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Interview mit DEHOGA-Präsident Gereon Haumann: „Unsere Branche wird einem Stresstest nach dem nächsten unterworfen“

02.12.2022
Von Markus Wolf
RHEINLAND-PFALZ. Es gibt kaum eine Branche, die von den Krisen in den letzten Jahren so betroffen war die Gastronomie- und Hotelbranche. Dachte man, dass nach den Corona-Zwangsschließungen es etwas aufwärts geht, der wurde enttäuscht. Denn der Krieg in der Ukraine wirkt sich auch auf diese Branche aus. Zusätzlich musste man noch die Auswirkungen der Jahrhundertflut an der Ahr verkraften.

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Wir sprachen mit dem Präsidenten des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbandes, Gereon Haumann über die aktuelle Lage.

Herr Haumann, Sie sind im Moment in ihrem Job nicht zu beneiden. Die Gastronomie schlittert von einer Krise zur nächsten. Viele hatten Hoffnung, dass mit den Lockerungen der Corona-Regeln alles besser wird, doch dann kam der Ukraine-Krieg. Dieser sorgt vor allem für eine Energiekrise. Was hören Sie so aktuell von Ihren Mitgliedern?
Gereon Haumann: „Sie haben Recht, unsere Branche wird einem Stresstest nach dem nächsten unterworfen. Wir dachten schon bei Corona, es geht nicht schlimmer, dann kam die katastrophale Flutnacht an der Ahr, die auch in den Ersten 4 Wochen Auswirkungen insofern hatten, dass es eine Stornowelle gab. Viele Menschen in ganz Deutschland dachten nämlich, ganz Rheinland-Pfalz sei überschwemmt. Dann kam der furchtbare Angriffskrieg von Putin auf die Ukraine und damit die täglichen Explosionen der Lebenshaltungskosten. Natürlich nicht nur der Lebensmittel, sondern auch bei den Energiekosten. Das alles trifft auch unsere Branche. Wir haben sowohl beim Lebensmitteleinkauf erhöhte Aufwendungen als auch bei der Energiequelle, egal ob Gas oder Heizöl, Pellets und natürlich auch beim Strom. Wir bekommen Hilfeschreie, dass es teilweise um Erhöhungen um das Zehnfache beim Strom sind. Es ist ganz wichtig, dass die Strom-und Gaspreisbremse jetzt auch für die Hotellerie und Gastronomie gelten werden. Dann werden wir, aber auch die Unterstützung der Verbraucher, die bei uns Gäste heißen, benötigen, damit sie die notwendigen höheren Verkaufspreise akzeptieren.“

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Was sind denn die Hauptprobleme der Gastronomen und Hotelchefs?
Gereon Haumann: „Einerseits die erhöhten Beschaffungskosten von Energie und Lebensmittel. Zum zweiten auch die Beschaffung von Mitarbeitern. Letzteres geht einher und wird nur gelingen, wenn wir dort auch höhere Löhne zahlen. Wir haben einen sehr ambitionierten Tarifvertrag abgeschlossen, und wir ermuntern die Unternehmen, den auch unbedingt einzuhalten, weil wir gute Mitarbeiter auch gut bezahlen müssen.“

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Der rheinland-pfälzische Hotel und Gaststättenverband machte am Mittwoch, 29. April vor der Landtagssitzung in Mainz mit leeren Tischen und Stühlen auf die geschlossenen Betriebe in der Corona-Zeit aufmerksam.

Für viel Bauchweh sorgt sicherlich auch die Erhöhung des Mindestlohns von 9,60 Euro auf 12 Euro. Denn dadurch sind die Gastronomen gezwungen, die Preise anzuheben. Glauben Sie in dieser Zeit und in den kommenden Wochen werden die Restaurants gut besucht sein?
Gereon Haumann: „Ich appelliere an alle Ihre Leserinnen und Leser, sehr wohl die Lieblingslokale aufzusuchen, um Genuss aus Küche und Keller zu sich zu nehmen. Aber auch das naheliegende Hotel in einer Entfernung, die mal einen Wochenendtrip ermöglicht, aufzusuchen. Wir brauchen dringend Nachfrage und Umsatz. Für Ihre Leserinnen und Leser ist es wichtig, dass am Ende des Winters das Lieblingslokal und Hotel noch bestehen. Es wird nur gelingen, wenn die Gäste aus nah und fern dort Umsatz machen. Ich glaube, wir werden die Gäste erreichen.“

Die größte Angst ist sicherlich die der Schließung. Gibt es aktuell schon Mitglieder, die ihren Betrieb geschlossen haben?
Gereon Haumann:
„Wir haben schon reduzierte Öffnungszeiten. Es gibt Betriebe, die den Mittagstisch komplett geschlossen haben. Es gibt auch Betriebe, die nur noch am Wochenende aufmachen. Es gibt leider auch Betriebe, die schon komplett geschlossen haben, und sagen, wir machen erst nach dem Winter wieder auf.“

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Aber komplett geschlossen oder Konkurs, das ist jetzt noch nicht der Fall?
Gereon Haumann: „Die Insolvenzmeldungen kommen bei uns ja zeitverzögert an. Ich kann die im Moment nicht ausschließen. Wir haben aber noch keine Meldung der Kündigung einer Mitgliedschaft wegen Betriebsaufgabe.“

Ein weiteres Problem ist im Moment wie in vielen Berufen der Personalmangel. Haben Sie ein Rezept, wie dieser in Ihrer Branche behoben werden kann?
Gereon Haumann: „Dazu haben wir ja schon im letzten Sommer die sieben Meilensteine für die Mitarbeitergewinnung in unseren Gremien entwickelt und beschlossen. Dazu bedarf es den sieben Schritten. 1: Entgelt deutlich anheben, 2. Wertschätzung für die Mitarbeiter, 3. Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch frühzeitige Dienstplangestaltung. Das ist das, was wir Arbeitgeber und Gastgeber machen müssen. Aber die Politik muss auch dazu beitragen, indem sie erstens uns in diesem Winter geöffnet lässt und nicht wieder coronabedingt pauschal schließt. Danach sieht es ja im Moment Gott sei Dank aus, dass wir offenbleiben. Zweitens brauchen wir dringend einen erleichterten Zuzug ausländischer Mitarbeiter auch aus Drittstaaten. Hier sollten wir uns Beispiele an Kanada oder anderen Ländern nehmen, die als einziges Zugangskriterium einen rechtsverbindlich unterschriebenen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag haben. Drittens brauchen wir ein Stück weit mehr Flexibilisierung beim Arbeitszeitgesetz. Das heißt, wir wünschen uns anstatt einer Tageshöchstarbeitszeit eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Das sind die drei Punkte, die wir von der Politik erwarten. Und dann ist der dritte Adressat bei den sieben Meilensteinen der Gast. Wir sprachen schon darüber. Gäste sollten ordentliche Kalkulierte, fair kalkulierte höhere Preise akzeptieren und weiterhin ihre Lieblingslokale besuchen.“

Wo sind denn die ganzen Mitarbeiter, die vor Corona in der Gastronomie gearbeitet haben? Denn in allen Berufen wird ja Personal gesucht.
Gereon Haumann: „Wir gehen davon aus, dass es tatsächlich entgegen allen Äußerungen Gewinnerbranchen gibt. Wir haben dazu auch Umfragen gemacht. Ein Großteil der bei uns verloren gegangenen Mitarbeiter sind in der Verkehrs- und Logistikbranche, Paketzusteller etc. gelandet. Ein weiterer Großteil ist im Handel, besonders im Einzelhandel gelandet. Sowohl bei den Lebensmitteldiscountern als auch bei Gartencentern und Baumärkten. Ein weiterer, aber eher geringer Teil arbeitet jetzt in der Freizeitbranche bei Campingwagen- und Fahrradhersteller.

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In 22 Tagen ist Weihnachten. Welche Wünsche schreiben Sie in diesem Jahr in Ihren Wunschzettel?
Gereon Haumann: „Erstens: Frieden in Europa und ganz schnell in der Ukraine. Zweitens: Gesundheit für die Menschen in meinem Umfeld und darüber hinaus. Drittens: Erfolg in den Betrieben des Gastgewerbes. Den werden wir haben, wenn wir unsere Hausaufgaben machen. Unsere Branche ist bekannt dafür, dass wir anpacken, wenn Krisen da sind. Das haben wir ja während der Corona Krise und der Flutkatastrophe gezeigt. Das zeigen wir auch jetzt. Die allermeisten gehen mit Optimismus und anpackend in diese anstrengenden vier Monaten des Winters. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir im Jahr 2023 eine ähnliche hohe oder sogar höhere Nachfrage im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz haben werden wie auch in 2022. Und dann werden wir vor Krisenniveau und Coronakrisenniveau erreichen. Die Menschen suchen saubere, sichere nahe Erholungsziele. Sie suchen auch gute Qualität in Küche und Keller. Alles das bieten wir in der Nahe-Region, Rheinhessen und in Rheinland-Pfalz. Und deshalb bin ich zuversichtlich, dass 2023 ein gutes Jahr für das Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz wird.

Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit und besonders in der heutigen Zeit viel Gesundheit.  

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