StartBlaulicht ReportPressetour ins Sperrgebiet: Einblicke in die aktuelle Lage des Waldbrandes

Pressetour ins Sperrgebiet: Einblicke in die aktuelle Lage des Waldbrandes

TRAISEN. Langsam kehrt nach den dramatischen Tagen des verheerenden Waldbrandes bei Traisen etwas Zuversicht ein. Bei einer Pressetour durch das weiterhin gesperrte Einsatzgebiet informierten Landrätin Bettina Dickes, Bürgermeister Markus Lüttger sowie Vertreter des Katastrophenschutzes am Dienstag über den aktuellen Stand der Löscharbeiten. Die Fahrt führte Medienvertreter bis an den Waldorfkindergarten und in den Bereich des Fernsehturms, zwei Orte, deren Schutz in den vergangenen Tagen höchste Priorität hatte.

„Von außen haben wir den Brand im Griff“, erklärte Landrätin Bettina Dickes. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass von einer Entwarnung noch keine Rede sein könne. Im Wald befänden sich weiterhin zahlreiche Glutnester, die jederzeit wieder aufflammen könnten. Offene Flammen seien derzeit zwar kaum noch sichtbar, dennoch werde das Gebiet noch über längere Zeit intensiv überwacht.

Munitionsgefahr bestimmt weiterhin jeden Einsatz
Die größte Herausforderung bleibt die vermutete Munition im Brandgebiet. Nachdem am Montag über 24 Stunden keine Explosionen mehr zu hören gewesen waren und Drohnen nur geringe Temperaturen festgestellt hatten, schien sich die Lage zunächst zu entspannen. Doch am Dienstagmorgen wurden erneut zwei Detonationen registriert.Ein sofortiger Drohnenüberflug zeigte mehrere Bereiche mit sehr hohen Temperaturen. Aus Sicherheitsgründen zog die Einsatzleitung sämtliche Kräfte aus dem Gefahrenbereich zurück.

Gemeinsam mit Experten wurde sogar geprüft, ob eine erneute Evakuierung des Ortes Traisen notwendig sei. Nach eingehender Bewertung entschied sich die Einsatzleitung dagegen. Die Explosionen gingen von einer Senke aus, sodass ein möglicher Splitterflug durch das Gelände weitgehend aufgefangen werde.

Waldorfkindergarten stand kurz vor den Flammen
Besonders emotional schilderte Dickes die Situation am Waldorfkindergarten. In der Nacht von Samstag auf Sonntag habe sich das Feuer bis auf rund 30 bis 40 Meter an den Zaun herangearbeitet.„Wir wussten nicht, wie sich der Wind entwickelt“, erinnerte sich die Landrätin.Um das Gebäude zu schützen, errichteten die Feuerwehren eine massive Wasserwand. Sie verhinderte letztlich, dass die Flammen auf den Kindergarten übergriffen.Aus Sorge vor einer möglichen Zerstörung räumten Verantwortliche des Vereins wichtige Unterlagen vorsorglich aus dem Gebäude. „Spielzeug kann ersetzt werden, Vereinsunterlagen nicht“, sagte Dickes.

Fernsehturm ebenfalls mehrfach bedroht
Neben dem Kindergarten galt auch der Fernsehturm als besonders schützenswerte kritische Infrastruktur. Zwischenzeitlich sprang sogar ein Funke über und entzündete unmittelbar neben dem Mast einen kleinen Brand. „Zum Glück wurde das Feuer sofort entdeckt und gelöscht“, berichteten die Verantwortlichen. Gerade vor Ort werde deutlich, wie schwierig das Gelände tatsächlich sei. Was auf einer Karte nach zahlreichen Wegen aussehe, entpuppe sich im Gelände als dicht bewachsener und kaum zugänglicher Wald.

Da große Teile des Waldes wegen der Munitionsbelastung weiterhin nicht betreten werden können, kommen modernste Technik und Spezialkräfte zum Einsatz. Rund um den Kindergarten bearbeiten Löschroboter die gefährlichen Bereiche mit großen Wassermengen, um anschließend einen sicheren Zugang für Einsatzkräfte zu schaffen. Parallel arbeiten Spezialisten der bundesweiten Organisation @fire in den ungefährlichen Bereichen gezielt einzelne Glutnester ab. Wegen der extremen körperlichen Belastung tragen sie bewusst leichtere Schutzkleidung als normale Feuerwehrkräfte. „Die Kollegen sind stundenlang im steilen Gelände unterwegs. Da muss man jedes unnötige Kilogramm vermeiden“, erläuterten die Verantwortlichen.

Eine entscheidende Rolle spielte während der kritischsten Phase die Kombination aus großflächigen Brandschneisen und einer speziellen Kreiselberegnungsanlage. Mit Harvestern der Landesforsten wurden breite Schneisen in den Wald geschlagen, da ein direktes Vorgehen wegen der Munitionsgefahr unmöglich war. Die Beregnungsanlage stammt aus Hanau (Hessen). Solche Anlagen stehen in Rheinland-Pfalz bislang nicht zur Verfügung. Dickes kündigte deshalb Gespräche mit dem Innenministerium an. Ziel sei es, künftig landesweit kurzfristig auf diese Technik zugreifen zu können. Der künstlich geschaffene Schutzgürtel erwies sich letztlich als entscheidender Faktor. Das Feuer erreichte die Schneisen mehrfach, konnte sie jedoch nicht überwinden. Lediglich kleinere Funkenflüge verursachten vereinzelt neue Brandstellen, die sofort gelöscht wurden.

Gewaltige Wasserlogistik hält Einsatz am Laufen
Der Löscheinsatz verlangt den Feuerwehren enorme logistische Leistungen ab. Unter anderem wird Wasser aus dem Burgweg im Bad Kreuznacher Salinental über kilometerlange Schlauchleitungen den Berg hinauf in das Waldgebiet gepumpt. Allein ein Einsatzabschnitt wird derzeit von 24 Feuerwehrkräften betreut. Insgesamt wurden bis her 30 Kilometer Schlauch verlegt. Zusätzlich sorgen Tanklöschfahrzeuge aus der gesamten Region dafür, dass große Wasserbehälter permanent nachgefüllt werden. Die schmalen Waldwege erschweren diese Aufgabe erheblich.

Bürgermeister Markus Lüttger erinnerte an den Abend, an dem sich die Lage innerhalb kürzester Zeit zuspitzte. Während die Situation am Nachmittag noch beherrschbar erschien, änderte sich das Bild wenige Stunden später schlagartig. Ascheregen und dichter Rauch kündigten die rasante Ausbreitung des Feuers an. Zeitweise waren nicht nur der Fernsehturm, sondern auch eine 110-Kilovolt-Freileitung gefährdet. Gemeinsam mit der Deutschen Funkturm, Westenergie und den Stadtwerken mussten innerhalb weniger Stunden umfangreiche Sicherungsmaßnahmen eingeleitet werden. Die Folge waren mehrere kurzfristige Stromausfälle in Traisen und umliegenden Bereichen. Gleichzeitig bereitete die Einsatzleitung eine Evakuierung vor.
„Uns wurde sehr schnell klar, dass diese Lage die Möglichkeiten einer einzelnen Feuerwehr, einer Verbandsgemeinde oder sogar eines Landkreises übersteigt“, sagte Lüttger. Erst durch die Unterstützung zahlreicher Spezialkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet sei die Lage beherrschbar geworden.

Die enormen Temperaturen fordern inzwischen auch ihren Tribut. Eine Einsatzkraft erlitt infolge der stundenlangen Arbeit in der Hitze Kreislaufprobleme und musste vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht werden. Wie die Einsatzleitung mitteilte, konnte der Feuerwehrmann das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Auch wenn das Feuer derzeit weitgehend unter Kontrolle ist, bleibt die Lage angespannt. Solange sich Glutnester im munitionsbelasteten Wald befinden, werden Drohnen, Löschroboter und Spezialkräfte weiterhin rund um die Uhr im Einsatz bleiben. Erst wenn sämtliche Gefahren beseitigt sind, kann endgültig Entwarnung gegeben werden.

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