KREIS BAD KREUZNACH. Der Bericht von Nahe News über die Forderung von CDU und FLLS in der Verbandsgemeinde Langenlonsheim-Stromberg, die Ausstattung der Grundschulen mit Klimageräten beziehungsweise raumklimatischen Anlagen prüfen zu lassen, hat nun auch eine Reaktion auf Kreisebene ausgelöst. FDP-Fraktionsvorsitzender Thomas Bursian nahm ausdrücklich Bezug auf den am Dienstag veröffentlichten Nahe-News-Bericht und fordert ein Gesamtkonzept für klimafeste Schulen im Landkreis Bad Kreuznach.
CDU und FLLS hatten in Langenlonsheim-Stromberg beantragt, technische Möglichkeiten, Kosten, energetische Auswirkungen und Fördermöglichkeiten für eine schrittweise Ausstattung der Grundschulen zu untersuchen. Entsprechende Mittel könnten bei einer positiven Bewertung bereits für den Haushalt 2027 eingeplant werden.
Bursian begrüßt grundsätzlich, dass das Thema inzwischen auch von anderen politischen Fraktionen aufgegriffen wird. Gleichzeitig wünscht er sich deren Unterstützung auch auf Kreisebene. „Wenn ich die Meldungen der CDU von Langenlonsheim-Stromberg, aber auch aus Rüdesheim lese, wünschte ich mir deren Unterstützung auch im Kreistag“, erklärt der FDP-Fraktionsvorsitzende.
Für ihn dürfe es bei den Lernbedingungen keine Schülerinnen und Schüler „erster und zweiter Klasse“ geben. Kurzstunden, Hitzefrei oder Unterrichtsausfall könnten auf Dauer keine Antwort auf die zunehmende Überhitzung der Schulen und die Herausforderungen im Bildungsbereich sein.
„Unsere Kinder haben ein Recht auf gute Lernbedingungen – und Lehrerinnen und Lehrer auf vernünftige Arbeitsbedingungen“, erklärt Bursian. Wenn in Klassenräumen regelmäßig Temperaturen erreicht würden, bei denen konzentriertes Lernen kaum noch möglich sei, müsse gehandelt werden.
FDP brachte Thema bereits in Kreisgremien zur Sprache
Die FDP hatte die Problematik nach eigenen Angaben sowohl im Kreisausschuss als auch wenige Tage später im Schulträgerausschuss angesprochen. Während Landrätin Bettina Dickes eine Klimatisierung der Schulen im Kreisausschuss zunächst abgelehnt habe, sei die Antwort im Schulträgerausschuss differenzierter ausgefallen. Eine flächendeckende Klimatisierung sei demnach zwar nicht vorgesehen, denkbar seien jedoch sogenannte „Kälteinseln“ innerhalb der Schulen.Für Bursian wäre dies zumindest ein erster Ansatz. Entscheidend sei jedoch, frühzeitig Konzepte zu entwickeln und nicht erst während der nächsten Hitzewelle nach Lösungen zu suchen.
FDP hinterfragt Lüftungsanlagen aus der Corona-Zeit
Ein weiterer Punkt sind die während der Corona-Pandemie angeschafften Raumlüftungsanlagen. Nach Angaben der FDP würden diese teilweise von Lehrkräften nicht genutzt, weil sie im Betrieb als zu laut empfunden würden.
Bursian fordert deshalb eine Überprüfung der vorhandenen Geräte. Es müsse geklärt werden, ob Anlagen falsch eingestellt oder dimensioniert seien oder sich für den dauerhaften Einsatz im Unterricht grundsätzlich nicht eigneten. Lüftungsanlagen könnten unabhängig vom Infektionsschutz einen Beitrag zu einem besseren Raumklima leisten, indem sie unter anderem den CO₂-Gehalt in den Klassenräumen reduzieren.
Kritisch sieht die FDP auch, wenn vorhandene Geräte nicht über geeignete Timer- oder Steuerungsfunktionen verfügen. Solche Funktionen könnten beispielsweise dazu genutzt werden, Räume während der Nachtstunden mit kühlerer Außenluft zu versorgen.
Nach Ansicht der Liberalen darf sich die Diskussion allerdings nicht allein auf Klimaanlagen konzentrieren. Zu einem wirksamen Hitzeschutz gehörten unter anderem außenliegender Sonnenschutz und funktionierende Jalousien, Sonnensegel und andere Verschattungsmöglichkeiten, geeignete Wärme- und Sonnenschutzfolien, Begrünungen sowie eine verbesserte natürliche Durchlüftung. Auch eine intelligente Steuerung vorhandener Lüftungsanlagen und die Einrichtung gekühlter Bereiche könnten Bestandteil eines Gesamtkonzeptes sein.
„Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um unsere Schulen klimafest zu machen. Es geht nicht um Luxus, sondern um gute Rahmenbedingungen für Bildung und um den Schutz unserer Kinder und Beschäftigten“, betont Bursian.
Dabei verweist der FDP-Fraktionsvorsitzende auch auf Maßnahmen am Kreishaus, das unter anderem durch eine klimaangepasste Gestaltung des Vorplatzes und Begrünungen klimafester gestaltet werden soll. „Was für das Kreishaus richtig ist, darf für unsere Schulen nicht falsch sein. Unsere Schulen müssen Vorbild sein – nicht Hitzefallen.“
Mit Blick auf die Initiativen auf Ebene der Verbandsgemeinden hofft Bursian nun auf eine breite politische Unterstützung auch im Kreistag. Aus seiner Sicht müsse für die Schulen in Trägerschaft des Landkreises ebenso konsequent über Verbesserungen beim Hitzeschutz nachgedacht werden.
Die FDP fordert deshalb ein Gesamtkonzept „Klimafeste Schulen im Landkreis Bad Kreuznach“. Dabei sollen die Schulen systematisch hinsichtlich Hitzebelastung, Verschattung, Lüftung, Dämmung und möglicher Kühlmaßnahmen untersucht werden. Auf Grundlage der Ergebnisse soll nach Vorstellung der Fraktion eine Prioritätenliste erstellt und schrittweise abgearbeitet werden.
„Wir können nicht jedes Jahr aufs Neue über Hitzefrei diskutieren. Wir müssen unsere Schulen jetzt so ertüchtigen, dass Unterricht auch bei sommerlichen Temperaturen vernünftig stattfinden kann“, erklärt Bursian. Klimafeste Schulen seien eine Investition in die Kinder, die Lehrkräfte und damit in die Zukunft des Landkreises.
Gleichzeitig warnt der FDP-Fraktionsvorsitzende bei der Suche nach geeigneten Lösungen vor „hausgemachten Dogmen und Schnellschüssen“.






