BAD KREUZNACH. Nach den jüngsten brutalen Übergriffen auf einen Obdachlosen in der Fußgängerzone von Bad Kreuznach schlagen Experten der Wohnungslosenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie Alarm. Sie rufen die Bevölkerung auf, Zivilcourage zu zeigen und der zunehmenden Gewalt sowie der gesellschaftlichen Abwertung von Menschen ohne festen Wohnsitz entgegenzutreten.
„Wir dürfen hier nicht wegsehen“, mahnt Diakon Heiner Trauthig, Leiter der Wohnungslosenhilfe. Er betont, dass das Leben auf der Straße eine fundamentale Form der sozialen Ausgrenzung darstellt. Die brutalen Attacken, die bislang vor allem aus Großstädten bekannt waren, hätten nun auch Bad Kreuznach erreicht.
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Gewalt gegen wohnungslose Menschen sei keine Seltenheit. Viele Betroffene hätten bereits Gewalterfahrungen machen müssen. Das gelte insbesondere für Frauen, bei denen Gewalt oft der Auslöser für ihre Obdachlosigkeit sei, erklärt Doris Häfner-Kairo, Leiterin des „Café Bunt“, einer Anlaufstelle für Frauen in Not. Aus Scham würden viele Betroffene schweigen, was zu einer hohen Dunkelziffer bei der Statistik führe.
Die Fachleute sind sich einig, dass es sich bei der Gewalt nicht nur um ein individuelles Verbrechen handelt. Sie spiegele auch das Wegsehen der Gesellschaft wider, die sich wünscht, wohnungslose Menschen würden aus dem Stadtbild verschwinden. Doch jeder Mensch habe das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Raum.
„Wir alle sind aufgerufen, Zivilcourage zu zeigen“, appellieren Trauthig und Häfner-Kairo. Wer Zeuge eines Übergriffs wird, solle nicht wegschauen, sondern umgehend die Polizei oder den Notruf alarmieren. Die Experten fordern zudem dazu auf, die eigenen Rollenmuster zu hinterfragen, da einem „Mann im Anzug“ oftmals eher geholfen werde als jemandem in verschmutzter Kleidung.





