BAD KREUZNACH. Die Feuchtigkeit drückt durch das undichte Dach, die Asbestbelastung verlangt nach einer grundlegenden Altlastensanierung und die ungedämmten Außenwände treiben zusammen mit der betagten Gasheizung die Betriebskosten in immense Höhen: Nach rund sieben Jahrzehnten steht das Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach-Birkenfeld vor enormen baulichen Herausforderungen. Wie der bauliche Erhalt gelingen und das Gebäude zugleich energetisch modernisiert werden kann, war nun Thema eines Vor-Ort-Termins der Bundestagsabgeordneten Julia Klöckner und der Projektbegleiterin Martina Hassel.
Das Gebäude im Herzen der Nahe-Region trägt Seltenheitswert: Im Umkreis von etwa 100 Kilometern beherbergt es die einzige aktive jüdische Gemeinde. Es dient keineswegs allein der Religionsausübung, sondern hat sich als Ort des Dialogs etabliert – etwa bei Führungen für Schulklassen und interkulturellen Begegnungsveranstaltungen. Zudem weist die Immobilie eine bewegte Historie auf. Ursprünglich von den amerikanischen Streitkräften als Militärkirche erbaut, vollzog sich nach dem Abzug der US-Truppen ein Wandel zum jüdischen Gotteshaus.
Um die Weichen für die Zukunft zu stellen, strebt die Gemeinde eine Förderung über das Bundesprogramm „Investitionen in national bedeutsame Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK) an. Das Förderinstrument sieht eine Übernahme von bis zu 50 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten vor. Ein wesentlicher Baustein ist dabei die erforderliche Gegenfinanzierung. Martina Hassel, die das Vorhaben seit zwei Jahren unterstützt, verwies auf Signale aus Mainz: Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe eine Kofinanzierung vorbehaltlich der parlamentarischen Haushaltsentscheidung in Aussicht gestellt.
Julia Klöckner kündigte im Rahmen des Treffens an, sich in Berlin für das Vorhaben starkzumachen. „Hier geht es nicht einfach um Dach, Heizung oder Dämmung. Es geht darum, dass jüdisches Leben in unserer Region auch in Zukunft einen festen Ort hat. Gerade angesichts des wachsenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft ist das von besonderer Bedeutung“, unterstrich die Abgeordnete die Signalwirkung des Vorhabens.
Ein vom Architekturbüro Peter Kadel ausgearbeiteter Entwurf sieht vor, das Gebäude langfristig auf einen energieeffizienten und möglichst klimaneutralen Stand zu bringen. Aus den Reihen der Jüdischen Gemeinde zogen Valeryan Ryvlin und Avadislav Avadiev nach der Präsentation der Pläne ein durchweg positives Fazit und betonten die Wichtigkeit der politischen Rückendeckung für das Erreichen des nächsten Meilensteins.
Aktuelle Stellenangebote finden Sie auf unserer Seite “Stellenangebote” bei Nahe-News – KLICK MICH!








