StartBlaulicht ReportRotenfels-Einsatz verändert Katastrophenschutz im Landkreis nachhaltig

Rotenfels-Einsatz verändert Katastrophenschutz im Landkreis nachhaltig

KREIS BAD KREUZNACH. Die Waldbrandlage am Rotenfels mit Alarmstufe 4 war für den Landkreis Bad Kreuznach ein bislang einmaliges Einsatzszenario. Beim Jahrespressegespräch zog Landrätin Bettina Dickes Bilanz und machte deutlich, dass die Erfahrungen aus dem Großeinsatz weitreichende Konsequenzen für den Zivil- und Katastrophenschutz haben werden. Neben der Nachbereitung des Rotenfels-Einsatzes stehen künftig der Ausbau eines modernen Katastrophenschutzzentrums, neue Planungen für den Zivilschutz sowie eine verbesserte Vorbereitung auf Blackouts und andere Großschadenslagen im Mittelpunkt.

„Die Sensibilität für den Zivil- und Katastrophenschutz ist seit der Ahrtal-Katastrophe deutlich gestiegen. Wir müssen heute wieder Szenarien durchdenken, wie sie zuletzt im Kalten Krieg selbstverständlich waren“, sagte Dickes. Dabei gehe es nicht nur um Naturkatastrophen, sondern auch um Stromausfälle, Hackerangriffe oder die Aufnahme verletzter Menschen aus anderen Regionen.

Landrätin Dickes beim jüngsten Jahrespressegespräch in ihrem Garten.

Im Landkreis wurde deshalb bereits eine eigene Zivilschutzstelle eingerichtet. Grundlage der Planungen ist unter anderem die Annahme, im Ernstfall zusätzlich rund ein Prozent der Kreisbevölkerung aufnehmen und versorgen zu müssen. Dafür werden geeignete Gebäude mit Notstromversorgung identifiziert, Unterbringungsmöglichkeiten vorbereitet sowie Konzepte für Verpflegung, Trinkwasserversorgung und die Betreuung medizinisch versorgungsbedürftiger Menschen entwickelt. Gleichzeitig soll die Kreisverwaltung auch dann arbeitsfähig bleiben, wenn das Verwaltungsgebäude beispielsweise durch einen Cyberangriff oder einen Stromausfall nicht mehr vollständig genutzt werden kann.

Konsequenzen aus dem Rotenfels-Einsatz
Die Erfahrungen aus dem Waldbrand am Rotenfels fließen unmittelbar in die zukünftige Einsatzplanung ein. Dickes betonte, dass der Landkreis erstmals eine Lage der Alarmstufe 4 bewältigt habe. „Es war ein außergewöhnlich großes Einsatzgeschehen, aber keine Katastrophe. Gerade deshalb hat sich gezeigt, wie wichtig die klare Trennung zwischen der Technischen Einsatzleitung vor Ort und dem Verwaltungsstab in der Kreisverwaltung ist“, so Dickes.

Zeitweise waren bis zu 600 Einsatzkräfte gleichzeitig im Einsatz. Unterstützt wurden die örtlichen Kräfte unter anderem vom Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz, dem Landesbrand- und Katastrophenschutzinspekteur sowie weiteren Brand- und Katastrophenschutzinspektoren aus Rheinland-Pfalz.

Die Evakuierung der betroffenen Bereiche sei ausschließlich auf Grundlage fachlicher Bewertungen erfolgt. „Unsere Entscheidungen wurden nicht aus dem Bauch heraus getroffen, sondern basierten auf den Einschätzungen der Experten und unserem Schutzauftrag gegenüber der Bevölkerung“, erklärte Dickes. Grundlage waren unter anderem Berechnungen zu möglichen Splitterflugweiten von bis zu 1.000 Metern sowie Temperaturmessungen im Munitionsgebiet.

Dass es während des Einsatzes auch Fehler gab, verschwieg die Landrätin nicht. So sei es bei der Evakuierung zu einer Verwechslung zwischen dem Birkenhof und dem Buchländerhof gekommen. Dafür habe sich die Kreisverwaltung entschuldigt und eine Kostenerstattung zugesichert.

Neues Katastrophenschutzzentrum geplant
Ein zentrales Zukunftsprojekt ist der Bau eines neuen Katastrophenschutzzentrums. Nach dem geplanten Erwerb eines Grundstücks sollen dort Leichtbauhallen für Einsatzfahrzeuge sowie ein modernes Lage- und Stabszentrum entstehen. Die Hallen sollen teilweise beheizbar sein und deutlich mehr Stellplätze bieten als ursprünglich vorgesehen.

Vor allem die Erfahrungen am Rotenfels hätten gezeigt, dass die vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichen. „Der Sitzungsraum in Rüdesheim war für die Vielzahl der beteiligten Organisationen schlicht zu klein. Daraus haben wir gelernt“, sagte Dickes. Künftig sollen großzügige und technisch vollständig ausgestattete Stabsräume für Feuerwehr, THW, Polizei, Hilfsorganisationen, Landesbehörden und Medien zur Verfügung stehen.

Auch in der Kreisverwaltung wird es Veränderungen geben. Das erste Obergeschoss soll zu einem dauerhaft einsatzfähigen Verwaltungsstab mit Klimatisierung und Notstromversorgung umgebaut werden.

Waldbrandpläne werden überarbeitet
Auch die Einsatzpläne selbst werden angepasst. So wird der Alarm- und Einsatzplan Waldbrand künftig um den Aspekt der Munitionsbelastung erweitert. Während des Rotenfels-Einsatzes habe es zunächst keinerlei Karten über mögliche Munitionsbelastungen gegeben.

„Wir hatten weder im Bauamt noch im Brand- und Katastrophenschutz entsprechende Unterlagen. Diese Karten liegen bei der ADD in Trier und sind Verschlusssache. Sie werden künftig in unsere Planungen einbezogen“, erläuterte Dickes.

Die betroffenen Waldwege und Mountainbike-Trails bleiben zunächst gesperrt. Dabei gehe es weniger um eine akute Gefahr, sondern darum, eigenmächtige Suchen nach Munition oder Blindgängern zu verhindern. Rheinland-Pfalz erarbeite derzeit gemeinsam mit Fachbehörden ein landesweites Vorgehen für vergleichbare Fälle.

Parallel arbeitet der Landkreis an einer umfangreichen Blackout-Studie, die einen viertägigen Stromausfall simuliert. Rund 30 Fachleute beschäftigen sich dabei mit Fragen der Energieversorgung, Wasserversorgung, Landwirtschaft, medizinischen Betreuung und der Aufrechterhaltung kritischer Infrastruktur. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss vorgestellt werden.

Eine besondere Bedeutung misst Dickes weiterhin dem Ehrenamt bei. Feuerwehren, das THW und die Hilfsorganisationen seien das Rückgrat des Katastrophenschutzes. „Wir müssen die Motivation unserer Ehrenamtlichen erhalten. Feuerwehrfeste und gemeinsame Veranstaltungen sind weit mehr als Geselligkeit – sie stärken den Zusammenhalt für den Ernstfall“, betonte sie. Damit machte die Landrätin zugleich deutlich, warum es ihr ein persönliches Anliegen ist, die Feuerwehrveranstaltungen im Landkreis regelmäßig zu besuchen und damit die Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement zum Ausdruck zu bringen.

Mit den zahlreichen Maßnahmen will der Landkreis die Lehren aus dem Rotenfels-Einsatz konsequent umsetzen. Bereits im August soll der Kreisausschuss über den Grundstückskauf für das neue Katastrophenschutzzentrum beraten, im September könnte der Kreistag die endgültige Entscheidung treffen.


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