IDAR-OBERSTEIN. Die Zukunft des BioNTech-Standortes in Idar-Oberstein ist offenbar endgültig entschieden. Nach Angaben des Betriebsrates hat der Konzern seine Verkaufsbemühungen beendet und will den Standort schließen. Der Betriebsrat reagiert darauf mit deutlicher Kritik und spricht von großer Unsicherheit für die Beschäftigten.
In einer Stellungnahme vom 30. September bedauert die Arbeitnehmervertretung die Entscheidung, die Suche nach einem Käufer einzustellen und den Standort endgültig zu schließen. Die Entscheidung treffe die Beschäftigten hart und schaffe erhebliche Unsicherheit über ihre berufliche Zukunft. Der Betriebsrat verweist dabei insbesondere auf die nach seiner Einschätzung strukturschwache Region in und um Idar-Oberstein.
Betriebsrat kritisiert Verkaufsbemühungen
Deutliche Kritik äußert der Betriebsrat an der Vorgehensweise des Konzerns bei der Suche nach einem möglichen Käufer. „Trotz großer Anstrengungen der lokalen Geschäftsführung seien die Verkaufsbemühungen aus Sicht der Arbeitnehmervertretung „nicht als ernsthafte und nachhaltig verfolgte Absicht dargestellt“ worden.
Zudem sei der Betriebsrat in die Prozesse und Überlegungen rund um einen möglichen Verkauf nicht frühzeitig und umfassend einbezogen worden. Dies stehe nach Auffassung der Arbeitnehmervertreter im Widerspruch zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und zum berechtigten Anspruch der Beschäftigten auf Transparenz“, teilte der Betriebsratsvorsitzende des Standortes Idar-Oberstein, Jacob Kaufmann mit.
Der Betriebsrat erhebt darüber hinaus weitere Vorwürfe. Gegenüber der Arbeitnehmervertretung und den Beschäftigten gemachte Zusagen und geweckte Erwartungen seien aus seiner Sicht nicht eingehalten worden. Dies habe das Vertrauen in den Konzern erheblich belastet und die bestehende Unsicherheit am Standort zusätzlich verstärkt.
„Exzellenzzentrum für mRNA“ war im Gespräch
Besonders schwer nachvollziehbar ist die Entscheidung für den Betriebsrat vor dem Hintergrund früherer Zukunftsperspektiven. Noch im vergangenen Jahr sei für den Standort die Perspektive eines „Exzellenzzentrums für mRNA“ kommuniziert worden. Dass kurze Zeit später die Schließung angekündigt worden sei, werfe erhebliche Fragen auf.
Die Arbeitnehmervertretung hebt zugleich die Qualifikation der Belegschaft hervor. Jacob Kaufmann: „In Idar-Oberstein arbeiten hochqualifizierte, engagierte und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit wertvollem Fachwissen, die täglich einen wichtigen Beitrag für BioNTech leisteten. Umso schwerer ist es nachzuvollziehen, dass der Standort nun geschlossen werden soll.“
Betriebsrat sieht offene Fragen zur mRNA-Strategie
Auch die langfristige strategische Ausrichtung des Konzerns im Bereich der mRNA-Technologie sieht der Betriebsrat nach aktuellem Kenntnisstand als nicht abschließend geklärt an. Dabei verweist die Arbeitnehmervertretung darauf, dass Idar-Oberstein nicht nur über umfangreiche Fachkenntnisse in der mRNA-Herstellung und -Analytik verfüge. Der Standort leiste zudem einen maßgeblichen Beitrag zur Versorgung klinischer Studien in den Bereichen Zell- und Gentherapie.
Mit der angekündigten endgültigen Schließung endet damit nach Einschätzung des Betriebsrates nicht nur die Perspektive für einen traditionsreichen Unternehmensstandort. Vor allem für die dort beschäftigten Menschen beginnt eine Zeit großer beruflicher Unsicherheit.








