Delegation des Kirchenkreises An Nahe und Glan zieht Bilanz der 80. Landessynode / Superintendentin Astrid Peekhaus: „Die Evangelische
Kirche steht an der Seite der Schwachen“
BAD KREUZNACH/REGION. Unter dem Eindruck weltpolitischer Krisen und notwendiger innerkirchlicher Reformen ist am Dienstag die 80. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland in Bonn zu Ende gegangen. Mit dabei war eine sechsköpfige Delegation des Kirchenkreises An Nahe und Glan. Die Synodalen diskutierten über Finanzen, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und bezogen klar Stellung gegen die Vereinnahmung des Glaubens durch nationalistische Strömungen.
Delegation vertritt die Region. Neben Superintendentin Astrid Peekhaus nahmen Pfarrerin
Noreen Weyl, Pfarrer Christoph Hüther, Marion Pöhlmann-Münch, Carla Peekhaus und
Thorsten Franzmann aus dem Kirchenkreis An Nahe und Glan am obersten
Leitungsgremium der Landeskirche teil.
Einstehen für Schutzbedürftige und Demokratie Ein inhaltlicher Schwerpunkt war die
Sorge über die weltweite Zunahme von religiös verbrämtem Machtstreben. In einem
einstimmigen Beschluss verurteilte die Synode „christlichen Nationalismus“.
Superintendentin Astrid Peekhaus machte dabei die Haltung für den Kirchenkreis und die
Landeskirche unmissverständlich klar:
„Die Evangelische Kirche steht an der Seite der Schwachen! Tausende Ehrenamtliche
und Hauptamtliche setzen sich für Flüchtlingsschutz ein und verspüren zunehmend
Anfeindungen für ihren diakonischen und humanitären Einsatz. Die Landessynode
ermutigt ausdrücklich dazu, in der Arbeit nicht nachzulassen und immer wieder auf
Missstände aufmerksam zu machen und sichere Orte für Menschen zu bieten.“
Kampf gegen Armut als Glaubensauftrag Der gesellschaftliche Auftrag der Kirche
wurde auch im Hinblick auf soziale Gerechtigkeit unterstrichen. Die saarländische
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger würdigte die Kirche in ihrem Grußwort als
„Stütze des Sozialstaats“. Für die Synodale Marion Pöhlmann-Münch war dies ein
zentraler Punkt der Tagung:
„Die evangelische Kirche im Rheinland sieht den Einsatz gegen Armut als wesentlichen
Auftrag unseres Glaubens und unseres öffentlichen Zeugnisses. Die Landessynode fordert
zum aktiven Einsatz gegen Armut in unserer reichen Gesellschaft auf. Dies ist auch mir in
diesen unseren Zeiten äußerst wichtig.“
Mut zu neuen Wegen und innerer Wandel Doch nicht nur politische Themen prägten die
Woche, sondern auch der interne Reformprozess. Die Synode machte den Weg frei für
neue Gemeindeformen und Anpassungen in der Ausbildung. Noreen Weyl zeigt sich
begeistert von der Offenheit des Gremiums:
„Unsere Kirche ist im Wandel – das war in vielen Beschlüssen der Landessynode spürbar:
neue Gemeindeformen, neue Gottesdienstformen, Veränderungen in der Ausbildung der
Pfarrpersonen und vieles mehr wurde ermöglicht. Neue Wege dürfen erprobt werden, ob
diese nun besonders erfolgreich sein werden oder nicht. Ich freue mich darüber, dass
unsere Kirche sich auch dem Ungewohnten stellt und dabei fehlerfreundlich sein möchte.“
Finanzstrategie: Sparen und Gestalten Um die Kirche auch für kommende Generationen
handlungsfähig zu halten, beschloss die Synode eine neue Finanzstrategie. Trotz eines
erfreulichen Kirchensteuer-Plus von 7,7 Prozent im Jahr 2025, das kurzfristig Luft
verschafft, sind aufgrund sinkender Mitgliederzahlen Einsparungen von rund 31,8
Millionen Euro vorgesehen. Thorsten Franzmann ordnet diese Beschlüsse realistisch ein:
„Das Einsparziel und die schmerzlichen, aber dennoch notwendigen Kürzungen sind nach
einem intensiven und herausfordernden Arbeitsprozess beschlossen. Die eigentliche
Arbeit beginnt jedoch erst, nämlich mit der Beantwortung der Frage: Wie werden die
verbleibenden Mittel innovativ eingesetzt, um weiter relevant und heilbringend Kirche für
die Menschen zu sein.“
Konsequente Aufarbeitung sexualisierter Gewalt Einen breiten Raum nahm zudem der
Bericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt ein. Die Synode bekräftigte, dass
Betroffene Gehör finden und die Aufarbeitung unabhängig und transparent erfolgen muss
– ein Prozess, der im Kirchenkreis An Nahe und Glan durch die systematische Durchsicht
der Personalakten bereits aktiv vorangetrieben wird.
Ausblick: „Du bist kostbar“ Trotz der ernsten Themen sandte die Synode ein Signal der
Hoffnung. Mit Blick auf den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf, der
unter der Losung „Du bist kostbar“ (Jesaja 43,4) steht, kehrt die Delegation gestärkt in den
Kirchenkreis zurück.
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