KRAKAU/REGION. Nach dem EM-Bronze im Vorjahr feiert das rheinland-pfälzische Kanu-Talent Enrico Dietz aus Langenlonsheim den bislang größten Erfolg seiner Karriere im Kayak Cross. Ein Nervenkrimi im polnischen Krakau bringt dem deutschen Team den ersehnten Titel.
Die Hitze der vergangenen Tage stand förmlich über dem WM-Kanal in Krakau, als die diesjährigen globalen Titelkämpfe im Kanu-Slalom starteten. Doch die extremen Bedingungen hielten die deutschen Athleten nicht von Spitzenleistungen auf. Allen voran überstrahlte ein historischer Erfolg den Auftakt: Enrico Dietz sicherte sich in einem dramatischen Rennen den Weltmeistertitel bei den U23-Herren im Kayak Cross Individual Time Trail. Seit langem ist es die erste Goldmedaille in dieser Kategorie für den Deutschen Kanu-Verband (DKV).
28-mal Zittern in der Champions-Area
Der Weg zu Gold glich einem sportlichen Krimi. Dietz ging mit der Startnummer 29 verhältnismäßig früh in die Fluten des Slalomkurses und brannte eine Fabelzeit von 53,56 Sekunden in das Wildwasser. Danach begann das große Warten. Rund eine halbe Stunde musste der junge Kanute in der sogenannten „Champions-Area“ verharren und zusehen, wie sich die nachfolgenden 28 Starter reihenweise an seiner Bestzeit die Zähne ausbissen.

Erst als der letzte Fahrer, Matyáš Novak aus Tschechien, die Ziellinie überquerte und den hauchdünnen Rückstand von nur 0,03 Sekunden anzeigte, brach der Jubel aus. Platz drei ging an den Spanier Manel Contreras. Nach dem erlösenden Moment lag Dietz überglücklich und mit Tränen in den Augen seiner Freundin in den Armen. „Ich bin total überrascht und kann es gar nicht richtig fassen. Mein Lauf war ziemlich perfekt“, zeigte sich der frischgebackene Weltmeister im unmittelbaren Interview mit der International Canoe Federation sichtlich bewegt.
Perfektes Team-Ergebnis im Schatten des Titels
Der Coup von Dietz bildete die Speerspitze eines rundum gelungenen deutschen Auftakts. Ohne Ausnahme qualifizierten sich alle zwölf angetretenen DKV-Athleten für die kommenden Ausscheidungsrennen. Fünf Platzierungen landeten dabei direkt im einstelligen Bereich. Bei den U23-Frauen schrammte Paulina Pirro mit Platz vier nur hauchdünn am Podest vorbei, gefolgt von Mina Blume auf Rang fünf. Bei den Junioren fuhren Kilian Kaeding (Platz 5) und Neele Krech (Platz 6) ebenfalls starke Top-10-Ergebnisse ein.
Die Taktik für die beinharten Kopf-an-Kopf-Rennen
Direkt nach der Siegerehrung und dem Abendessen reiste die Cross-Delegation vorübergehend von Krakau nach Leipzig, um sich gezielt auf die bevorstehenden K.-o.-Runden vorzubereiten. Am kommenden Samstag kehrt das Team zurück, denn am Sonntag, den 5. Juli, geht es in die heiße Phase. Ab 11:09 Uhr startet Dietz im allerersten Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem vier Boote gleichzeitig von der Rampe in den Parcours gelassen werden.
In diesen Läufen geht es erfahrungsgemäß beinhart zur Sache, da Rempeleien um die Ideallinie an der Tagesordnung sind. Für das Leichtgewicht Dietz, der mit seinen 62 Kilogramm wenig Masse entgegenzusetzen hat, wird es eine taktische Meisterleistung erfordern. Er muss auf seine Schnelligkeit beim Start, an den Toren und bei der Eskimorolle setzen, um sich direkt an die Spitze zu setzen und dem dichten Gedränge im Wasser zu entkommen. Über Viertel-, Halb- und Finale wird dann der endgültige Champion der Heats ermittelt – eine zweite große Medaillen-Chance für den neuen Weltmeister.
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