BAD KREUZNACH. Mehr Verständnis schaffen, Familien unterstützen und Menschen mit Autismus neue Möglichkeiten für Teilhabe und Selbstbestimmung eröffnen: Die Lebenshilfe Bad Kreuznach hat am Agnesienberg ihr neues Beratungszentrum für Autismus offiziell eröffnet. Bereits seit Januar 2026 ist das Angebot aktiv – inzwischen werden dort rund 40 Kinder und Jugendliche mit Autismus begleitet.
Zur offiziellen Eröffnung begrüßte Lebenshilfe-Vorstand Benjamin Rubröder zahlreiche Gäste auf dem Gelände der besonderen Wohnform am Agnesienberg. Statt eines großen Rahmenprogramms stand dabei bewusst der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Die Besucher hatten Gelegenheit, die neuen Beratungsräume kennenzulernen, Fragen zu stellen und mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen.
„Ein Raum von Möglichkeiten“
Für Rubröder bedeutet die Eröffnung weit mehr als die Inbetriebnahme neuer Räume. Vielmehr solle ein „Raum von Möglichkeiten“ entstehen – für Menschen mit Autismus, Kinder und Jugendliche sowie deren Familien.Im Mittelpunkt der Beratung stehe deshalb nicht allein eine Diagnose. Gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Familien werde hingeschaut und zugehört, um herauszufinden, welche Unterstützung tatsächlich benötigt wird. Das Beratungszentrum soll ein Ort sein, an dem Fragen und Unsicherheiten angesprochen werden können, Menschen sich verstanden fühlen und gemeinsam neue Perspektiven entwickelt werden.
Das Zentrum nahm bereits im Januar seine Arbeit auf. Zwei Räumlichkeiten am Agnesienberg wurden dafür umgebaut und vorhandene Fachkompetenzen gebündelt. Aktuell erhalten dort rund 40 Kinder und Jugendliche mit Autismus ein entsprechendes Beratungsangebot.
Rubröder dankte insbesondere Yvonne Groß, Tony Louis und allen Mitarbeitenden, die an der Vorbereitung und Umsetzung des neuen Angebots beteiligt waren. Stillstand komme für die Lebenshilfe nicht infrage. Es gehe darum, zuzuhören, Neues auszuprobieren und sich immer wieder die Frage zu stellen, was noch besser gemacht werden könne. Dazu brauche es auch den Mut, neue Wege einzuschlagen. Für die tägliche Arbeit formulierte der Vorstand einen klaren Anspruch: „Klarheit in den Zielen, Mut bei Entscheidungen, Respekt im Umgang und Menschlichkeit in jedem einzelnen Kontakt.“
In seiner Ansprache ging Rubröder auch auf die Entwicklung der Organisation ein. Die Lebenshilfe selbst beschäftigt nach seinen Angaben rund 170 Mitarbeitende. Hinzu kommen etwa 100 Beschäftigte in einer gemeinnützigen GmbH. Dass die Lebenshilfe in Bad Kreuznach trotz dieser Größenordnung teilweise noch wesentlich größer wahrgenommen werde, wertete der Vorstand als Anerkennung für das Engagement der Mitarbeitenden und die Präsenz der verschiedenen Angebote.
Auch die Zusammenarbeit mit den Leistungsträgern hob Rubröder hervor. Besonders im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sei eine Kooperation auf Augenhöhe wichtig, bei der das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehe.
Dickes: Unterstützungsbedarf bei Kindern steigt stark
Landrätin Bettina Dickes würdigte die Lebenshilfe bei der Eröffnung als langjährigen und verlässlichen Partner des Landkreises Bad Kreuznach. Gerade bei schwierigen Situationen gebe es einen direkten Austausch und die Bereitschaft, gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Gleichzeitig machte die Landrätin auf eine Entwicklung aufmerksam, die den Landkreis zunehmend beschäftigt. Während die Fallzahlen in der Eingliederungshilfe bei Erwachsenen über lange Zeit vergleichsweise stabil geblieben seien, steige der Unterstützungsbedarf bei Kindern und Jugendlichen derzeit erheblich. Für Dickes steht deshalb weniger die Diskussion über mögliche Ursachen als vielmehr die Frage im Mittelpunkt, wie den betroffenen Kindern und ihren Familien konkret geholfen werden kann.
Gerade Familien mit einem Kind mit Autismus benötigten Unterstützung und Begleitung. Eltern müssten Möglichkeiten erhalten, das Verhalten ihres Kindes besser zu verstehen und auch kleine Zeichen von Freude, Wohlbefinden oder Zuneigung wahrzunehmen. Das neue Beratungsangebot könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Die entsprechenden Hilfen bedeuteten zwar auch erhebliche Ausgaben für den Kreishaushalt. Dickes betonte jedoch, dass dahinter hochwertige Angebote stünden, die für die betroffenen Menschen dringend benötigt würden. Sie dankte dem gesamten Team der Lebenshilfe für die langjährige Zusammenarbeit und wünschte sich auch für die Zukunft weitere innovative Ideen und neue Angebote.
Beratungsräume standen den Gästen offen
Yvonne Groß, Leiterin des Autismus-Beratungszentrums, lud die Gäste anschließend dazu ein, die neuen Räume zu besichtigen und mit dem Team ins Gespräch zu kommen. Dort lagen Informationsmaterialien bereit, zudem standen Mitarbeitende für Fragen zur Verfügung. Besonders freute sich Groß darüber, dass auch Eltern die Gelegenheit zum persönlichen Austausch nutzten. Darüber hinaus präsentierte sich das Chancenzentrum der Lebenshilfe mit selbst hergestellten Produkten. Die Hauswirtschaft sorgte mit kleinen Snacks und Getränken für die Bewirtung der Gäste.
Mit dem neuen Beratungszentrum erweitert die Lebenshilfe ihr Unterstützungsangebot in Bad Kreuznach. Dabei soll es nicht bei der Eröffnung neuer Räume bleiben: Im Mittelpunkt steht langfristig eine Anlaufstelle, die Menschen mit Autismus und ihre Familien begleitet, Orientierung gibt und ihnen dabei hilft, individuelle Wege für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung zu finden.








