BAD KREUZNACH. Der Montag auf dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt stand auch in diesem Jahr ganz im Zeichen liebgewonnener Traditionen. Während am Vormittag Politik, Ehrungen und der gemeinsame Jahrmarktsrundgang das Geschehen bestimmten, übernahmen bereits früh am Nachmittag die Firmen aus der Region die Pfingstwiese. Trotz eines überwiegend bewölkten Himmels wurde bis in die späten Abendstunden ausgelassen gefeiert.
Traditionell begann der Jahrmarktsmontag mit dem kommunalpolitischen Frühschoppen im Naheweinzelt. Oberbürgermeister Emanuel Letz nutzte seine Rede unter anderem für eine Halbzeitbilanz seiner Amtszeit und stellte die Frage in den Mittelpunkt, ob Politik heute noch in der Lage sei, Probleme zu lösen.

Letz sparte dabei auch nicht mit kritischen Tönen gegenüber der eigenen Verwaltung und der Kommunalpolitik. Vertrauen entstehe nicht durch Sonntagsreden, sondern dadurch, dass die Menschen vor Ort erleben, dass Anträge, Genehmigungen und Projekte funktionieren. Auch bei Themen wie den Parkgebühren sieht der Oberbürgermeister Verbesserungsbedarf. Bei deren Ausweitung habe es Fehler und Ungerechtigkeiten gegeben. Dass der Stadtrat anschließend nachgesteuert habe, wertete Letz als richtigen Schritt.
Auch die weiterhin fehlende Verbindung über den Löwensteeg und die Situation an der Quellenhofbrücke sprach Letz an. Hier seien Entscheidungen und klare Perspektiven notwendig. Positiv verwies er unter anderem auf die Sanierung der Hochstraße, die Entwicklung von 93 Wohnungen im früheren Verwaltungsgebäude im Brückes sowie verschiedene Projekte zur Aufwertung des Stadtbildes.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Rede war das Stadtjugendamt. Letz erinnerte dabei auch an seine eigene Biografie als Pflegekind und würdigte ausdrücklich die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei der Diskussion um die Zukunft des Jugendamtes gehe es nicht um ein Gegeneinander zwischen Stadt und Landkreis, sondern um eine dauerhaft faire und auskömmliche Finanzierung.
Deutliche Worte fand der Oberbürgermeister außerdem zur angespannten Finanzlage der Stadt. Das Defizit für 2025 bezifferte er auf rund 17,9 Millionen Euro, die Liquiditätskredite lagen Ende Mai bei 52,7 Millionen Euro. Bund und Land müssten Kommunen finanziell in die Lage versetzen, die ihnen übertragenen Aufgaben auch erfüllen zu können.

Jahrmarktsbürgermeister Mirko Helmut Kohl zog unterdessen eine positive Zwischenbilanz der ersten Festtage. Von rund 650 Bewerbungen erhielten 180 Geschäfte eine Zulassung. Während der Freitag normal besucht gewesen sei, seien Samstag und Sonntag sehr gut gelaufen. Vor allem am Samstagabend bildeten sich an den Highlight-Fahrgeschäften teilweise lange Warteschlangen.
Auch aus Sicht der Einsatzkräfte verliefen die ersten Tage insgesamt ruhig. Bis zum Montag wurden unter anderem fünf Schlägereien, zwei Taschendiebstähle und eine sexuelle Belästigung registriert. Die Feuerwehr musste seit Freitag zu keinem Einsatz auf der Pfingstwiese ausrücken. Die erstmals möglichen Taschenkontrollen durch private Sicherheitsdienste hätten sich nach Einschätzung des Jahrmarktsbürgermeisters bewährt.

Ein besonderer Moment des Frühschoppens gehörte zwei erfolgreichen Kanusportlern aus der Region. Paulina Pirro vom KSV Bad Kreuznach und Enrico Dietz wurden für ihre herausragenden internationalen Erfolge gewürdigt. Pirro wurde unter anderem Weltmeisterin im K1, während Dietz ebenfalls auf Welt- und Europameisterschaftsebene große Erfolge feiern konnte.
Für Heiterkeit und eine weitere jahrmarktstypische Tradition sorgte anschließend der Freundeskreis Kreiznacher Johrmarkt. In diesem Jahr wurde dessen Vorsitzender und ehemalige Bad Kreuznacher Oberbürgermeister Andreas Ludwig „entwanzt“. Der gebürtige Idar-Obersteiner ist damit nun ein echtes „Gässje“. In der Laudatio wurde an zahlreiche Stationen seines Lebens und seine jahrzehntelange Verbundenheit mit dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt erinnert.

Nach dem Frühstücksbuffet ging es für die geladenen Gäste zum traditionellen Rundgang über die Pfingstwiese. Dabei durfte natürlich nicht nur geschaut werden: Fahrten mit Achterbahn, Autoscooter und dem neuen Riesenrad gehörten ebenfalls zum Programm.
Schon relativ früh zeigte sich anschließend, warum der Montag auch als Firmenmontag einen besonderen Stellenwert besitzt. Zahlreiche Unternehmen aus der Region kamen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf die Pfingstwiese. Viele Gruppen trugen einheitliche Oberteile und waren damit schon von Weitem als Firmenmannschaften zu erkennen. Gleichzeitig nutzen die Unternehmen den gemeinsamen Jahrmarktsbesuch auch als Möglichkeit, sich öffentlich zu präsentieren.
Obwohl für den Montag Sonnenschein vorhergesagt worden war, blieb der Himmel über weite Strecken bewölkt. Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch. Besonders in den gastronomischen Betrieben wurde bis spät in den Abend hinein gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und Freunden gefeiert.
Am heutigen Dienstag geht der Bad Kreuznacher Jahrmarkt 2026 bereits in seine letzte Runde. Am Nachmittag steht traditionell der Familiennachmittag auf dem Programm, bei dem zahlreiche Fahrgeschäfte, Buden und Stände besondere Angebote bereithalten. Auf das traditionelle Abschlussfeuerwerk müssen die Besucher in diesem Jahr aufgrund einer Allgemeinverfügung wegen der langanhaltenden Trockenheit leider verzichten.
Doch auch ohne Feuerwerk gilt zum Abschluss noch einmal: Nix wie enunner auf die Pfingstwiese!
Eine Auswahl von Firmenfotos







Fotoalbum vom Jahrmarktsmontag:






































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