BAD KREUZNACH. Die Sommerferien stellen den DRK-Blutspendedienst jedes Jahr vor besondere Herausforderungen. Während viele regelmäßige Blutspender verreist sind, bleibt der Bedarf in den Krankenhäusern unverändert hoch. Auf diese angespannte Situation machte am Montag, 27. Juli der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch bei seinem Besuch des DRK-Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz und Saarland im Zentrum für Transfusionsmedizin in Bad Kreuznach aufmerksam. Im Rahmen seiner Sommerreise informierte er sich über die Arbeit der Einrichtung und appellierte gemeinsam mit den Verantwortlichen an die Bevölkerung, regelmäßig Blut zu spenden.
„Wer gesund und spendefähig ist, sollte die nächste Gelegenheit nutzen und Blut spenden. Jede Spende hilft, Leben zu retten und die Versorgung in der Region sicherzustellen“, betonte Hoch. Blutspenden seien für Operationen, die Versorgung von Unfallopfern, Krebstherapien und viele weitere medizinische Behandlungen unverzichtbar.
Sommer bleibt die kritischste Zeit
Im Gespräch mit den Verantwortlichen wurde deutlich, dass insbesondere die Sommermonate regelmäßig zu Engpässen führen. Zwar sei die Versorgung derzeit angespannt, jedoch nicht dauerhaft kritisch. Immer wieder komme es aber vor, dass die Bestände einzelner Blutgruppen innerhalb kurzer Zeit deutlich schrumpfen. Besonders gefragt ist dabei die Blutgruppe 0 negativ, die im Notfall universell eingesetzt werden kann.
Benjamin Simeon Albrecht, kaufmännischer Leiter des DRK-Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz und Saarland, machte deutlich, dass Blut nicht künstlich hergestellt werden kann und viele Blutprodukte nur eine begrenzte Haltbarkeit besitzen. Deshalb sei eine kontinuierliche Spendenbereitschaft das ganze Jahr über erforderlich.
Moderne Logistik sorgt für schnellere Versorgung
Während des Rundgangs erläuterten Albrecht und der ärztliche Leiter Dr. Alexander Karbol die komplexen Abläufe hinter einer Blutspende. Nach der Entnahme werden die Blutkonserven zunächst zum zentralen Standort nach Hagen transportiert. Dort erfolgen Verarbeitung und umfangreiche Untersuchungen. Künftig soll die Versorgung der Krankenhäuser noch effizienter organisiert werden. Statt die jeweils vor Ort gesammelten Blutkonserven zurückzuführen, sollen die Kliniken bedarfsgerecht direkt mit den in Hagen vorkonfektionierten Blutprodukten beliefert werden. Dadurch könne die Verteilung noch gezielter an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

15.000 Blutproben jährlich auf seltene Merkmale untersucht
Neben den klassischen Blutgruppen gewinnen seltene Blutgruppenmerkmale zunehmend an Bedeutung. Durch die wachsende gesellschaftliche Vielfalt steigt auch die Zahl von Patienten mit besonderen Blutgruppenmerkmalen. Deshalb werden am Standort Bad Kreuznach jährlich rund 15.000 Blutspenden gezielt auf seltene Merkmale untersucht, um im Ernstfall passende Blutkonserven bereitstellen zu können.
Darüber hinaus werden in den akkreditierten Laboren moderne molekulare Blutgruppenbestimmungen durchgeführt sowie Stammzellspender typisiert. Das Zentrum zählt damit zu den wichtigsten transfusionsmedizinischen Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Einblick in die Thrombozytenspende
Ein weiterer Schwerpunkt des Besuchs war die sogenannte Thrombozytenspende. Dabei werden ausschließlich Blutplättchen entnommen, während die übrigen Blutbestandteile dem Spender über dieselbe Nadel wieder zurückgeführt werden. Die Spende dauert je nach Körperbau und Thrombozytenzahl etwa 60 bis 80 Minuten.

Die Blutplättchen werden insbesondere für Krebspatienten oder Menschen mit schweren Blutgerinnungsstörungen dringend benötigt. Pascal Maurer aus Niederhosenbach, ein regelmäßiger Thrombozytenspender berichtete Minister Hoch, dass er seit der Corona-Pandemie etwa einmal im Monat zur Spende nach Bad Kreuznach kommt.
Blutprodukte haben nur eine begrenzte Haltbarkeit
Auch die Lagerung der Blutprodukte erfordert höchste Präzision. Erythrozytenkonzentrate werden bei rund vier Grad Celsius gelagert und sind lediglich etwa 42 Tage haltbar. Thrombozyten besitzen sogar eine deutlich kürzere Lagerfähigkeit. Deshalb müssen die Bestände ständig überwacht und nach dem Prinzip „First in – first out“ verwaltet werden.

Das Zentrum für Transfusionsmedizin Bad Kreuznach nimmt jährlich rund 190.000 Vollblutspenden entgegen und versorgt Krankenhäuser, Kliniken und Arztpraxen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit Blutprodukten. Deutschlandweit werden täglich bis zu 15.000 Blutspenden benötigt, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.
Zum Abschluss seines Besuchs unterstrich Gesundheitsminister Clemens Hoch nochmals die Bedeutung der Blutspender: „Hinter jeder Blutspende steht ein hochspezialisierter medizinischer Prozess, der täglich dazu beiträgt, Leben zu retten.“ Gerade in der Ferienzeit sei deshalb jede einzelne Blutspende ein wichtiger Beitrag für die Gesundheitsversorgung.
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