BAD KREUZNACH / HACKENHEIM. Neben der Gardinenpredigt der Patrona Crucenia, Christina Grom, gehört auch das Singspiel der Fidelen Wespe zum festen Bestandteil des Bad Kreuznacher Nockherbersch. Das Stück wurde bereits während der Fastnachtssitzungen der Fidelen Wespen aufgeführt, für den Nockherbersch jedoch noch einmal überarbeitet und mit aktuellen Themen aus der Stadtpolitik ergänzt.
Mit viel Musik und bissiger Satire nahm das Ensemble in diesem Jahr erneut die lokale Politik aufs Korn. Unter dem Titel „Der letzte Tanz des Graf Letzula“ wurde Bad Kreuznach als düstere Vampirstadt „Cruzenilvanien“ inszeniert, in der der blasse Graf Letzula und seine untoten Gefährten über eine marode Stadt herrschen. Für großes Gelächter im Saal sorgte Oberbürgermeister Emanuel Letz selbst, der als Dracula das Singspiel ankündigte. Im Anschluss wurde er von Thomas Modes als Graf Letzula parodiert. Den künftigen Beigeordneten Mirko Helmut Kohl stellte Mirco Winkler humorvoll als „Rosenkohl“ dar.
Die Handlung begann mit einem grotesken Ball der Vampire. Doch die Feier wurde plötzlich gestört: Professor Van Helsing (Fabian Hartung) von der Aufsichtsbehörde ADD erschien, um zu prüfen, ob in der Stadt tatsächlich „Untote“ ihr Unwesen treiben.

Auch der Stadtvorstand bekam dabei sein Fett weg: Neben Thomas Modes als Graf Letzula stand Martin Spira als „Graf von Blech“ – eine Anspielung auf Bürgermeister Thomas Blechschmidt, auf der Bühne. Christian Hasselwander verkörperte den kopflosen Reiter „Raubritter Schlosser von Sickingen“ (Markus Schlosser). Für viele Lacher sorgte zudem Cedric Senske als „Anheusi“, der bucklige Diener des Grafen Letzula.
Im Laufe seiner Untersuchung begegnete Professor Van Helsing zahlreichen skurrilen Figuren: vom „Werner Werwolf“ (Werner Lorenz, gespielt von Dr. Gerd Modes) über die Schwarze Gräfin Bettonica Dicovabis (Landrätin Bettina Dickes parodiert von Jens Wichmann) hin zu weiteren überspitzten Darstellungen lokaler Akteure. Immer wieder griff das Singspiel aktuelle Themen der Stadt auf, darunter die angespannte Haushaltslage, Infrastrukturprobleme, Bauprojekte, Personalmangel in der Verwaltung und politische Streitigkeiten.

In mehreren musikalischen Einlagen kommentierten die Figuren das Geschehen mit bekannten Melodien und neuen Texten. Besonders bissig gerieten Szenen über Haushaltslöcher, Bauprojekte wie Hotels oder Thermen sowie Gebühren, Parktickets und die Stadtentwicklung. Auch parteipolitische Rivalitäten und populistische Töne wurden humorvoll überspitzt dargestellt.
Am Ende musste der Prüfer jedoch feststellen, dass er den angeblichen Vampiren nichts nachweisen kann. Stattdessen richtete er einen versöhnlichen Appell an Politik und Bürgerschaft: Bad Kreuznach sei eigentlich eine schöne Stadt, man müsse nur aufhören zu streiten und gemeinsam an ihrer Zukunft arbeiten. Das Ensemble beendete das Singspiel schließlich mit dem Lied „De letschde Bus, den ich mol nemm, der geht noch Kreiznach der geht heem, einem musikalischen Bekenntnis zur Heimatstadt.
Mit viel Lokalkolorit, Wortwitz und bekannten Melodien gelang der Fidelen Wespe damit erneut eine pointierte und unterhaltsame Abrechnung mit der Kommunalpolitik – ganz in der Tradition des Bad Kreuznacher Nockherbersch.
Fotoalbum vom Singspiel

































