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KRN: Mit Anlaufschwierigkeiten in dieser Dimension nicht gerechnet – Interview mit Landrätin Bettina Dickes

02.04.2023
Von Markus Wolf
Im Landkreis gibt es im Moment für Landrätin Bettina Dickes viele Themen, die bearbeitet werden müssen. Wir trafen sie zu einem Interview auf dem Heimbergturm in Schloßböckelheim.

Frau Dickes, welches Thema sorgt im Moment bei Ihnen für schlaflose Nächte und Warum?
Bettina Dickes:
„Das Thema, was im Moment am aufreibendsten ist, ist das Thema der Unterbringung von Menschen, die geflüchtet sind und hier in unseren Landkreis kommen. Neben der verzweifelten Suche nach Wohnraum gehört dazu auch die Frage, wie man die Menschen, wenn sie Wohnraum haben, integrieren kann. Das ist schon zugegeben etwas, was mir schlaflose Nächte bereitet.“

Sie haben bereits vor einigen Wochen in Richtung Mainz und Berlin appelliert, dass es unbedingt eine Lösung geben muss. Hat man Sie erhört?
Bettina Dickes: „Bisher leider noch nicht. Erhört wurde ich bisher von all meinen Kolleginnen und Kollegen. Das heißt, der Landkreistag in Rheinland-Pfalz hat mit mir gemeinsam die Erklärung abgegeben, „das Boot ist voll“. Und mein ganz dringender Appell geht tatsächlich in Richtung Berlin. Denn Mainz kann da wenig tun. Ich weiß, dass es mittlerweile einen Antrag im Bundestag gibt, auch eine Obergrenze einzuführen. Und wie weit der Erfolg hat, werden wir dann sehen.“

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Können Sie die Ängste der Bürger verstehen, wenn sie gegen ein Containerdorf für Flüchtlinge sind?
Bettina Dickes:
„Ich kann nachvollziehen, dass solch eine Einrichtung zur Beunruhigung führt. Ein Containerdorf ist definitiv nichts, was ich mir wünsche. Da geht es mir wie der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger. Aber irgendwo müssen ja die Menschen, die uns zugewiesen werden, unterkommen. Und ich glaube, da ist ein Containerdorf mit adäquaten Wohnraum-WG`s immer noch besser als die Unterbringung in einer Turnhalle. Mit Sicherheit auch sozialverträglicher. Das Ziel ist natürlich schon, wenn wir solche größeren Sammelunterkünfte bauen, dass auch eine entsprechende Betreuung da ist. Denn die Herausforderung ist auch da, den Menschen zum Beispiel eine sinnvolle Beschäftigung über den Tag zu geben und Integration sowie Sprache zu fördern.“

Einen nicht geglückten Start gab es im Oktober beim Start des neuen ÖPNV und der KRN in Zusammenarbeit mit dem RNN. War es nicht absehbar gewesen, dass innerhalb dieser kurzen Planungszeit alles reibungslos über die Bühne gehen kann?
Bettina Dickes:
„Dass es Anlaufschwierigkeiten geben wird, damit haben wir alle gerechnet, das ist wie bei allem, was neu startet. Dass es jedoch Anlaufschwierigkeiten in dieser Dimension sind, damit hatten wir ehrlicherweise nicht gerechnet. Das war eine Kumulation der verschiedensten Punkte. Dass die Busse trotz klarer Zusage nicht gekommen sind und wir damit mit alten Bussen ohne jede digitale Anzeige fahren mussten. Dass ein völlig neuer Fahrplan seitens des RNN erstellt wurde, der noch nie in der Praxis so probiert wurde und der ja wirklich komplett alles auf den Kopf gestellt hat. Und dazu die Schwierigkeiten, einen neuen Betrieb aus dem Boden zu stampfen, wo noch keine eingespielten Betriebsabläufe sind. Das alles zusammen hat zu diesem wirklichen Chaos im Oktober und November geführt, was uns allen unglaublich leidgetan hat. Betroffen waren vor allem die Kinder, die Eltern und die Schulen. Wir merken aber, dass wir von Woche zu Woche stabiler werden und mittlerweile deutlich besser sind als zu Beginn. Wenn man zurückblickt und das alles vor Augen hat, was wir einfach nicht wussten, dann wäre man vielleicht in Etappen gestartet, zuerst der Betrieb und später dann der neue Fahrplan. Aber das sind Punkte, die man leider erst später weiß.“

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Mittlerweile wurden am Aschermittwoch nochmals Veränderungen bezüglich der Busverbindungen vorgenommen. Wie hoch sind im Moment die Ausfälle und gibt es weiterhin Beschwerden?
Bettina Dickes:
„Es gibt kein Busbetrieb ohne Beschwerden. Die Beschwerdelage und auch das Thema der Ausfälle sind jedoch deutlich zurückgegangen. Bezüglich der Stabilität liegen wir im bundesweiten Durchschnitt. Wir haben zum 22. Februar 2023 Verbesserungen durchgeführt, aber keine grundlegenden Veränderungen. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Wir sind jetzt schon dabei, auch größere Punkte nochmals in die Debatte hinein zu holen. Wir hatten im März nochmals einen Gesprächstermin mit allen Schulleitungen im Kreis Bad Kreuznach, um auch dort zu erfragen, wo aus Sicht der Schulen, die ja die meisten Kinder im ÖPNV haben, noch Problemlagen bestehen, die wir zum Fahrplanwechsel im kommenden Schuljahr verändern können. Und auch einige Punkte, die auch jetzt schon nicht passen. Wir haben eine Strecke im Kreis, die keine Verbesserung erfahren hat. Das ist nämlich die Strecke von Odernheim über Oberhausen/Nahe nach Bad Kreuznach. Die ist in keiner Weise optimal. Das ist ein Punkt, bei dem klar war, wir können das nicht binnen vier Wochen zum Aschermittwoch ändern. Das war eine klare Rückmeldung des RNN. Weil das eine große Sache ist. Aber diese Strecke steht auf jeden Fall auf der Agenda, um auch dort Verbesserungen herbeizuführen. Das ist jetzt nur ein Beispiel. Es gibt noch weitere Beispiele auf unserer Liste, die wir gerne verändern möchten.“

Stürmisch war es zum Zeitpunkt des Interviewtermins.

Im April wird der neue 1. Kreisbeigeordnete Oliver Kohl in die Kreisverwaltung einziehen. Was wünschen Sie sich von ihm?
Bettina Dickes:
„Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit ihm und ich bin auch felsenfest davon überzeugt, dass das funktionieren wird. Ich wünsche mir auch ein gewisses Maß an Entlastung, denn es ist nun mal Fakt, das unser Haus eigentlich in drei Dezernate aufgeteilt ist. Ein Dezernat leite ich,eines der Erste Kreisbeigeordnete und das dritte Dezernat wird von der leitenden staatlichen Beamten geleitet. In den letzten zwei bis drei Jahren war ich zur Hälfte der Zeit komplett alleine und musste alle drei Dezernate leiten. Das ist natürlich ein Punkt, auch wenn man viel arbeitet. Es ist nicht Zeit, um alle Themen wirklich bis ins Letzte zu bearbeiten. Ich freue mich zum Beispiel auf mehr Zeit für mein Jugendamt auf mehr Zeit im Bauamt. Aber auch auf mehr Zeit, um zum Beispiel das Thema Tourismus intensiv anfassen zu können.“

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Bei der Wahl schickte die CDU Andrea Silvestri ins Rennen. Innerhalb der CDU gab es einige Kritiker, die sie ablehnten. Es wurde auch deutlich gesagt, dass Sie Silvestri favorisierten, weil sie eine Parteifreundin ist und Sie auch privat gut miteinander können. Was denken Sie bei solchen Aussagen?
Bettina Dickes:
„Ich habe da immer eine klare Trennung gemacht. Ich habe für mich gesagt, natürlich kenne ich Andrea Silvestri sehr gut, wir sind befreundet. Aber als Landrätin war für mich wichtig, und da habe ich auch sehr großen Wert darauf gelegt, dass hier eine demokratische Entscheidung gefällt wird und dass ich dann auch mit Oliver Kohl sehr gut zusammenarbeiten werde. Das habe ich ihm von Anfang an gesagt. Und da dürfen Freundschaften überhaupt gar keine Rolle spielen. Die Privatperson ist hier nicht gefragt.

Die eingerichtete Corona-Stabstelle wird zum 1. April in der Sparkasse am Kornmarkt aufgelöst. Die Arbeit wird künftig von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes übernommen. Welches Fazit können Sie ziehen?
Bettina Dickes:
„Ich bin rückwirkend sehr froh, dass wir diesen Schritt der Einrichtung einer Corona-Stabstelle gegangen sind, weil wir damit die Chance hatten, einen Arbeitsbereich zu bilden, der sich ausschließlich und intensiv mit dem Thema Corona beschäftigen kann. Und das sowohl was die Beratung der Bürgerinnen und Bürger, der Einrichtungen, der Schulen und der Pflegeeinrichtungen betrifft. Das heißt, wir hatten sehr viel Zeit für Beratung. Wir hatten aber auch die Möglichkeit, durch diese intensive Zusammenarbeit der Teams, uns auch stets auf den aktuellen rechtlichen Stand zu bringen. Wir haben eine gute beratende und auch gute entscheidende Arbeit in dieser Zeit leisten können, mit der Corona-Stabstelle und insbesondere auch in der Hochzeit mit dem Team Ron Budschat und Sabine Bauer, die ehrlicherweise sieben Tage fast rund um die Uhr für die Menschen hier im Landkreis ansprechbar waren. Ich finde das gut und ich bin froh, dass Herr Klipsch mit Frau Bongard das Thema im Herbst übernommen haben. Aber wir haben ja auch gemerkt, es war eine ganz andere Zeit. Wir sind jetzt bei einer normalen meldepflichtigen Krankheit nicht mehr in der Pandemie, und deswegen ist es nun folgerichtig zu sagen, ab jetzt ist es ganz normal im Gesundheitsamt verankert.“

Blicken wir auf die Fastnacht 2023 zurück. Wer sie bei Facebook kennt, der stellte bestimmt fest, dass sie die „närrischte Landrätin“ in Deutschland sind. Es gab kaum eine Veranstaltung, auf der man Sie nicht sah. Wie viele Sitzungen und Umzüge haben Sie besucht?
Bettina Dickes:
„In der Gesamtsumme waren es 22 Sitzungen, vier Umzüge und auch diverse andere Kleinveranstaltungen. Also auf 30 Veranstaltungen kam ich außerhalb natürlich der „normalen“ Arbeitszeit. Für mich war das ein ganz wichtiger Punkt, wieder einmal ausgelassen mit Menschen zusammen zu sein. Man kann auch mal den Alltag vergessen, miteinander lachen. Und ich finde so etwas wie die Fastnacht und wie große Volksfeste braucht man auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für mich waren die Sitzungen am Wochenende und ein bisschen Schlaflosigkeit, Ansporn, in der Woche viel Kraft zum Arbeiten zu haben. Insoweit war das meine schönste Zeit.“

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Schlägt Ihr Herz schon immer für den Karneval?
Bettina Dickes:
„Ja, seit ich nach Waldböckelheim gezogen bin, da war ich 12 Jahre. Seitdem bin ich Fastnachterin durch und durch mit Tanzen, Vorträgen, Organisation von Kinderfastnacht, was ich über viele Jahre gemacht habe. Den Umzug laufe ich mit, seit ich 12 bin. Das ist nichts Neues. Die Zahl hat sich natürlich über das Dorf Waldböckelheim hinaus entwickelt. Und damit sind es jetzt mehr Sitzungen und mehr Veranstaltungen. Fastnacht war schon immer meins.“

Gibt es Dinge, auf die sich die Landrätin des Kreises Bad Kreuznach in den kommenden Monaten freut?
Bettina Dickes:
„Ja eben darauf, dass ich einige Themen ab Ende April mit mehr Zeit bearbeiten kann. Ansonsten freue ich mich darauf, dass unser ÖPNV von Tag zu Tag besser wird. Und ich freue mich zum Beispiel auch wieder auf meine Sommertour, die ich in den letzten Jahren sehr intensiv gemacht habe. Mit den Menschen bei uns im Landkreis zu sagen: Wir gehen an die schönsten Stellen, wir genießen gemeinsam unsere Landschaft, unseren guten Wein, was Leckeres zu essen… Darauf freue ich mich schon wieder.“

Vielen Dank und mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen.


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