StartNachrichtenKreis BirkenfeldLandwirte bildeten das Rückgrat der Löschwasserversorgung beim großen Waldbrand

Landwirte bildeten das Rückgrat der Löschwasserversorgung beim großen Waldbrand

KREIS BIRKENFELD. Im Vergleich zum Bergepanzer wirkten sie auf Augenzeugen unspektakulär, weil alltäglich, aber die Güllefässer der Landwirte und zwei Raupen erwiesen sich beim großflächigen Waldbrand bei Reichenbach als äußerst effektiv. „Diese Hilfe war Gold wert“, bilanzierte Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) Lukas Klein.

Schon kurz nach Beginn des Einsatzes erkannten die Feuerwehrleute, dass die Löschwasserversorgung – wie so oft bei Waldbränden – zur Achillesferse werden könnte. Über den Heimbacher Ortsbürgermeister Jürgen Saar landete die Anfrage gegen 12.30 Uhr bei dessen Nichte Verena Saar, die mit ihrem Vater Heinz-Otto den Altwieserhof oberhalb von Heimbach betreibt. Sofort trommelte sie ihre Kollegen in der Umgebung zusammen, die wiederum andere in Marsch setzten: „Innerhalb einer Stunde waren wir alle vor Ort.“

Einer der Mitstreiter, der 21-jährige Moses Leonhard, der auch der Freiwilligen Feuerwehr Reichenbach angehört und als Bindeglied zu den Einsatzkräften fungierte, berichtet: „Um keine Zeit zu verlieren, brauchten wir möglichst einen Sammelpunkt, der nahe am Brand lag und uns zugleich ermöglichte, eine große Menge Wasser zu entnehmen.“ Auf privatem Gelände konnten die Bauern ein ergiebiges Wasserreservoir anzapfen: den See, aus dem Peter und Moses Leonhard ihre Kartoffeln beregnen, und den benachbarten Löschteich des Lohn- und Forstunternehmers André Dunkel aus Reichenbach. Alle drei beteiligten sich aktiv an der Brandbekämpfung: mit ihren Fässern, mit Leonhards Grubber und der Raupe, die Dunkel per Tieflader an den Waldrand beförderte, um dort Schneisen zu ziehen, die das Feuer erfolgreich eindämmten. Eine zweite Raupe organisierte Ortsbürgermeister Uwe Nees von der Firma Juchem aus Niederwörresbach: „Nach einer Dreiviertelstunde war sie hier – und dann habe ich bis tief in die Nacht Rückegassen geschoben.“ Zum einen wurde die Ausbreitung des Feuers gestoppt, zum anderen kamen die Feuerwehrleute dichter an die Glutnester.

Permanent brauchten sie aber Wassernachschub. Die Kapazität der Güllefässer bewegt sich zwischen 8.000 bis 20.000 Liter. „Pro Umlauf transportierten wir mehr als 100.000 Liter“, erzählt Verena Saar. „Unsere vier neuen Tanklöschfahrzeuge fassen zusammen 12.000 Liter“, verdeutlicht BKI Klein die Dimensionen. „Die sieben wasserführenden Fahrzeuge der Feuerwehren unserer Verbandsgemeinde bringen es zusammen auf 12.750 Liter, außerdem haben wir einen Abrollbehälter mit 8.000“, ergänzt Bernd Alsfasser, der Bürgermeister der VG Baumholder – die Wehren der Bundeswehr und der US-Army hatten jeweils 12.000 bis 13.000 Liter: „Dies zeigt, wie gigantisch die Leistung unserer Bauern war.“ So konnte etwa der Wasserwerfer der Polizei ununterbrochen löschen. „Unsere Kolonnen versorgten die Feuerwehren an der Außenfeuerstellung 207 und am Sportplatz, einige von uns bewässerten die Schneisen, die mit den kleineren Fässern stießen rückwärts ans Feuer und löschten effektiv“, schildert Verena Saar: „Und Winfried Bruch konnte mit seinem 90-Grad-Bogen und der Sprühdüse dort löschen, wo sonst niemand hinkam.“

Aber bekanntlich steckt der Teufel im Detail: Weil sich das Volumen, die Funktion und die Pumpentechnik der Fässer stark unterscheiden, bedurfte es kluger Koordination. Ein weiteres Problem war bei der unfreiwilligen Premiere, die Verbindung zur Löschtechnik der Feuerwehr herzustellen. „Da müssen wir dringend nachrüsten“, weiß Alsfasser, dem wie Klein vorschwebt, ein lokales Netzwerk nach dem Vorbild der „Red Farmer“ aufzubauen. „Dabei arbeiten wir gerne mit“, bekunden Verena Saar und Moses Leonhard.

Im Einsatz waren: Verena und Heinz-Otto Saar, Hans Kai Simon (Heimbach), Moses Leonhard, Niklas Alt (Reichenbach), Helmut und Tim Beutler aus Birkenfeld, Winfried Bruch (Gimbweiler), Marcel Haupenthal (Rohrbach/Betrieb Condé, Buhlenberg), Karlheinz Gisch (Baumholder), Silas Schwahn (Betrieb Henn, Berschweiler), Torsten Burgschneider (Mettweiler), Tobias Brunk (Herrstein) und Tobias Burger (Hoppstädten).


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