StartNachrichtenKreis Bad KreuznachLandrätin Dickes: Demografischer Wandel stellt Kreis vor neue Herausforderungen

Landrätin Dickes: Demografischer Wandel stellt Kreis vor neue Herausforderungen

KREIS BAD KREUZNACH. Tourismus, Schulen, Kindertagesstätten, der demografische Wandel und die angespannte Finanzlage der Kommunen standen im Mittelpunkt des Jahrespressegesprächs von Landrätin Bettina Dickes, das in ihrem heimischen Garten in Waldböckelheim stattfand. Dabei machte sie deutlich, dass der Landkreis Bad Kreuznach vor großen Herausforderungen steht, zugleich aber auch zahlreiche Projekte vorantreibt, um die Region zukunftsfähig aufzustellen.

Ein Schwerpunkt ist die seit Jahresbeginn bestehende neue Tourismusdestination, die den Nahe- und Hunsrückraum gemeinsam vermarktet. Hauptgesellschafter sind die Landkreise Bad Kreuznach und Rhein-Hunsrück. Inhaltlich konzentriert sich die Arbeit auf die vier Themen Wandern, Biken, Nationalpark und Genuss. Durch eine stärkere Ausrichtung auf Marketing und digitale Angebote sollen neue Gäste für die Region gewonnen werden.

Hildegard von Bingen soll stärker vermarktet werden
Ein besonderes Augenmerk legt der Landkreis auf das Thema Hildegard von Bingen. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern entstehen neue Angebote rund um die berühmte Mystikerin. Geplant beziehungsweise bereits umgesetzt werden unter anderem neue Pilgerschleifen, ein Kräutergarten, regionale Produkte sowie ein Kinder-Pilgerbuch. Während des geplanten Hildegard-Festivals im August soll erstmals eine geführte Wanderung auf einer neuen Schleife stattfinden.

Darüber hinaus laufen Gespräche mit Playmobil über eine eigene Hildegard-Figur. Langfristig soll die Bundesgartenschau in Bingen dazu beitragen, Besucher auch an die Nahe zu locken.

Zwei eigenständige Realschulen plus
Im Schulbereich hob Dickes die Trennung der bisherigen Realschule plus Waldböckelheim/Wallhausen hervor. Aus einer Schule an zwei Standorten wurden zwei eigenständige Schulen mit jeweils eigener Schulleitung. Dadurch sollen Organisation und Unterricht verbessert werden. Gleichzeitig erinnerte Dickes daran, dass vor mehr als zehn Jahren sogar über eine Schließung des Standorts Waldböckelheim diskutiert wurde.

Ganztagsbetreuung bringt neue Herausforderungen
Mit Beginn des neuen Schuljahres tritt für Erstklässler schrittweise der Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung sowie auf acht Wochen Ferienbetreuung in Kraft. Der Landkreis arbeitet derzeit gemeinsam mit Kommunen und freien Trägern an entsprechenden Angeboten. Ziel ist es, jeweils rund 30 Betreuungsplätze im Westen, Osten und in der Mitte des Kreises bereitzustellen. Besonders schwierig bleibt die Betreuung von schwerst mehrfach beeinträchtigten Kindern, da hierfür zusätzliches Fachpersonal benötigt wird.

Deutlich weniger Geburten verändern die Planung
Großen Raum im Pressegespräch nahm die demografische Entwicklung ein. Während im Jahr 2022 im Landkreis noch rund 1.000 Kinder geboren wurden, rechnet das Kreisjugendamt künftig nur noch mit rund 600 Geburten jährlich. Gemeinsam mit der Stadt Bad Kreuznach sinkt die Zahl der Geburten damit von ehemals rund 1.500 auf künftig etwa 900 Kinder pro Jahr.

Die Folgen sind bereits spürbar. Erste Kindertagesstätten verfügen wieder über freie Plätze. Neubauten werden deshalb teilweise angepasst oder verschoben. So soll beispielsweise die geplante Kita in Waldböckelheim kleiner ausfallen als ursprünglich vorgesehen, während andere Projekte wie in Odernheim oder Stromberg aufgrund baulicher Vorgaben fortgesetzt werden. Gleichzeitig erwartet Dickes eine Entspannung beim Personal, wodurch Notfallpläne künftig seltener notwendig werden könnten.

Appell zur Reform des Kita-Gesetzes
Kritisch äußerte sich die Landrätin zum geltenden Kita-Gesetz. Sozialassistenten verfügen oftmals über langjährige Berufserfahrung, werden gesetzlich jedoch nicht als Fachkräfte anerkannt. Dies führe dazu, dass trotz ausreichend anwesenden Personals vielerorts Notfallpläne greifen müssten. Gemeinsam mit anderen Landkreisen appelliert der Kreis Bad Kreuznach deshalb an das Land Rheinland-Pfalz, das Fachkräftegebot und die gesetzlichen Vorgaben zu überarbeiten.

Finanzlage verschärft sich weiter
Sorge bereitet dem Landkreis weiterhin die finanzielle Entwicklung. Für das laufende Haushaltsjahr wird inzwischen ein Defizit von nahezu 37 Millionen Euro erwartet. Als wesentliche Kostentreiber nannte Dickes die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung sowie steigende Personal- und Sachkosten. Allein bei der Eingliederungshilfe für Erwachsene hätten sich die Ausgaben innerhalb von zehn Jahren nahezu vervierfacht. Gleichzeitig kritisierte sie die immer umfangreicheren Prüfverfahren zwischen Kommunen und Land, die aus ihrer Sicht unnötigen Verwaltungsaufwand verursachen.
Auch beim geplanten Schulbauprojekt „Röka“ kündigte die Landrätin Veränderungen an. Statt eines Architektenwettbewerbs sollen zunächst detaillierte Planungsvarianten für Neubau, Sanierung oder Teilneubau erstellt werden. Dadurch sollen belastbare Kostenvergleiche möglich werden und die Fördervoraussetzungen des Landes erfüllt werden.

Nahe News wird in einem weiteren Bericht ausführlich über den zweiten Themenblock des Jahrespressegesprächs berichten. Im Mittelpunkt stehen dabei der Katastrophenschutz im Landkreis Bad Kreuznach sowie die Erkenntnisse und Konsequenzen aus dem Waldbrand am Rotenfels.


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