BINGEN-BÜDESHEIM. Ein weiterer wichtiger Schritt bei der umfassenden Neugestaltung des Fachmarktzentrums Scharlachberg ist gemacht: Mit der feierlichen Grundsteinlegung wurde jetzt der nächste Bauabschnitt auf dem traditionsreichen Areal in Bingen-Büdesheim eingeläutet. Bis 2028 soll dort ein modernisiertes Gewerbequartier mit rund 14.000 Quadratmetern Mietfläche entstehen.
Zur Grundsteinlegung kamen Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie die Projektverantwortlichen zusammen. Nach der Begrüßung durch Jan-Philipp Schulz, Geschäftsführer der Naheland Immobilienentwicklungsgesellschaft mbH, sprachen Oberbürgermeister Thomas Feser sowie die Vorstände der Sparkasse Rhein-Nahe, Holger Wessling und Jörg Brendel, Grußworte. Architektin Iryna Fink von der RS Plan AG stellte anschließend das Bauvorhaben näher vor.
Gemeinsam mit Dag Stein-Herzberger, Geschäftsführer der Naheland Immobilienentwicklungsgesellschaft, wurde schließlich der symbolische Grundstein gelegt. Eine Zeitkapsel mit aktuellen Tageszeitungen, einem Münzsatz, dem Bauplan und einer Urkunde erinnert künftig an diesen Tag.
Oberbürgermeister Thomas Feser bezeichnete die Grundsteinlegung als mehr als einen symbolischen Akt. Sie markiere den Zeitpunkt, an dem aus Plänen und Zeichnungen sichtbarer Baufortschritt werde. Gleichzeitig erinnerte Feser an die anspruchsvolle Vorgeschichte des Projekts. Seit dem Ankauf des Areals im März 2023 mussten unter anderem Fragen des Hochwasserschutzes geklärt, eine Schadstoffsanierung durchgeführt und schwierige Baugrundverhältnisse bewältigt werden.
Auch für die Naheland Immobilienentwicklungsgesellschaft ist die Entwicklung langfristig angelegt. „Unser Anspruch ist es, Standorte langfristig zu entwickeln. Wir modernisieren die alte Welt und schaffen Schritt für Schritt ein neues Gesamtquartier“, erklärte Geschäftsführer Jan-Philipp Schulz.
Die Sparkassen-Vorstände Holger Wessling und Jörg Brendel sehen in dem Projekt zugleich eine Stärkung des Stadtteils Bingen-Büdesheim. Das bereits vorhandene Interesse am Standort sei groß. Ziel sei es, das für Bingen prägende Areal zukunftsorientiert zu entwickeln und nachhaltig zu revitalisieren.
Neubau soll im Frühjahr 2027 fertig sein
Der Neubauabschnitt umfasst rund 3.200 Quadratmeter Mietfläche. Die Baugenehmigung für die Erdarbeiten liegt seit April 2025 vor, der eigentliche Baubeginn erfolgte im Mai dieses Jahres. Die Fertigstellung ist für März 2027 vorgesehen. Das gesamte Areal soll bis 2028 fertiggestellt sein.
Auf einer Grundstücksfläche von rund 39.500 Quadratmetern sind insgesamt etwa 14.000 Quadratmeter Mietfläche vorgesehen. Geplant sind rund 27 Gewerbeeinheiten – vier davon im Neubau und 23 durch die Sanierung des vorhandenen Gebäudebestandes. Nach Angaben der Stadt sind bereits 18 Flächen vermietet, für rund zehn weitere laufen Gespräche. Vorgesehen ist ein Nutzungsmix aus Einzelhandel, Gastronomie, Gesundheitsdienstleistungen, Fachhandel und Büroflächen.
Weitere noch verfügbare Flächen bieten unter anderem Nutzungsmöglichkeiten für Ärzte, Büros, Dienstleister und Gastronomiebetriebe. Auch besondere Bestandsgebäude wie das ehemalige Pförtnerhaus sollen erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Bei der Entwicklung des Fachmarktzentrums setzt die Naheland Immobilienentwicklungsgesellschaft auch auf Nachhaltigkeit. Ein wesentlicher Teil der bestehenden Gebäudesubstanz soll saniert und weitergenutzt werden.
Geplant sind zudem eine Photovoltaikanlage, energiesparende LED-Beleuchtung und Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Eine Heizzentrale mit nachhaltigen Energieträgern soll gemeinsam mit der evb Energieversorgungs-Betriebsgesellschaft mbH betrieben werden. Von den rund 380 vorgesehenen Parkplätzen sollen etwa 100 mit Photovoltaik-Carports ausgestattet werden.
Verkehrstechnisch verfügt das Areal über eine günstige Lage. Das Gewerbegebiet Bingen-Büdesheim besitzt einen direkten Anschluss an die B9 sowie an die Autobahnen A60 und A61. Mehrere Bushaltestellen in unmittelbarer Nähe sorgen außerdem für die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
Scharlachberg blickt auf lange Geschichte zurück
Das Areal ist bereits seit dem 19. Jahrhundert eng mit der Industriegeschichte Bingens verbunden. 1898 gründete Friedrich Wilhelm Petzsch die Cognakbrennerei Petzsch, die 1911 ihren Sitz nach Bingen verlegte. 1919 erfolgte infolge der Bestimmungen des Versailler Vertrags die Umbenennung in Weinbrennerei Scharlachberg GmbH.
Das Unternehmen entwickelte sich zum größten Gewerbebetrieb der Stadt. Überregional bekannt wurde Scharlachberg insbesondere durch den „Scharlachberg Meisterbrand“ und die Werbespots des Karikaturisten Loriot. Nach der Schließung des Betriebes wurde das Gelände in den 2010er-Jahren zu einem Gewerbepark umgewidmet. Mit der laufenden Revitalisierung beginnt für das traditionsreiche Scharlachberg-Areal nun ein neues Kapitel.








