SANKT KATHARINEN. Der Vorstandsvorsitzende des Kulturvereins St. Katharinen e. V., Stefan Boxler, spricht sich für eine Rückkehr zum traditionellen Beginn der Kirmes am Freitag aus und appelliert an Vereine, Veranstalter, Kommunen und politische Entscheidungsträger, den sogenannten „Fleeschworscht-Dunnerschdaach“ nicht weiter als festen Bestandteil der Kirmes zu etablieren.
Die Kirmes als Kirchweihfest gehört seit Generationen zu den wichtigsten kulturellen Traditionen im Landkreis Bad Kreuznach. Über viele Jahrzehnte hinweg war ihr Ablauf klar geregelt: Gefeiert wurde von Freitag bis Montag. Nach Auffassung des Kulturvereins entfernt sich diese gewachsene Tradition jedoch zunehmend von ihrem ursprünglichen Charakter. Immer mehr Kirmesveranstaltungen beginnen bereits am Donnerstag mit dem sogenannten „Fleeschworscht-Dunnerschdaach“. Was ursprünglich als geselliges, inoffizielles Beisammensein gedacht war, hat sich vielerorts zu einem zusätzlichen Veranstaltungstag mit Festbetrieb entwickelt.
„Als Kulturverein stehen wir uneingeschränkt hinter unserer Kirmestradition“, erklärt Vorstandsvorsitzender Stefan Boxler. „Gerade deshalb sollten wir ihre gewachsene Form bewahren. Traditionen leben nicht davon, dass sie immer weiter ausgedehnt werden, sondern davon, dass ihr ursprünglicher Charakter erhalten bleibt. Die Kirmes beginnt seit jeher am Freitag – und das sollte auch künftig so bleiben.“
Aus Sicht des Kulturvereins sprechen mehrere Gründe für eine Rückkehr zum traditionellen Ablauf:
- Belastung der Anwohner: Bereits am Donnerstagabend werden Anwohner durch Musik, Besucherströme und Festbetrieb in ihrer Nachtruhe beeinträchtigt. Für viele Menschen ist der Donnerstag ein regulärer Arbeitstag, dem ein ebenso regulärer Freitag folgt.
- Verlängerung des Ausnahmezustands: Berufstätige, Familien mit Kindern sowie ältere Menschen sind den Auswirkungen des Kirmesbetriebs dadurch nahezu eine Woche lang ausgesetzt, einschließlich der Zeiten für den Auf- und Abbau.
- Bewahrung des Brauchtums: Die Kirmes besitzt als Kirchweihfest eine historisch gewachsene Struktur. Eine schleichende Ausweitung der Festtage verändert ihren traditionellen Charakter und lässt den eigentlichen Anlass zunehmend in den Hintergrund treten.
- Verkehr und Organisation: Der vorgezogene Veranstaltungsbeginn führt bereits während der Arbeitswoche zu zusätzlichem Lieferverkehr, Parkplatzengpässen und Verkehrsbehinderungen.
Nach Auffassung des Kulturvereins geht es ausdrücklich nicht darum, das Feiern oder das gesellige Miteinander einzuschränken. Vielmehr müsse ein ausgewogenes Verhältnis zwischen gelebter Festkultur, dem Erhalt des Brauchtums und den berechtigten Interessen der Anwohner gefunden werden.
Mit Sorge beobachtet Stefan Boxler, dass sich der sogenannte „Fleeschworscht-Dunnerschdaach“ inzwischen bei zahlreichen Kirmesveranstaltungen im gesamten Landkreis Bad Kreuznach etabliert hat. Dadurch werde der ursprüngliche Zeitraum der Kirchweih schrittweise ausgeweitet – eine Entwicklung, die aus Sicht des Kulturvereins weder der Tradition noch der Akzeptanz der Kirmes in der Bevölkerung diene.
„Eine starke Kirmestradition zeichnet sich nicht durch möglichst viele Veranstaltungstage aus“, betont Boxler. „Sie lebt von ihrem Brauchtum, vom ehrenamtlichen Engagement der Vereine, von der Gemeinschaft und vom respektvollen Miteinander. Dazu gehört auch die Rücksicht auf die Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Festplätze wohnen.“
Der Kulturverein appelliert daher an Städte und Ortsgemeinden, Veranstalter, Schausteller und Vereine im Landkreis Bad Kreuznach, gemeinsam über eine Rückbesinnung auf den traditionellen Kirmesbeginn am Freitag nachzudenken. Ziel sollte es sein, die Kirmes als lebendiges kulturelles Erbe in ihrer gewachsenen Form zu erhalten und gleichzeitig die Lebensqualität der Anwohner zu schützen. Nur wenn Tradition und Rücksicht gleichermaßen gelebt werden, kann die Kirmes auch künftig auf breite Akzeptanz in der Bevölkerung bauen.
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