kultur und Wirtschaftsförderung, Kirsten Mang, stellte das Vorhaben vor. Sie erläuterte, dass der Prozess bereits im vergangenen Jahr nach der Fusion der touristischen Destination Hunsrück-Nahe begonnen habe. Schnell sei deutlich geworden, dass kleine örtliche Tourist-Informationen künftig allein am Markt nur schwer bestehen könnten. „Wir müssen grenzübergreifend denken und gemeinsame Aktionen entwickeln, anstatt viele kleine Einzelveranstaltungen nebeneinander zu organisieren“, sagte Mang.

Darüber freuen sich der Erste Beigeordnete der VG Rüdesheim, Haiko Grün, Kirsten Mang (li.) und die Leiterin des Bereiches Tourismus der VG Rüdesheim, Sophia Volk.
Bereits bei einem gemeinsamen Strategie-Workshop im Dezember 2025 sei deutlich geworden, dass die drei Verbandsgemeinden zahlreiche gemeinsame touristische Potenziale verbinden. Dazu zählen die Erlebnisräume Rhein, Nahe und Soonwald ebenso wie Weinbau, Wandern und Radfahren sowie kulturhistorische Themen rund um Hildegard von Bingen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an den Tourismus durch Digitalisierung, Datenmanagement, steigende Qualitätsansprüche und den zunehmenden Fachkräftemangel. Viele Aufgaben könnten künftig gemeinsam deutlich effizienter erfüllt werden.
Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt die Bildung sogenannter wirtschaftlicher touristischer Organisationen finanziell. Geplant ist, finanzielle, personelle und organisatorische Ressourcen zusammenzuführen. Innerhalb der kommenden 18 Monate soll gemeinsam mit einem externen Tourismusfachbüro ein Handlungskonzept erarbeitet werden. Dieses bildet die Grundlage für spätere politische Entscheidungen – etwa über die Rechtsform der neuen Organisation, gemeinsame Strukturen sowie deren Finanzierung. Auch ein möglicher neuer Name der Tourismusregion, ein gemeinsames Logo, eine gemeinsame Internetseite, gebündelte Marketingbudgets und erste gemeinsame Projekte stehen auf der Agenda.
Bürgermeister Michael Cyfka sieht in der Zusammenarbeit große Chancen. „Wir bilden gemeinsam knapp 70.000 Einwohnerinnen und Einwohner ab und sind damit etwas größer als die Stadt Bad Kreuznach“, sagte er. Sein Dank galt Projektleiterin Kirsten Mang sowie seinen Bürgermeisterkollegen Markus Lüttger und Benedikt Seemann für die unkomplizierte und zügige Zusammenarbeit. Bereits wenige Monate nach den ersten Gesprächen im Dezember 2025 sei klar gewesen: „Es passt.“ Besonders erfreut zeigte sich Cyfka darüber, dass das Projekt „relativ unbürokratisch“ auf den Weg gebracht werden konnte. Die drei Verbandsgemeinden begegneten sich „auf Augenhöhe“ und bildeten eine „Traumkonstellation“ mit großem touristischem Potenzial.
Die Region verfüge über hervorragende Voraussetzungen, vom Weinbau über attraktive Wander- und Radwege bis hin zu vielfältigen Übernachtungsmöglichkeiten und dem Rhein als bedeutendem touristischen Anziehungspunkt. „Wir wollen nicht nur Zaungast sein, sondern uns aktiv einbringen und die touristische Entwicklung mitgestalten“, betonte Cyfka.
Auch Bürgermeister Markus Lüttger aus der Verbandsgemeinde Rüdesheim unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit. „Der Tourist kennt keine Grenzen“, sagte er. Besucher orientierten sich nicht an Verwaltungsgrenzen, sondern an attraktiven Regionen und Erlebnissen. „Es ist wichtig, dass wir das interkommunale, das globale Denken verinnerlichen. Wenn wir größer denken, dann sind wir auch Magnet für andere“, erklärte Lüttger.
Als Beispiele für eine gemeinsame touristische Vermarktung nannte er kombinierte Tagesangebote mit Besuchen im Schmittenstollen, Weinproben, Schwimmbädern oder Ausflügen in das Freilichtmuseum Bad Sobernheim sowie nach Idar-Oberstein. Gleichzeitig sprach er sich für gemeinsame IT-Strukturen und effizientere Organisationsformen aus. Ziel sei es, wirtschaftlicher zu arbeiten und gleichzeitig die Außenwirkung der gesamten Region deutlich zu stärken.
Bürgermeister Benedikt Seemann von der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe bezeichnete die Kooperation als wichtigen Schritt zur langfristigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Seine Verbandsgemeinde mit Bacharach sei zugleich Teil der Bundesgartenschau 2029 und nehme als Verbindung zwischen Mittelrhein und Naheland eine besondere Rolle ein. „Der Prozess kostet wenig und bringt viel“, betonte Seemann. „Wir machen uns gemeinsam auf den Weg und können uns gegenseitig bereichern – jede Verbandsgemeinde bringt etwas mit.“
Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist bereits erreicht: Der Förderantrag des Landes Rheinland-Pfalz wurde bewilligt. Der rund 18-monatige Entwicklungsprozess wird durch das Land finanziell unterstützt und von einem externen Tourismusfachbüro begleitet. Gemeinsam sollen bestehende Strukturen analysiert, Organisations- und Finanzierungsmodelle entwickelt sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die politischen Gremien erarbeitet werden. Erst anschließend wird entschieden, in welcher Rechtsform die neue touristische Organisation künftig dauerhaft arbeiten soll.
Die Kooperation richtet den Blick dabei bereits auf zwei bedeutende Ereignisse im Jahr 2029: die Bundesgartenschau im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal sowie den 900. Geburtstag der Heiligen Hildegard von Bingen. Beide Anlässe sollen genutzt werden, um den Erlebnisraum zwischen Rhein, Nahe und Soonwald noch enger zu vernetzen, neue touristische Angebote zu entwickeln und zusätzliche Gäste für die gesamte Region zu gewinnen.
Mit der Unterzeichnung des Letter of Intent fiel nun der offizielle Startschuss für eines der größten interkommunalen Tourismusprojekte der Region. Die drei Verbandsgemeinden sind sich einig: Touristische Entwicklung endet nicht an Gemeindegrenzen. Gemeinsam sollen die Stärken der Region gebündelt und der Erlebnisraum zwischen Rhein, Nahe und Soonwald nachhaltig als attraktive Tourismusdestination weiterentwickelt werden.





