HACKENHEIM / BAD KREUZNACH. Der Bad Kreuznacher Nockherbersch hat sich längst zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender der Stadt entwickelt, ähnlich wie Fastnacht oder Jahrmarkt. Am Sonntag, 8. März, fand im Bonnheimer Hof bereits die 19. Auflage der Veranstaltung des Karnevalvereins „Fidele Wespe“ statt. Rund 400 Gäste erlebten einen Vormittag mit Starkbier, Humor und politischer Satire.
Die Veranstaltung gilt als exklusiv: Karten gibt es nicht im freien Vorverkauf. Stattdessen wählt der Verein seine Gäste persönlich aus. Nicht ohne Grund heißt es in der Stadt immer wieder: Beim Nockherbersch trifft sich das „Who is Who“.

Neben Unterhaltung und politischem Spott steht auch der gute Zweck im Mittelpunkt. Während der Veranstaltung wurden erneut Spenden gesammelt, die der „Ossig-Stiftung“ zugutekommen. Die Stiftung finanziert wichtige Anschaffungen für die Kinderklinik der Kreuznacher Diakonie. Seit der ersten Veranstaltung haben die fast 7.000 Besucherinnen und Besucher insgesamt mehr als 400.000 Euro gespendet.

Sitzungspräsident Thomas Modes bezeichnete den Nockherbersch in seiner Begrüßung als „exklusive, handverlesene Veranstaltung mit Humor, Tradition, Starkbier und dem Singspiel der Wespengarde“. „Es gibt hier starkes Bier und noch stärkere Vorträge. Wir nehmen hier kein Blatt vor den Mund – höchstens ein Maß Bier. Jeder bekommt hier, was er verdient hat“, sagte Thomas Modes.
Eine Veränderung gab es in diesem Jahr bei der traditionellen Gardinenpredigt. Jochen Merz, der zehn Jahre lang als „Lehrer Nell“ auf der Bühne stand, hatte im vergangenen Jahr seinen Rückzug angekündigt. Als Nachfolgerin präsentierten die „Wespen“ Christina Grom vom Gonsenheimer Carneval-Verein „Schnorreswackler“. Grom wurde bundesweit bekannt, als sie bei der Fernsehfastnacht „Mainz bleibt Mainz“ erstmals als Protokollerin in der Bütt stand.
Für seine Verdienste wurde Jochen Merz zum Ehrensenator der Fidelen Wespe ernannt. Modes würdigte insbesondere dessen Stil auf der Bühne: „Du bist nie unter die Gürtellinie gegangen. Es kommt darauf an, wo die Gürtellinie ist.“

Traditionell wurde anschließend das Starkbierfass angestochen. Oberbürgermeister Emanuel Letz benötigte dafür lediglich nur drei Schläge.
Im Anschluss hielt Christina Grom als „Patrona Cruceniae“ ihre erste Gardinenpredigt in Bad Kreuznach. Mit satirischen Reimen und deutlichen politischen Spitzen nahm sie sowohl lokale Themen als auch Bundes- und Weltpolitik aufs Korn.
Ein Schwerpunkt ihrer Rede lag auf der Situation in den Kreuznacher Vororten. Dabei kritisierte sie zusätzliche finanzielle Belastungen für einzelne Stadtteile. „Die Gässje sind nicht zu beneiden, müssen sie doch unter ihren Nachbarn leiden“, erklärte sie mit Blick auf Bad Münster am Stein/Ebernburg.
Auch die Bundespolitik wurde mehrfach Thema. Grom zog unter anderem einen humorvollen Vergleich zwischen der Papstwahl im Vatikan und politischen Wahlverfahren in Berlin. Während dort erst nach vier Wahlgängen weißer Rauch aufstieg, sei die Kanzlerwahl bereits nach zwei Wahlgängen entschieden gewesen.

Deutlich kritischer wurde der Ton bei der Corona-Politik. Besonders die Maskenbeschaffung unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn griff sie auf. „Jens Spahn leidet unter Spahn-Vorstellungen“, kommentierte Grom und spielte damit satirisch auf Kosten und Umfang der Beschaffung an.
Auch sozialpolitische Debatten fanden ihren Platz. Die Diskussion um Bürgergeld und Grundsicherung griff sie ebenso auf wie ironische Überlegungen zu möglichen Losverfahren bei der Einberufung zur Bundeswehr. „Die Namen sollten nach der Ziehung der Lottozahlen genannt werden, dann aber mit Gewehr“, scherzte sie.
Ein weiterer Teil der Rede widmete sie dem Kreuznacher Stadtrat. Hintergrund waren der Wechsel einiger Stadtratsmitglieder in andere Parteien. Hierfür präsentierte sie mit dem Song von Hannes Wader, und dem Lied „Heute hier morgen dort, bin kaum da muss ich fort“ die neue Bad Kreuznacher Stadtratshymne.
Beeindruckt zeigte sich Grom von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die im Parlament „mit einem Pfiff alle im Griff“ habe.
Für besonders viel Gelächter sorgte eine biblische Anspielung auf den Vornamen von Oberbürgermeister Emanuel Letz. Der Name „Emanuel“ bedeute übersetzt „der Gottgesandte“. „Das hatte der Beigeordnete Markus Schlosser sicherlich nicht gewusst, sonst hätte er ihm die Füße geküsst“, witzelte Grom.
Trotz aller politischen Spitzen endete die Gardinenpredigt versöhnlich. Grom warb für Respekt im Umgang miteinander und für Zusammenhalt trotz unterschiedlicher Meinungen.
Das Publikum zeigte sich begeistert und verabschiedete die neue „Patrona Cruceniae“ mit stehenden Ovationen.
Für die musikalische Einstimmung sorgte zu Beginn wieder der Carneval und Musikverein Neu-Bamberg (CMV). Seit 2012 eröffnen die Musikerinnen und Musiker ehrenamtlich und ohne Gage den Nockherbersch.
Einen ausführlichen Bericht über das Singspiel lesen Sie am Dienstag bei www.nahe-news.de
Fotoalbum zum Nockherbersch




























