KREIS BAD KREUZNACH. Omas for Future Bad Kreuznach und Nahe‑Glan überbrachten Julia Klöckner auf dem Kornmarkt über 1.000 Unterschriften zum offenen Brief, den sie bereits im August vergangenen Jahres an die Bundestagsabgeordnete gerichtet hatten. Darin baten sie Frau Klöckner gegen den von Ministerin Reiche geplanten Zubau von 20 GW Gaskraftwerkskapazität zu intervenieren. Ein erbetener separater Termin zur Übergabe konnte der Gruppe nicht angeboten werden. So nutzte man die Bürgersprechstunde für die Übergabe.
Als Frau Klöckner mit leichter Verspätung an ihrem aufgebauten Schirm mit Stehtisch eintraf, erwarteten sie bereits 14 Seniorinnen und Senioren mit „Omaherzen“ und Plakaten. Darauf standen Botschaften wie „Sei kein Fossil, die Zukunft ist erneuerbar“, „Tritt das Erdgas in die Tonne – die Lösung bieten Wind und Sonne“ oder „Ohne Gas und Atom mit Speicher, Wind- und Sonnenstrom“.
Über 1.000 Unterstützer-Unterschriften sammelte die Gruppe während verschiedener Aktionen im letzten Herbst. Das Versprechen, sie Frau Klöckner persönlich zu überreichen konnte nun schließlich eingelöst werden. Auch, wenn es Frau Klöckner zunächst ablehnte, die Unterschriften anzunehmen und sie als Bundestagspräsidentin die Gruppe mit Ihrem Anliegen an den Petitionsausschuss des Bundestages verwies, so lenkte Sie schließlich ein und nahm die Unterschriften-Listen entgegen.
Richtete sich der Brief vom August 2025 hauptsächlich gegen den Bau neuer Gaskraftwerke, so hatten letzte Veröffentlichungen über Ministerin Reiches Pläne über Änderungen im Gebäude-Energiegesetz, sowie im Erneuerbare-Energien-Gesetz den umweltaktiven Seniorinnen und Senioren neue Gründe für ihren Protest geliefert. „Gerade die jetzige Situation mit den explodierenden Energiepreisen zeigt doch einmal mehr, wie dringlich es ist, konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen und die Abhängigkeit von Gas und Öl so schnell wie möglich zu beenden“, erklärte Hans‑Peter Müller. Doch Frau Reiches geplanten Änderungen im GEG und EEG bewirkten genau das Gegenteil: Der Wegfall der Einspeisevergütung für Dachsolaranlagen mache den weiteren Ausbau auf Dächern unwirtschaftlich. Die erneute Erlaubnis, Öl- und Gasheizungen einzubauen, könne Vermieter dazu verleiten, statt Wärmepumpen noch einmal billige Gasheizungen zu installieren – und am Ende zahlten die Mieterinnen und Mieter mit den steigenden Gaspreisen die Zeche. Diese Politik sei verantwortungslos und unehrlich. Sie nutze weder der Wirtschaft noch den Verbrauchern und schon gar nicht dem Klimaschutz, der ein Menschenrecht ist und ständig gerichtlich eingeklagt werden müsse, monieren die Klimaschützer.
„Wir organisieren Solarpartys und neuerdings auch Wärmepumpen‑Partys, um die Menschen von den Vorteilen fürs Klima und ihren Geldbeutel zu überzeugen – und Frau Reiche fällt uns in den Rücken“, ergänzte Müller.
Ob die Energiewende und Klimaschutz allgemein im Vorfeld der Landtagswahl am 22. März noch stärker in den Fokus rücken, bleibt abzuwarten. Die gestiegenen Spritpreise könnten den Absatz der E-Autos beflügeln. Solange Gas im Strommix jedoch weiterhin eine bedeutende Rolle spielt, ist auch mit steigenden Strompreisen zu rechnen. Für die Omas for Future bleibt daher ihre zentrale Forderung bestehen: „Ohne Gas und Atom – mit Speicher, Wind- und Sonnenstrom“. Gerade ein Flächenland wie Rheinland-Pfalz könnte vom weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien enorm profitieren, versichern die Senioren.
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