BAD KREUZNACH. Es war ein Moment voller Dankbarkeit, Stolz und auch ein wenig Wehmut: Nach vielen Jahren an vorderster Stelle der Kreuznacher Straßenfastnacht hat sich Cornelia Christmann-Faller aus dem Amt des Zugmarschall der Kreiznacher Narrefahrt verabschiedet. Mit ihr geht eine Persönlichkeit, die die närrischen Umzüge und die Organisation der Straßenfastnacht über mehr als ein Jahrzehnt hinweg entscheidend geprägt hat – und deren Engagement weit darüber hinausging.
Insgesamt 19 Jahre lang brachte sich Christmann-Faller in die Arbeit der Kreiznacher Narrefahrt ein. 2008 zog sie als Delegierte der Weisse Fräck in den Vorstand ein, 2014 übernahm sie das Amt des Zugmarschall. Nur ein Jahr später führte sie zusätzlich den Vorsitz des Vereins und trug vier Jahre lang beide Funktionen parallel – eine enorme Verantwortung in einer Zeit, in der Organisation, Sicherheit und Zusammenarbeit der Fastnachtsvereine stetig komplexer wurden. 2018 gab sie den Vorsitz ab, blieb jedoch weiter die organisatorische Seele der Umzüge.

2024 feierte sie ihr elfjähriges Jubiläum als Zugmarschall, nun beendet sie nach insgesamt 13 Jahren diese Aufgabe. Als Zeichen des Dankes ernannte der Verein sie zur Ehrenzugmarschallin. In einer bewegenden Würdigung brachte der Vorstand zum Ausdruck, was viele dachten, und dankte ihr für ihr Engagement, ihre Aufbauarbeit und die Impulse, die sie dem Verein gegeben hat.
Erste Frau im Amt – und ein Stück Stadtgeschichte
Mit ihrem Amtsantritt schrieb Christmann-Faller Geschichte. „Ich war die erste Frau, die jemals Zugmarschall wurde“, sagte sie rückblickend. Dieser Satz steht sinnbildlich für ihren Weg: mutig, verbindend, zuverlässig – und immer mit dem Blick auf das große Ganze der Kreuznacher Fastnacht.
Als sie sich verabschiedete, antworteten die Narren auf dem Kornmarkt mit langanhaltendem Applaus und dem gemeinsamen Gesang von „Oh wie ist das schön“. Für viele war dieser Moment mehr als nur ein Abschied: Er war auch ein sichtbarer Beweis dafür, wie sehr die Straßenfastnacht in den vergangenen Jahren gewachsen ist – organisatorisch, gemeinschaftlich und emotional.

Straßenfastnacht als Gemeinschaftswerk
In ihren Dankesworten stellte Christmann-Faller nicht sich selbst, sondern die Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Sie dankte allen Fastnachtsvereinen in Bad Kreuznach ebenso wie den Landvereinen, die für sie fest zur Kreuznacher Fastnacht gehören, betonte den starken Zusammenhalt und die enge Zusammenarbeit. Auch der Vorstand, die Delegierten, Oberbürgermeister Emanuel Letz, dem Sicherheitsunternehmen „Seco Security“, den Rettungsdiensten und nicht zuletzt ihre Familie erhielten persönliche Worte des Dankes für jahrelange Unterstützung.
Gerade dieser Teamgedanke gilt als Markenzeichen der Kreiznacher Narrefahrt. Hinter den bunten Umzügen, den vollen Plätzen und der ausgelassenen Stimmung steckt ein dichtes Netz ehrenamtlicher Arbeit, minutiöser Planung und enger Abstimmung – Jahr für Jahr. Dass die Kreuznacher Straßenfastnacht heute als gut organisiert, sicher und gleichzeitig herzlich gilt, führen viele im Verein auch auf Christmann-Fallers verbindenden Führungsstil zurück.
Gleichzeitig richtet sich der Blick nach vorne. Vor kurzem wählte der Vorstand der Kreiznacher Narrefahrt Benjamin Oster von der VKGK Nachteulen Hackenheim zum neuen Zugmarschall. Bei der Kampagneneröffnung am Samstag, 14. November 2026, um 11.11 Uhr wird er auf dem Kornmarkt symbolisch den Marschallstab von seiner Vorgängerin übernehmen.
Christmann-Faller sparte nicht an Lob für ihren Nachfolger: Er sei ein Fastnachter „mit dem Herz am rechten Fleck, Konfetti im Blut und Weitblick“. Mit einem Schmunzeln fügte sie hinzu, dass sie ihn tatkräftig unterstützen und feiern werde.

Für Benjamin Oster steht fest, dass es vor allem darum geht, die Fastnachtstradition zu bewahren und verantwortungsvoll weiterzuführen. Schließlich sei die Fastnacht ein jahrhundertealtes Brauchtum, das besonders bei Kindern und Jugendlichen früh erlebbar gemacht werden müsse, um Begeisterung und Nachwuchs zu sichern. Einen ebenso hohen Stellenwert habe für ihn das gute Miteinander – zwischen dem Verein Kreiznacher Narrefahrt, den Fastnachtsvereinen in Stadt und Land, der Verwaltung sowie den Rettungsdiensten. „Nur gemeinsam könne eine erfolgreiche und sichere Straßenfastnacht gelingen“, so Oster.
Vorfreude auf die nächste Kampagne
Die Kreuznacher Narren schauen bereits gespannt auf die kommende Kampagne unter neuer Leitung, auch wenn diese ungewöhnlich kurz ausfallen wird: Aschermittwoch ist 2027 bereits am 10. Februar.
Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die Kreiznacher Narrefahrt auf einem starken Fundament steht – aufgebaut von vielen Ehrenamtlichen und geprägt von Persönlichkeiten wie Cornelia Christmann-Faller. Ihr Abschied markiert das Ende eines Kapitels, aber zugleich den Beginn eines neuen.
Und der Applaus auf dem Kornmarkt machte deutlich: In der Kreuznacher Fastnacht vergisst man nicht, wer sie mit Herzblut vorangebracht hat.





