BAD KREUZNACH. Beim Freundeskreis „Kreiznacher Johrmarkt“ hat es einen Wechsel an der Vereinsspitze gegeben. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung am Montag stellte der langjährige Vorsitzende Dieter Gronbach sein Amt aus familiären Gründen zur Verfügung. Zu seinem Nachfolger wählten die Mitglieder einstimmig den früheren Oberbürgermeister Andreas Ludwig.
Gronbach hatte den Verein seit seiner Gründung im Jahr 2010 als erster Vorsitzender geführt. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der aktuelle Vorstand bis zum Ende der regulären Wahlperiode im Dezember im Amt bleibt. Gronbach hatte allerdings bereits angekündigt, aus Altersgründen nicht erneut kandidieren zu wollen; im Juni wird er 80 Jahre alt. Der Rücktritt erfolgte nun früher als geplant. Hintergrund ist die gesundheitliche Situation in seiner Familie. Seine Ehefrau leidet an einer Autoimmunerkrankung sowie an Long-Covid, weshalb Gronbach seine Zeit künftig stärker der Familie widmen muss. „Ich muss jetzt leider einen Schlussstrich ziehen. Wer mich kennt, weiß, dass ich normalerweise in einem laufenden Prozess nicht aussteige. Aber leider sind die Termine für mich nicht mehr planbar“, erklärte Gronbach vor den Mitgliedern.
Zugleich betonte er, dem Thema Jahrmarkt weiterhin verbunden zu bleiben. In seiner Rede dankte er den Vorstandsmitgliedern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie den Vereinsmitgliedern für ihre langjährige Treue und ihr Engagement. Auch externen Partnern, darunter anderen Vereinen, Sponsoren, Künstlern, der Jahrmarktsverwaltung und dem Stadtarchiv, sprach er seinen Dank aus. Gleichzeitig stellte er fest, den Freundeskreis in einer stabilen Situation zu verlassen. Der Verein habe sich im Kreis der Kreuznacher Vereine einen guten Ruf erarbeitet.
Als Nachfolger schlug der Vorstand den früheren Oberbürgermeister Andreas Ludwig vor. Ludwig habe eine enge Verbindung zu Bad Kreuznach und zum Jahrmarkt und habe sich bereits beim Jahrmarktsjubiläum im Jahr 2010 engagiert. Nach Angaben des Vorstands unterstützt er den bisherigen Kurs des Vereins und soll nun den Übergang sowie die künftige Arbeit des Freundeskreises gestalten. In seiner Vorstellung vor der Wahl dankte Ludwig zunächst seinem Vorgänger für dessen langjährige Arbeit. Gronbach habe den Verein über 16 Jahre geprägt und mit großem Engagement geführt. Als sichtbares Zeichen dieser Arbeit bleibe unter anderem der Jahrmarktskalender bestehen.
Die Entscheidung, den Vorsitz zu übernehmen, sei ihm nicht leichtgefallen, erklärte Ludwig. Er ist bereits Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bad Kreuznach. Angesichts des vergleichsweise kleinen Vereins und aus Respekt vor der Leistung von Gronbach habe er sich dennoch bereit erklärt, Verantwortung zu übernehmen. Zugleich betonte Ludwig die besondere Bedeutung des Kreuznacher Jahrmarkts für die Stadt. Das Volksfest sei weit mehr als nur ein Fest, sondern ein Stück gelebter Kreuznacher Identität. Seine persönliche Verbindung reiche bis in die Kindheit zurück. Bereits seit den 1960er-Jahren sei seine Familie aus Idar-Oberstein regelmäßig zum Jahrmarkt gefahren. Nach seinem Umzug nach Bad Kreuznach im Jahr 1995 habe er diese Tradition fortgeführt. Viele seiner schönsten Erinnerungen aus seiner Zeit in der kommunalpolitischen Verantwortung verbinde er ebenfalls mit dem Jahrmarkt.

Für seine Arbeit als Vorsitzender kündigte Ludwig an, zunächst auf Kontinuität zu setzen und sich bis zum Herbst intensiv einzuarbeiten. Bewährte Formate wie die Ausflüge des Freundeskreises und der Jahrmarktskalender sollen fortgeführt werden. Gleichzeitig wolle man daran arbeiten, den Kreuznacher Jahrmarkt noch bekannter zu machen und seine Entwicklung langfristig zu begleiten. Ein besonderer Blick gelte dabei bereits dem großen Jubiläum im Jahr 2030, wenn der Jahrmarkt in sein drittes Jahrhundert geht.
Der Beigeordnete der Stadt, Markus Schlosser, dankte Gronbach für die Zusammenarbeit in den vergangenen acht Jahren. „Du hast dein Fachwissen eingebracht und den Jahrmarkt historisch aufgearbeitet“, sagte Schlosser. Auch Vorstandsmitglied Mirko Helmut Kohl würdigte Gronbach als wichtigen Ratgeber mit großer Erfahrung.
Für sein 16-jähriges Engagement schlug der Vorstand vor, Dieter Gronbach zum ersten Ehrenvorsitzenden des Vereins zu ernennen. Die Mitglieder nahmen den Vorschlag einstimmig an. Als Dankeschön überreichte Mirko Helmut Kohl dem langjährigen Vorsitzenden einen beleuchteten Glasquader mit 3D-Gravur. Darauf ist der bekannte Wellenflug vom Kreuznacher Jahrmarkt zu sehen.

Zuvor hatte Gronbach auf das vergangene Vereinsjahr zurückgeblickt. Der Freundeskreis zählt derzeit 73 Mitglieder. Zu den Aktivitäten gehörte unter anderem ein Besuch beim Bad Dürkheimer Wurstmarkt mit einer speziellen Führung durch den ehemaligen Marktmeister. Auch das traditionelle Spansauessen am Jahrmarktsdonnerstag war erneut gut besucht. Allerdings werde es zunehmend schwieriger, diese Veranstaltung zu organisieren, berichtete Gronbach. Da am Jahrmarktsdonnerstag die komplette Bewirtschaftung geschlossen sei, müsse jedes Jahr ein gastronomischer Betrieb gefunden werden, der eine Selbstbewirtschaftung ermöglicht.
Für die kommende Zeit plant der Freundeskreis zudem eine stärkere inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung. Trotz des Wechsels an der Vereinsspitze sollen Vorstand und Struktur zunächst bis zum Ende der aktuellen Wahlperiode 2026 unverändert bleiben. Der personelle Wechsel biete jedoch die Gelegenheit, die strategische Ausrichtung des Vereins zu überprüfen. Seit seiner Gründung im Jahr 2010 verfolgt der Freundeskreis zwei zentrale Ziele: die Pflege des Brauchtums rund um den Kreuznacher Jahrmarkt sowie die Stärkung von Bekanntheit und Akzeptanz des traditionsreichen Volksfestes.
In den vergangenen Jahren wurden dazu zahlreiche Projekte umgesetzt, darunter Veröffentlichungen zur Jahrmarktsgeschichte, Jahrmarktskalender, kulturelle Aktionen sowie eigene Beiträge zu Veranstaltungen rund um das Fest. Künftig will der Verein verstärkt neue Zielgruppen ansprechen und moderne Kommunikationswege nutzen. Geplant ist unter anderem eine neue Internetseite mit aktuellen Beiträgen sowie einem digitalen Archiv der bisherigen Arbeiten, das von Jürgen Blätz erstellt wird. Ergänzend sollen Inhalte rund um den Jahrmarkt künftig stärker über soziale Medien verbreitet werden. Die Homepage soll dabei als Bindeglied zwischen dem Freundeskreis, seinen Mitgliedern und allen Jahrmarktsfans dienen.
Darüber hinaus möchte der Freundeskreis junge Menschen stärker einbinden. Jugendliche und Schulen sollen künftig verstärkt an Programmpunkten beteiligt werden und Raum für eigene Ideen erhalten. Auch organisatorisch sind neue Formen der Zusammenarbeit denkbar. So könnten Unterstützer künftig auch ohne formale Mitgliedschaft eingebunden werden. Zudem ist die Einrichtung von Arbeitskreisen zu einzelnen Themen geplant. Bereits jetzt haben Michael Pohl und Andreas Schnorrenberger ihre Unterstützung bei Veranstaltungen sowie im Medienbereich zugesagt.
Mit Blick auf die Zukunft des Volksfestes strebt der Freundeskreis außerdem eine enge Zusammenarbeit mit der Jahrmarktsverwaltung an, die ab Mai 2026 neu organisiert wird. Mirko Helmut Kohl wird dann das Amt des städtischen Beigeordneten und die Funktion des „Jahrmarktsbürgermeisters“ von Markus Schlosser übernehmen. Ein besonderer Schwerpunkt der Vereinsarbeit dürfte in den kommenden Jahren die Vorbereitung des 200. Kreuznacher Jahrmarkts im Jahr 2030 sein. Der Freundeskreis will hierfür eigene Ideen und Projekte entwickeln und sich auch finanziell beteiligen. Grundsätzlich wolle man Tradition und Brauchtum bewahren, gleichzeitig aber neue Impulse setzen, um den Kreuznacher Jahrmarkt auch künftig als eines der wichtigsten Feste der Region zu stärken.





