BAD KREUZNACH. „Gut Nass!“ hieß es am Wochenende wieder auf der Roseninsel. Beim traditionellen Bad Kreuznacher Fischerstechen standen spannende Duelle auf der Nahe, ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und vor allem das ehrenamtliche Engagement im Mittelpunkt. Einen besonderen Programmpunkt bildete zudem die Ernennung von drei neuen Ehrenmitgliedern des Verkehrsvereins. Sportlich endete das Wochenende mit neuen Stadtmeistern bei den Damen und Herren.
Christoph Anheuser erinnerte bei der Eröffnung daran, wie eng das Fischerstechen mit Bad Kreuznach und der Nahe verbunden ist. Über Jahrhunderte hinweg hätten die Nahefischer mit ihren flachen Kähnen das Leben der Stadt geprägt. Aus der Erinnerung an diese Tradition habe Alex Jacob senior das Bad Kreuznacher Fischerstechen ins Leben gerufen und daraus ein Fest geschaffen, das bis heute die Menschen zusammenbringt.

Dabei sei das Fischerstechen längst mehr als ein großes Stadtfest. Es sei auch „ein echtes Fest des Ehrenamtes“. Zahlreiche Helfer investieren ihre Freizeit, bauen auf und ab, organisieren, verkaufen und bewirten die Gäste, betreuen Kinder, machen Musik, sichern die Veranstaltung ab oder arbeiten im Hintergrund. Ohne diese Menschen seien Veranstaltungen wie das Fischerstechen nicht möglich.
Anheuser dankte außerdem den Mitarbeitern von Kreis- und Stadtverwaltung, Ordnungsamt und Vollzugsdienst für die Zusammenarbeit bei Genehmigungen, Planungen und dem Zufahrtsschutzkonzept. Gerade angesichts zunehmender Anforderungen sei eine pragmatische und lösungsorientierte Zusammenarbeit besonders wichtig.
20 Mannschaften kämpften um die Stadtmeisterschaft
Auf der Nahe gingen in diesem Jahr insgesamt 20 Mannschaften an den Start. 16 Herren- und vier Damenteams stellten sich den Duellen mit den langen Lanzen. Jugendkämpfe fanden in diesem Jahr nicht statt.
Bevor die ersten Fischerstecher gegeneinander antreten durften, wurde zunächst eine jahrzehntelange Tradition gepflegt. Neptun nahm die Taufe der Gladiatorinnen und Gladiatoren vor. Erst danach waren die Teilnehmer offiziell bereit für die Wettkämpfe. Passend dazu hieß es bei der Eröffnung: „Wer oben bleibt, gewinnt. Wer unten landet, sorgt für die beste Unterhaltung.“
Auch neue, farbenfrohe Boote kamen in diesem Jahr zum Einsatz. Diese waren vom Verkehrsverein in aufwendiger Arbeit hergerichtet worden. Unterstützt wurde der Verein dabei von mehreren Sponsoren.

Letz, Dickes und Kohl werden Ehrenmitglieder
Ein besonderer Moment während der Eröffnung war die Ernennung von gleich drei neuen Ehrenmitgliedern. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Dirk Nessel, zeichnete Oberbürgermeister Emanuel Letz, Landrätin Bettina Dickes und den Beigeordneten sowie Sport- und Ordnungsdezernenten Mirko Helmut Kohl aus.Mit den Ernennungen würdigte der Verkehrsverein die Verbundenheit der drei mit Bad Kreuznach, dem Verein und seinen Veranstaltungen.Über Oberbürgermeister Emanuel Letz hieß es, der Verkehrsverein lebe von Menschen, die sich für Bad Kreuznach einsetzen, Veranstaltungen unterstützen und sich der Stadt und dem Verein in besonderer Weise verbunden fühlen.
Bei der Auszeichnung von Mirko Helmut Kohl wurde gleichzeitig die Zusammenarbeit mit den Behörden hervorgehoben. Hinter einer Veranstaltung wie dem Fischerstechen stünden heute zahlreiche Genehmigungen, Sicherheitskonzepte, Kontrollen und Abstimmungen. Gerade bei der Vorbereitung des diesjährigen Festes habe sich gezeigt, wie konstruktiv die Zusammenarbeit zwischen Veranstalter, Stadt und Kreis funktionieren könne.
Kohl wünschte in seiner Funktion als Sportdezernent allen Aktiven faire Kämpfe und hoffte, dass sich am Ende die Besten durchsetzen würden. Als Ordnungsdezernent wünschte er den Besuchern ein sicheres Fischerstechen. Sein Dank galt den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, des Ordnungsamtes und des Bauhofs sowie den Rettungskräften, die im Hintergrund für die Sicherheit sorgten.
Landrätin Bettina Dickes freute sich über ihre Ernennung zum Ehrenmitglied und würdigte das Engagement des Verkehrsvereins. Veranstaltungen wie das Fischerstechen bringen Menschen zusammen und zeigten, was Bad Kreuznach zu bieten habe.
Solche Gemeinschaftsprojekte funktionierten nur, weil es Menschen gebe, die Verantwortung übernehmen und bereits lange vor der eigentlichen Veranstaltung viel Zeit und Arbeit investieren. Den Teilnehmern wünschte Dickes Freude an den Wettkämpfen und den späteren Siegern den entsprechenden Stolz auf ihren Erfolg.
Zugleich sicherte sie dem Verkehrsverein auch für die Zukunft ihre Unterstützung zu: „Ihr könnt irgendwie auf mich zählen, wie immer.“
Auch Oberbürgermeister Emanuel Letz bezeichnete seine Ernennung zum Ehrenmitglied als besondere Ehre. Er unterstrich seine Unterstützung für den Verkehrsverein und würdigte diejenigen, die den Verein und seine Veranstaltungen über viele Jahre getragen haben. Dass das Fischerstechen wiederbelebt und in den vergangenen Jahren weiterentwickelt wurde, sei ein Gewinn für die gesamte Stadt. Gemeinsam mit Landrätin Bettina Dickes wolle er auch künftig dazu beitragen, weitere Projekte in Zusammenarbeit mit der Stadt zu ermöglichen.
Die enge Verbindung des Fischerstechens mit Bad Kreuznach brachte Letz in seiner Rede ebenfalls zum Ausdruck: „Dieses Fest gehört zur Nahe und es gehört zu Bad Kreuznach.“ Tradition werde nicht bewahrt, indem man sie nur erzähle, sondern indem man sie gemeinsam erlebe.
Auch abseits der Wettkämpfe hatte der Verkehrsverein ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Neben den Vorrundenkämpfen gehörten unter anderem Auftritte der Wespengarde und der Band Faltenrock zum Samstagsprogramm.
Ein besonderer Höhepunkt war das Feuerwerk über der Nahe. Nachdem das Abschlussfeuerwerk beim Bad Kreuznacher Jahrmarkt aufgrund der Trockenheit ausgefallen war, konnte es beim Fischerstechen stattfinden.
Mit einem Augenzwinkern hieß es dazu bei der Eröffnung, beim Jahrmarkt sei das Feuerwerk „nicht ins Wasser, sondern ins Trockene gefallen“. Beim Fischerstechen gehe man dagegen auf Nummer sicher: „Wir zünden dort, wo reichlich Wasser vorhanden ist.“
Der Verkehrsverein teilte mit, dass alle Auflagen eingehalten und sogar zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen wurden. „Wir würden uns wünschen, dass dies von allen politischen Kräften akzeptiert wird und man nicht auch noch solche Punkt aufgreift, um die Bevölkerung zu spalten. Das Fischerstechen steht als traditionelles Volksfest genau für das Gegenteil“, teilte der Pressesprecher des Verkehrsvereins, Tobias Heil mit.
Am Sonntag standen neben den entscheidenden Finalkämpfen ein großes Kinderprogramm, Saxophonmusik und das traditionelle Entenrennen von Round Table auf dem Programm.
Eine wichtige Rolle spielten während des gesamten Wochenendes zudem die zahlreichen Vereine, Initiativen, Ehrenamtlichen und Beschicker mit ihren Ständen auf der Roseninsel. Die Besucher wurden ausdrücklich dazu aufgerufen, deren Angebote zu nutzen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Denn sie würden wesentlich dazu beitragen, „dass unsere Stadt lebt“.
Am Ende eines spannenden Fischerstecher-Wochenendes stand auch fest, wer sich 2026 die Stadtmeistertitel sichern konnte.
Bei den Herren jubelte Denis Steinbrecher mit seiner Crew der Fahrschule Steinbrecher. Im Finale setzte sich Steinbrecher gegen Vasili Rishko vom Team Embeka II durch und holte damit den Stadtmeistertitel. Den dritten Platz sicherte sich DLRG I mit Stecher Lukas Schmidt. Der Vorjahressieger trat im kleinen Finale gegen Murat Wallrave vom Team des Verkehrsvereins an. Schmidt entschied das Duell für sich und beförderte Wallrave in die Nahe.
Auch bei den Damen gab es eine neue Stadtmeisterin. Marina Horl vom Boot DLRG II setzte sich im Finale gegen die Vorjahressiegerin Milena May vom Team DLRG I durch. Horl hatte im entscheidenden Duell die Nase vorn und sicherte sich gemeinsam mit ihrer Crew den Stadtmeistertitel der Damen.
Das Fischerstechen zeigte damit auch in diesem Jahr, was die Organisatoren bereits bei der Eröffnung in den Mittelpunkt gestellt hatten: Tradition wird in Bad Kreuznach nicht nur erzählt – sie wird gemeinsam gelebt.
Fotoimpressionen vom Fischerstechen:









































