StartNachrichtenKreis Bad KreuznachVolksbank Rhein-Nahe-Hunsrück bleibt stabil – Wirtschaftsflaute bremst Kredite

Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück bleibt stabil – Wirtschaftsflaute bremst Kredite

REGION. Trotz schwacher Konjunktur, geopolitischer Unsicherheiten und zurückhaltender Investitionen im Mittelstand sieht sich die Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück weiterhin stabil aufgestellt. Vorstandsvorsitzender Patrick Miljes und Vorstandsmitgied Thomas Reinig zogen bei der Bilanzpressekonferenz eine insgesamt solide Jahresbilanz, verbunden mit einem vorsichtig optimistischen Blick nach vorne.

Wirtschaftsflaute spürbar im Kreditgeschäft
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt angespannt. Private Investitionen liegen laut Miljes weiterhin unter dem Corona-Niveau. Besonders im Mittelstand sei eine deutliche Zurückhaltung zu beobachten. Nur rund 39 Prozent der Unternehmen hätten zuletzt konkrete Investitionsprojekte verfolgt. Viele Vorhaben würden zwar diskutiert, aber zunächst aufgeschoben.

Das schlägt sich direkt im Kreditgeschäft nieder: Zwar habe sich das Neugeschäft zuletzt leicht verbessert, insgesamt übersteigen jedoch weiterhin die Tilgungen die neuen Kredite. Die Bank setzt deshalb auf vorsichtiges Wachstum und will sich noch stärker in der klassischen Unternehmensfinanzierung positionieren. Deutlich positiver entwickelte sich die Einlagenseite. Kundengelder wuchsen spürbar – häufig in kurzfristigen Festgeldern oder Wachstumssparprodukten. Für Miljes ist das ein klares Zeichen für das Vertrauen der Kunden in das Institut.

Zinsen leicht rückläufig – Wertpapiergeschäft stärker
Der Zinsüberschuss lag mit knapp 41 Millionen Euro nur leicht unter dem Vorjahr (minus rund 326.000 Euro). Angesichts der sinkenden EZB-Zinsen bewertet die Bank das Ergebnis dennoch als stabil. Belastend wirkten vor allem geringere Erträge aus Liquiditätsreserven. Stärker entwickelte sich der Provisionsüberschuss. Er stieg um rund 429.000 Euro auf etwa 17,5 Millionen Euro. Haupttreiber war das Wertpapiergeschäft. Kunden investieren weiterhin vorsichtig in Aktien, greifen aber häufiger zu Anleihen und Zertifikaten. Das Betriebsergebnis vor Bewertung erreichte rund 25 Millionen Euro – ein Plus von 1,4 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Kosten steigen – Bank setzt auf Effizienz statt Einschnitte
Der Verwaltungsaufwand erhöhte sich vor allem wegen Tarifsteigerungen sowie gestiegener IT- und Dienstleisterkosten. Bereinigt legten die laufenden Kosten um rund 4,5 Prozent zu. Trotzdem blieb die Cost-Income-Ratio mit 59,8 Prozent unter 60 Prozent. Harte Sparprogramme plant die Bank nicht. Stattdessen sollen Prozesse verbessert, Strukturen optimiert und notwendige Preisanpassungen schrittweise umgesetzt werden. Die Risikovorsorge bleibt gleichzeitig erhöht. Nach dem Ende staatlicher Corona-Hilfen habe sich die Insolvenzlage normalisiert – und damit auch die Zahl möglicher Risikoereignisse.

Patrick Miljes

Immobilienmarkt bleibt Baustelle
Weiter schwierig bleibt der Bau- und Immobiliensektor. Baukosten und Immobilienpreise verharren auf hohem Niveau, Neubauten sind wirtschaftlich meist nur mit Fördermitteln tragfähig. Der Großteil des Baufinanzierungsneugeschäfts entfällt daher auf Bestandsimmobilien. Neubauten machen nur etwa ein Viertel aus.

Zugleich rechnet die Bank damit, dass Mieten und Nebenkosten weiter steigen werden. Der Anteil der Wohnkosten am Einkommen könnte langfristig auf 25 bis 27 Prozent klettern. Immerhin zeigt sich im Baufinanzierungsneugeschäft zuletzt wieder eine positive Entwicklung. Die Volksbank will deshalb zusätzlich in Personal und Technik investieren. Neue Chancen sieht die Bank in der Finanzierung von Infrastrukturprojekten – etwa beim Ausbau von Wärme- und Energienetzen in der Region.

Parallel treibt das Institut die Digitalisierung voran. Die europäische Bezahllösung „Wero“ soll stärker als Alternative zu internationalen Anbietern wie PayPal genutzt werden. Bereits rund eine Million Nutzer hätten sich registriert. Ziel sei eine direkte Nutzung über die Banking-App.

Auch digital will die Bank weiterwachsen: Online-Abschlüsse sollen einfacher werden, gleichzeitig bleibe persönliche Beratung vor Ort zentral. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf jungen Kunden. Programme für Jugendliche und junge Erwachsene, kostenfreie Depots bei Mitgliedschaft sowie frühe Finanzbildung sollen langfristige Bindungen schaffen.

Mitgliederzahl steigt wieder – Personalwechsel absehbar
Als Genossenschaftsbank will das Institut bewusst seine Mitgliederbasis stärken. „Wir gehören den Leuten der Region“, betonte Miljes. Nach Jahren mit rückläufigen Zahlen sei es gelungen, den Trend zu stoppen. Im vergangenen Jahr kamen 849 neue Mitglieder hinzu.

Auch beim Personal steht ein großer Wandel bevor: Bis 2030 könnten rund 30 Prozent der Beschäftigten altersbedingt ausscheiden. Deshalb wurden Ausbildung und Recruiting deutlich ausgebaut. Die seit Corona etablierte hybride Arbeitsweise soll beibehalten werden.

Vorsichtiger Blick nach vorne
Für das laufende Jahr erwartet die Volksbank leichtes Wachstum – bleibt aber vorsichtig. Kurzfristige Zinsen dürften stabil bleiben, langfristige leicht steigen. Entscheidender für Investitionen sei derzeit jedoch die wirtschaftliche Unsicherheit.Grundsätzlich bleibt Miljes optimistisch. Europa habe große wirtschaftliche Substanz, man müsse nur wieder stärker investieren und Zukunft gestalten.Zu Beginn der Pressekonferenz bemerkte Vorstandschef Miljes außerdem, dass aus seiner Sicht auch internationale politische Entwicklungen dazu beigetragen hätten, dass Deutschland und Europa „wach geworden“ seien – dies seien jedoch seine einzigen positiven Worte in Richtung des US-Präsidenten gewesen.


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