StartNachrichtenKreis Bad KreuznachStillstand statt Highspeed: Das Glasfaser-Dilemma mit UGG in Oberhausen an der Nahe

Stillstand statt Highspeed: Das Glasfaser-Dilemma mit UGG in Oberhausen an der Nahe

OBERHAUSEN AN DER NAHE. Eigentlich sollte die digitale Zukunft in Oberhausen längst Realität sein. Seit mehr als zwei Jahren hält das Unternehmen „Unsere Grüne Glasfaser“ (UGG) den Auftrag für den flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes in der Gemeinde. Doch während die Technologie Datenübertragung mit Lichtgeschwindigkeit verspricht, erleben viele Bürger derzeit vor allem eines: Stillstand.

Die Infrastruktur ist vielerorts bereits sichtbar vorhanden, doch für zahlreiche Haushalte bleibt der Anschluss bislang ungenutzt. Das Ergebnis ist ein zunehmend frustrierendes Bild: Technik ist installiert, aber das Netz bleibt für viele Bürger eine tote Leitung.
Besonders deutlich wird das Problem innerhalb einzelner Straßenzüge. Dort zeigt sich eine Situation, die bei Anwohnern für Unverständnis sorgt. Während ein Haus bereits seit einiger Zeit mit Glasfaser surft, wartet der Nachbar nur wenige Türen weiter noch immer auf die Freischaltung. Oft fehlt lediglich eine kleine schwarze Anschlussbox, um den Prozess abzuschließen.
Noch schwieriger ist die Lage für jene Anwohner, bei denen das Glasfaserkabel zwar bis zum Gebäude verlegt wurde, dort aber seit Monaten ungenutzt endet, im Erdreich oder an der Hauswand. Der entscheidende Schritt, der Anschluss ins Gebäude, steht weiterhin aus. Diese großen Unterschiede bei der Fertigstellung innerhalb derselben Straße sorgen bei vielen Bürgern für den Eindruck mangelnder Koordination.

Wenn die „Winterpause“ zur Dauerbaustelle wird
Seit fast drei Monaten sind in Oberhausen kaum noch Bautrupps zu sehen. Gegenüber Bürgern wird dies häufig mit einer „Winterpause“ erklärt. Angesichts der vergleichsweise milden Witterung im Februar 2026 stößt diese Begründung jedoch bei vielen Anwohnern auf Skepsis.
In zahlreichen Straßenzügen ist die notwendige Technik bereits teilweise installiert. Der entscheidende Schritt zur Aktivierung der Anschlüsse bleibt jedoch aus. Was als Schritt in die digitale Zukunft geplant war, wirkt für manche Bürger inzwischen wie eine Warteschleife ohne klaren Zeitplan.
Bei Nachfragen an der Hotline von UGG wird Bürgern häufig mitgeteilt, ihr Anschluss befinde sich noch in der „Bauphase“ – selbst dann, wenn direkte Nachbarn bereits seit Wochen freigeschaltet sind.

UGG verweist auf Bauphasen und technische Abläufe
Auf Anfrage erklärte die Pressestelle von „Unsere Grüne Glasfaser“, dass der Ausbau grundsätzlich in mehreren Bauphasen erfolge. Bürger, die sich frühzeitig für einen Glasfaseranschluss entschieden hätten, seien häufig bereits in einer ersten Bauphase angeschlossen worden. Nachbarn, die sich erst später für einen Vertrag entschieden hätten, könnten daher erst in späteren Bauabschnitten berücksichtigt werden. Zudem sei der Aufbau eines Glasfasernetzes technisch komplex. Neben den Hausanschlüssen müssten auch Hauptverteiler und Straßenverteiler installiert und an das überregionale Backbone-Netz angebunden werden. In manchen Fällen könne es daher vorkommen, dass beispielsweise eine Straßenseite bereits aktiv sei, während die gegenüberliegende noch auf die Anbindung eines Verteilerkastens warte. Verzögerungen könnten auch durch notwendige Querungen von Flüssen, Brücken, Bahnstrecken oder Bundesstraßen entstehen.
Weiter teilte UGG mit, dass das Unternehmen den Ausbau vollständig eigenwirtschaftlich finanziere – ohne Fördermittel, Zuschüsse der Gemeinde oder Beteiligung der Bürger. Die Hausanschlüsse seien für Interessenten meist kostenlos, während die Internetverträge mit Partneranbietern abgeschlossen würden.
Bei Projekten dieser Größenordnung, mit Tiefbauarbeiten in Millionenhöhe, könnten Verzögerungen jedoch nicht immer ausgeschlossen werden. Als mögliche Gründe nennt das Unternehmen unter anderem die angespannte Lage im deutschen Tiefbaumarkt, Witterungseinflüsse sowie langwierige Genehmigungsverfahren.
UGG betont zudem, man sei stolz darauf, auch ländliche Regionen mit moderner Glasfaserinfrastruktur zu erschließen. Für die derzeit teilweise geringen Bandbreiten vor Ort sei nach Einschätzung des Unternehmens allerdings eher der Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt verantwortlich.

An diesem Hausanschluss fehlt seit Juli 2025 die zweite schwarze Box.
Diese sollte ursprünglich 2 Tage nach der ersten installiert werden.
Da die zweite Box noch fehlt, gibt es bis heute auch auch kein schnelles Internet.

Für viele Bürger in Oberhausen bleibt dennoch vor allem eine Frage offen: Wann wird aus der verlegten Glasfaser endlich ein funktionierender Anschluss? Bis dahin bleibt die versprochene digitale Zukunft für einige Haushalte weiterhin in weiter Ferne.

Mittlerweile ist der Unmut über die Verzögerungen so groß, dass sich einige nach Alternativen umsehen. Eine zunehmend genutzte Option ist der satellitengestützte Internetdienst Starlink, der in vielen Fällen kurzfristig höhere Bandbreiten ermöglicht und damit für manche Haushalte eine Übergangslösung darstellt.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Verträge mit UGG beziehungsweise den jeweiligen Internetanbietern bereits vor mehr als 24 Monaten abgeschlossen wurden. Diese können inzwischen häufig monatlich gekündigt werden. Darüber hinaus besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, bei ausbleibender Leistungserbringung eine Sonderkündigung wegen Nichterfüllung des Vertrages zu prüfen.

Für einige Bürger ist dies mittlerweile ein ernsthaft in Betracht gezogener Schritt – nicht zuletzt, weil viele noch immer auf die Aktivierung ihres Glasfaseranschlusses warten.

Wir sprachen mit dem Ortsbürgermeister Marcus Röth über die aktuelle Situation von UGG in der Ortsgemeinde:

Herr Röth, gibt es eine Priorisierungsliste der UGG, oder wird hier nach dem Zufallsprinzip gearbeitet?
Marcus Röth: „Nach Aussage der Baufirma wurden bei allen Kunden Hausanschlüsse hergestellt, die von Anfang an einen Anschluss gebucht haben, diejenigen die sich erst später für einen Anschluss entschieden haben, sollen ihn im nächsten Bauabschnitt erhalten. Allerdings gab es wohl interne Kommunikationsprobleme. Die Baufirma wurde seitens der UGG wohl nicht über alle gebuchten Hausanschlüsse informiert, das Resultat daraus ist, das Hausanschlüsse fehlen, die von Anfang an gebucht wurden. Wir als Gemeinde haben für unser Gemeindehaus und für unseren Kindergarten damals sofort einen Anschluss gebucht. Auch hier haben wir das Problem, das im Gemeindehaus ein Anschluss liegt, am Kindergarten nur im Gehwegbereich, auf Rückfrage soll der Hausanschluss noch nachgeholt werden. Auch was die fehlende Box betrifft, gab es laut Aussage interne Probleme welche Hausanschlüsse bereits eine Box haben und welche nicht.“

Viele Bürger beklagen, dass das Kabel zwar am Haus liegt, aber der Mauerdurchbruch ins Innere seit Monaten nicht erfolgt. Hat die UGG einen Zeitplan für diese „offenen Enden“, oder drohen diese Anschlüsse komplett in Vergessenheit zu geraten?
Marcus Röth: „Einen aktuellen Zeitplan wann alle Arbeiten beendet sein sollen, liegt mir leider nicht vor. Laut Aussage der UGG und der betreffenden Baufirma sollen bei allen betreffenden Bürgern, die noch keinen bestellten Anschluss haben, diesen im nächsten „Bauabschnitt“ erhalten.“

Seit fast drei Monaten ruhen die Arbeiten komplett unter dem Deckmantel der „Winterpause“. Was steckt wirklich hinter der monatelangen Abwesenheit der Bautrupps? Wurde die Gemeinde über das genaue Enddatum dieser Pause informiert?
Marcus Röth: „Einen verbindlichen Zeitplan für die Fertigstellung aller offenen Anschlüsse gibt es nicht. Laut UGG sollen die restlichen Arbeiten im nächsten Bauabschnitt erfolgen. Wann dieser beginnt, ist jedoch unklar.“

Werden die Subunternehmer der UGG eigentlich kontrolliert?
Marcus Röth: Die UGG hat ein eigenes Büro für die Überwachung der Baufirma beauftragt. Seitens der Ortsgemeinde hat die Verbandsgemeinde ein Überwachungsbüro beauftragt, welches bei den Bauabnahmen dabei ist und zwischendurch die Baudurchführung stichprobenartig kontrolliert. 

Wann war ihr letzter Kontakt mit der UGG, damit die Bürger hier informiert sind, an was es hängt und wann es weitergeht?
Marcus Röth: „Die Ortsgemeinde steht zusammen mit dem Bauamt der Verbandsgemeinde Rüdesheim im Austausch mit der UGG und der Baufirma, da es allerdings die ganze Zeit keine konkreten Aussagen gab, ab wann die Restarbeiten genau beendet werden sollen, gehe ich persönlich damit nicht an die Öffentlichkeit, ich möchte den betreffenden Bürgern keine unklaren bzw. falsche Versprechungen machen.“

Was ist Ihre persönliche Prognose: Wird das Projekt Glasfaser in Oberhausen dieses Jahr endlich für alle abgeschlossen sein, oder müssen die Bürger mit einem weiteren Jahr der „halben Sachen“ rechnen?
Marcus Röth: „Die Hoffnung hätte ich schon gerne, dass bis Ende des Jahres alle Arbeiten abgeschlossen sind, ich denke das sollte auch im Interesse der UGG für seine Kunden sein. Wenn allerdings so weitergeht wie die letzten Monate und sich nichts ändert, werden wir auch nächstes Jahr mit dem Thema noch konfrontiert werden.“

Wie Nahe News erfahren hat, soll es bezüglich der Baustellenabnahme zwischen der UGG und dem Ortsbürgermeister Unstimmigkeiten geben. Dadurch würden sich auch die weiteren Arbeiten verzögern. Können Sie etwas zu diesen Unstimmigkeiten sagen?
Marcus Röth: „Es gibt aus meiner Sicht keine Unstimmigkeiten. Wir hatten im Juli letzten Jahres bei der Bauabnahme festgestellt, dass Straßenbordsteine defekt sind bzw. Abplatzungen haben, da das Pflaster im Gehwegbereich nicht ordnungsgemäß wieder verlegt wurde. Die entstandenen Schäden muss die Baufirma instandsetzen bzw. austauschen. Seitens der Baufirma wurde oder wird sich darum bemüht ein Unternehmen zu finden, welches 12 defekte Bordsteine austauscht. Tatsächlich war die Aussage der UGG vom 24. Februar 2026, dass die Restarbeiten erst im nächsten Bauabschnitt erfolgen sollen, Voraussetzung hierzu ist, dass die Ortgemeinde das letzte fehlende Abnahmeprotokoll unterschreibt, das wäre zwischen der UGG und der Baufirma so vertraglich festgelegt. Da die 12 defekte Bordsteine bis zum heutigen Tag nicht ausgetauscht wurden, gibt es seitens der Ortsgemeinde auch kein unterschriebenes Abnahmeprotokoll, das wurde mit dem Bauamt der Verbandsgemeinde auch so intern besprochen. Ich habe der UGG und der Baufirma bereits mehrfach mitgeteilt, dass das fehlende Abnahmeprotokoll sofort unterschrieben wird, wenn der Schaden beseitigt wurde. Alle anderen Schäden wurden ja schon beseitigt, jetzt liegt es nur noch an den Bordsteinen.“

Vielen Dank für das Interview.

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