StartGoldiges NahelandNaturnahe Gärten für den Igel

Naturnahe Gärten für den Igel

Lebensraum für den stacheligen Sympathieträger schaffen
REGION.
Zwischen 5000 und 7000 Stacheln trägt der heimische Braunbrustigel im Schnitt auf seinem Rücken. Leider steht der stachelige Sympathieträger inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Die Gründe hierfür sind vielfältig. „Bedroht sind Igel nicht nur durch den Verlust ihrer Lebensräume, den Straßenverkehr und den Einsatz von Insektiziden. In Wohngebieten fallen sie häufig Mährobotern zum Opfer, die in der Dämmerung oder Nacht fahren“, sagt Carolin Wazinski, Mitarbeiterin der NABU-Regionalstelle RLP-Mitte. Fühlen sich Igel durch Mähroboter bedroht, laufen sie nicht etwa weg sondern rollen sie sich zusammen und werden oftmals schwer verletzt. Im Spätsommer können hilflose Jungigel auch mal tagsüber über die Wiese irren. Auch Reptilien oder Amphibien sind auf Wiesen unterwegs und werden von Mährobotern tödlich verletzt. „Wenn Sie auf den Mähroboter nicht verzichten möchten, lassen Sie diesen bitte nur tagsüber unter Aufsicht laufen“, appelliert Carolin Wazinski. Auch ist es sinnvoll, nicht die gesamte Fläche auf einmal zu mähen sondern in mehreren Abschnitten, so dass immer an einer Stelle Blütenpflanzen stehen bleiben. Sogar der Rasen profitiert von seltenerem Mähen: das höhere Gras hält Feuchtigkeit im Boden und ist widerstandsfähiger gegen Trockenheit und Hitze.

Foto: KI

Keine Vielfalt ohne Nahrung
Damit Wildtiere wie der Igel genug Nahrung finden, sollten im Garten möglichst viele heimische Wildpflanzen wachsen. Denn Wildtiere und Wildpflanzen haben sich in der Evolution gemeinsam entwickelt und sind perfekt aufeinander abgestimmt. Exotische Pflanzen und züchterisch stark veränderte Sorten dagegen bieten unseren Schmetterlingen, Vögeln und Wildbienen meist keine Nahrung. Igel benötigen Gärten, in denen ihre Nahrung in Fülle vorhanden ist. Insekten wie Käfer und Larven schmecken ihnen genauso gut wie Spinnen oder Regenwürmer. Braunbrustigel sind Einzelgänger und suchen ihre Nahrung in der Dämmerung und nachts.

Ein naturnah angelegter Garten kann helfen, nicht nur unsere Igel sondern die biologische Vielfalt insgesamt zu bewahren. Denn viele Tiere und Pflanzen finden in unserer intensiv genutzten Landschaft kaum mehr Lebensräume und sind auf Gärten angewiesen. Dabei hilft bereits eine Naturecke: auf einer kleinen Fläche einfach alles wachsen lassen, was sich von allein ansiedelt. Auch altes Holz und Steine dürfen liegenbleiben. Diese Fläche wird nur von sich stark ausbreitenden, nicht heimischen Pflanzenarten frei gehalten. „Davon profitieren nicht nur die Insekten, auch wir Menschen haben etwas davon. Die kleinen Nützlinge helfen uns bei der Bekämpfung von unerwünschten Gartentierchen und halten unsere Pflanzen im Garten gesund“, ergänzt Carolin Wazinski.

Damit sich ein Igel in Ihrem Garten wohlfühlt, braucht er über ein vielfältiges Nahrungsangebot hinaus mehrere schattige Verstecke zum Ausruhen und Schlafen, beispielsweise unter Hecken. Weil Igel große Reviere haben, die sich über mehrere Gärten erstrecken, muss der Garten unbegrenzt zugängig sein. Und über eine saubere Wasserstelle freuen sich alle anderen Gartenbewohner ebenfalls. Wenn Sie Fragen zum naturnahen Garten haben, dürfen Sie sich gerne mit der NABU-Regionalstelle RLP-Mitte in Verbindung setzen: www.NABU-RLP-Mitte.de

Infokasten: Igel gesehen? Mitmachen!
Melden Sie Ihre Beobachtung noch bis 24. Mai mit Foto bei der Aktion „Deutschland sucht Igel und Maulwurf“. Das geht ganz einfach auf www.igelsuche.de. Das gemeinsame Projekt von NABU|naturgucker, NABU Bundesverband, LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern), Deutscher Wildtier Stiftung, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung und Deutscher Gartenbau-Gesellschaft 1822 hat zum Ziel, ein langfristiges Monitoring zu Verbreitung und Vorkommen von Igel und Maulwurf in Deutschland zu etablieren. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse erlauben zukünftig eine Bewertung der Bestandssituation von Igel und Maulwurf. Darauf aufbauend können gezielte Artenschutzmaßnahmen initiiert werden. Vor allem in Bezug auf den Igel ist es wichtig, möglichst viel über seinen aktuellen Status zu erfahren, denn dieser steht inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Deswegen geben auch Igelbeobachtungen, die außerhalb der Monitoringzeiträume liegen, wichtige Hinweise und können jederzeit gemeldet werden.


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