StartNachrichtenKreis Bad KreuznachHildegard-Kräutergarten bei Landrätin in Waldböckelheim eröffnet

Hildegard-Kräutergarten bei Landrätin in Waldböckelheim eröffnet

WALDBÖCKELHEIM. Mit der feierlichen Eröffnung eines neuen Hildegard-Kräutergartens auf dem Gelände von Landrätin Bettina Dickes in der Steinmetzstraße 23 ist am Mittwoch ein weiterer Baustein des Hildegard-von-Bingen-Pilgerwegs offiziell eingeweiht worden. Gleichzeitig kündigte Dickes an, den beliebten Wander- und Pilgerweg künftig um eine zusätzliche Schleife rund um Bad Kreuznach erweitern zu wollen.

Vor zahlreichen Gästen blickte die Landrätin auf die Entstehungsgeschichte des Pilgerwegs zurück. Die Idee sei Ende 2014 gemeinsam mit der Theologin Dr. Annette Esser entstanden. Nach ihrer Rückkehr von einer Pilgerreise auf dem Jakobsweg habe Esser den Anstoß gegeben, das Leben und Wirken Hildegards von Bingen entlang eines Wanderwegs erlebbar zu machen. Während Esser die inhaltliche Ausgestaltung übernommen habe, kümmerte sich Dickes vor allem um praktische Fragen wie Streckenführung und Umsetzung.

Foto: Nahe News

Nach mehreren gemeinsamen Wanderungen und Planungen wurde der Hildegard-von-Bingen-Pilgerweg schließlich im Jahr 2017 eröffnet. Ziel sei es gewesen, nicht nur die Biografie der bedeutenden Mystikerin und Gelehrten zu vermitteln, sondern auch ihre Erkenntnisse in den Bereichen Spiritualität, Naturheilkunde und Lebensführung sichtbar zu machen. Zahlreiche Informationstafeln entlang der Strecke informieren bis heute über Leben und Werk Hildegards.

Unterstützt wurde das Projekt von zahlreichen Partnern, darunter die Naheland-Touristik sowie viele engagierte Akteure entlang der Wegstrecke. In den vergangenen Jahren entstanden zudem an verschiedenen Orten Kräutergärten, unter anderem in Oberhausen an der Nahe, Odernheim und auf Schloss Dhaun.

Neuer Rastplatz für Pilger und Wanderer
Der nun eröffnete Kräutergarten soll künftig als offizieller Rastplatz entlang des Pilgerwegs dienen. Entstanden ist die Anlage im Frühjahr dieses Jahres. Dickes bezeichnete den Garten augenzwinkernd als „Räubergarten“, da die Pflanzen aus vielen unterschiedlichen Quellen stammen. Kräuter und Heilpflanzen wurden unter anderem aus Schöneberg, dem Freilichtmuseum, privaten Gärten sowie von Nachbarn beigesteuert.
Besucher finden dort vier thematisch angelegte Beete zu den Bereichen Verdauung, Herz und Seele, Atemwege sowie Entzündungen. Eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein, während Informationstafeln Wissenswertes über die Pflanzen vermitteln. Künftig sollen Besucher mithilfe digitaler Anwendungen weitere Informationen über die Heil- und Wirkstoffe der Kräuter abrufen können.
Eine Besonderheit des Gartens sind mehrere Maulbeerbäume, deren Früchte die Gäste bei der Eröffnung bereits probieren konnten.

Foto: Nahe News

Parallel zur Eröffnung stellte Dickes Pläne zur Erweiterung des Hildegard-Weges vor. Bereits im vergangenen Jahr sei die Entscheidung gefallen, eine zusätzliche Route rund um Bad Kreuznach zu entwickeln. Hintergrund sei unter anderem der Wunsch, weitere Regionen einzubinden und gleichzeitig die Infrastruktur für Pilger zu verbessern. Übernachtungsmöglichkeiten und gastronomische Angebote seien entlang der bisherigen Strecke teilweise begrenzt. Die geplante neue Wegführung haben Dickes und Dr. Esser bereits gemeinsam erkundet. Die konkrete Umsetzung soll in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben werden.

Für einen besonderen Höhepunkt der Veranstaltung sorgte die Theologin und Mitinitiatorin des Hildegard-Weges, Dr. Annette Esser. In einem eindrucksvollen Vortrag sprach sie aus der Perspektive Hildegards von Bingen und nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise ins 12. Jahrhundert.

Dabei erläuterte sie, dass Hildegards umfangreiches Wissen über Heilpflanzen und Krankheiten nicht allein auf göttliche Eingebungen zurückzuführen sei. Vielmehr habe die Benediktinerin ihr Wissen durch praktische Erfahrungen in Klostergarten und Hospiz, intensive Studien in Klosterbibliotheken sowie jahrzehntelange Naturbeobachtungen erworben.

Esser schilderte das Leben Hildegards als Inkluse und spätere Magistra auf dem Disibodenberg. Dort habe sie sich intensiv mit der Heilwirkung von Pflanzen, den Elementen der Natur sowie den medizinischen Lehren ihrer Zeit beschäftigt. Ihr Wissen habe sie später in ihren bekannten medizinischen Werken über Naturheilkunde und Krankheitslehre festgehalten.
Zum Abschluss der Veranstaltung lud Bettina Dickes die Gäste dazu ein, den Garten regelmäßig zu besuchen und durch weitere Pflanzenspenden mitzugestalten. Der neue Hildegard-Kräutergarten soll sich künftig zu einem lebendigen Ort der Begegnung, der Erholung und des Wissens entwickeln – ganz im Sinne der berühmten Universalgelehrten vom Rhein.

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