HERRSTEIN/KREIS BIRKENFELD. Zum vierten Ordensträger-Treffen für den Nationalparklandkreis Birkenfeld begrüßte Organisator Emil Morsch zehn Inhaber des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Landrat Miroslaw Kowalski in Herrstein. „Damit uns der Stoff nicht ausgeht“, hatte Wolfgang Hey angeboten, die Gruppe einmal durch den mittelalterlichen Ortskern zu führen.
Obwohl zwischen dem Beginn der ersten und dem Abschluss der zweiten Restaurierungswelle gut ein halbes Jahrhundert lag, war der ehemalige Landrat immer die treibende Kraft. Anhand einiger markanter Beispiele erläuterte er, dass die Fassaden fast aller Fachwerkhäuser in Herrstein „mit Eternit oder sonstigen Errungenschaften unserer Bauindustrie verkleidet“ und die Holzkonstruktionen dadurch vollständig verdeckt waren. Totales Unverständnis und rigorose Ablehnung waren die Reaktionen, als er ab 1968 für eine Wiederherstellung der ursprünglichen Bausubstanz warb, erinnerte sich der damalige Bauabteilungsleiter und spätere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Herrstein. Dass es nach und nach gelang, die Eigentümer der 45 Wohn- und 19 Nebengebäude zu überzeugen, hing auch mit einer Wirtschaftskrise zusammen: Von 1974 an nahm das Projekt dank der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) Fahrt auf, weil der Bund 90 Prozent der Lohn- und damit den größten Teil der Gesamtkosten von rund 4,5 Millionen Mark trug. Auf den drei öffentlichen Plätzen und in den Gassen wich der Asphalt wieder Pflastersteinen.
Erst als viele überregionale Medien über das einzigartige bauliche Ensemble berichteten, wandelte sich die Stimmung vor Ort allmählich. Herrstein entwickelte sich zum Touristenmagneten. Doch als der schleichende Verfall einsetzte, „hat sich niemand mehr darum gekümmert“, bedauerte Hey. Hohes Alter und geringe Einkünfte trugen dazu bei, dass die Bewohner der 42 sanierungsbedürftigen Anwesen überwiegend allenfalls die notwendigsten Reparaturen ausführten.
Selbst auch schon im 80. Lebensjahr angelangt, gründete der Altlandrat mit Mitstreitern wie dem schon vorher mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichneten Ulrich Florin 2019 den Förderverein Historischer Ortskern Herrstein, der mit der Gemeinde dafür sorgte, dass die Privatleute insgesamt gerade einmal 160.000 der verausgabten 1,2 Millionen Euro beisteuern mussten.
Während des Rundgangs klingelten die Veteranen bei der 1988 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrten Ruth Berend, die auch dem gemütlichen Beisammensein in der Scheune am Hankelbrunnen beiwohnte. Bei Kaffee und Kuchen tauschten sich die Teilnehmer aus und vereinbarten, sich bald wieder zu treffen. Dann ist die Stefan-Morsch-Stiftung anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens der Gastgeber. Bevor die Runde auseinanderging, lobte Landrat Kowalski die Initiative von Emil Morsch, der seit Ende 2022 vier Zusammenkünfte dieser Art arrangierte. Zudem sei er glücklich, dass Hey auch das oldenburgische Schloss in Birkenfeld denkmalpflegerisch restaurieren ließ und er in diesem wunderbaren Ambiente arbeiten und Gäste empfangen dürfe.
Aktuelle Stellenangebote finden Sie auf unserer Seite “Stellenangebote” bei Nahe-News – KLICK MICH!









