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29. Mai 2024
StartNachrichtenKreis Bad KreuznachSechs Stolpersteine für die Familie Heymann und für Joseph Michel verlegt

Sechs Stolpersteine für die Familie Heymann und für Joseph Michel verlegt

BAD KREUZNACH. Wie dankbar die Angehörigen den Schülerinnen und Schülern der IGS Sophie Sondhelm und des Lina-Hilger-Gymnasiums waren, zeigte sich beim Abschlusstreffen bei Kaffee und Kuchen im Haus der Stadtgeschichte.

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„Ich hatte Tränen in den Augen“, sagte Hazel Chowcat, für deren Vorfahren, die Familie Heymann, fünf Stolpersteine in der Bahnstraße 4 verlegt wurden. Sie sind jüdische Opfer des Nationalsozialismus wie Joseph Michel, zu dessen Stolpersteinverlegung Ulrike Michel mit ihrem Mann, dem Enkel von Joseph Michel, angereist waren.

Joseph Michels Stolperstein liegt vor dessen einstigen Geschäftshaus in der Mannheimer Straße 4. Joseph Richard Michel (1876-1945) stammt aus einer weitverzweigten jüdischen Familie. Sein Vater Leopold Michel (1847-1921) führte ein Textilgeschäft in der Mannheimer Straße 4. Joseph Richard Michel war von 1928 bis 1933 Mitglied des Bad Kreuznacher Stadtrates und mit Bertha verheiratet, der Tochter von Heinrich Deecke, Inhaber des Geschäftes (Papier, Schreibwaren, Lotto) am Eiermarkt 4. Er wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in das KZ Buchenwald deportiert.

Dort verliert sich seine Spur. Ein Mithäftling berichtete später der Familie, dass er ihn nicht überreden konnte, mit ihm aus dem Deportationszug nach Buchenwald zu fliehen. „Ich hätte ihn gerne kennengelernt. Er war ein liebenswerter, toleranter Mensch und ein Patriot. Ich bin ihm dankbar, dass ich über ihn die Nachkommen der Michels in Israel kennenlernen durfte“, sagte Ulrike Michel, die die Familiengeschichte ihres Mannes erarbeitete. „Das Auge und das Herz sollen über die Stolpersteine stolpern und so zum Nachdenken und Erinnern anregen. Sie sollen dazu beitragen, dass die Opfer der NS-Zeit nicht vergessen werden“, trugen Schülerinnen und Schüler der IGS Sophie Sondhelm vor.

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Fünf Stolpersteine für die jüdische Familie Heymann liegen vor deren einstigen Wohnhaus in der Bahnstraße 4 verlegt. Lilli Heymann (1921-1943) besuchte in Bad Kreuznach die Elisabeth-Charlotte-Schule, die Vorläuferin des Lina-Hilger-Gymnasiums. Gemeinsam mit ihren Eltern Albert (1891-1943) und Helene Heymann (1891-1943) und ihrer Schwester Therese flüchtete sie nach Holland. Dort lernte sie ihren Ehemann Solomon Jäger (1911-1943) kennen. Die Nationalsozialisten deportierten das Ehepaar Jäger nach Ausschwitz und die Eltern von Lilli Jäger geb. Heymann ins KZ Sobibor. Über das Schicksal ihrer Schwester Therese (geboren 1929) ist bekannt, dass sie überlebte und von Holland zunächst Israel auswanderte. 1951 lernte sie in England ihren späteren Ehemann kennen. „Ich habe die Ehre, heute hier zu sein und die britischen Nachkommen der Familie Levy sowie meine verstorbene Mutter Edith Sender, die Cousine von Lilli Heymann, zu vertreten“, sprach Hazel Chowcat.  Durch die Unterstützung des Stadtarchives Bad Kreuznach hat sie „einen bisher unbekannten Zweig meiner Familie in Frankreich und Deutschland entdeckt“. Jaques Hanoune war mit seiner Tochter und ihrem Mann, deren Töchter und der Schwiegermutter zur Stolpersteinverlegung angereist. Sehr einfühlsam versetzten sich Schüler*innen des Lina-Hilger-Gymnasiums in die Situation der Familienmitglieder Heymann. Ihre Ängste, ihre Hoffnungen, ihre Verzweiflung darüber, dass die Flucht nach Holland sie nicht vor ihrem grausamen Schicksal im Konzentrationslager bewahren konnte.

In ihrer Begrüßung bedankte sich Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer bei den Jugendlichen für dieses „wichtige Zeichen“ in einer Zeit, in der man sich fragen muss: „Wo stehen wir eigentlich heute?“ im Hinblick auf den aktuellen Rassismus und die Gefahren für unsere Demokratie. Der Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Pfarrer Christian Wenzel, bedankte sich auch im Namen von Valeryan Ryvlin, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, bei den beiden Schulen. Ryvlin konnte wegen der Festlichkeiten um Rosch ha-Schana nicht teilnehmen.

Die beiden Stolpersteinverlegungen wurden im Rahmen von Projektarbeiten der AG „Spurensuche“ des Lina-Hilger-Gymnasiums und der IGS-Sophie-Sondhelm unter der Leitung von Ulrich Eymann, Christina Craiovan und Tina Engelberger initiiert.

Stolpersteinverlegung:
Seit 1992 verlegt der Künstler Günter Demnig Stolpersteine in ganz Europa vor deren letzten freiwillig gewählten Wohnstätten, um auf das Schicksal jener Menschen aufmerksam zu machen, die während des Nationalsozialismus verfolgt und getötet wurden.

red – 08.09.21

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