OB: „Die Ausstellung hat viel Aufmerksamkeit verdient“
BAD KREUZNACH. „Die Sinti und Roma sind schon sehr lang ein Teil unserer Stadtgesellschaft“. Bei der Eröffnung der Ausstellung „vom Holocaust zur Weltbühne“ mahnte Oberbürgermeister Emanuel Letz ein respektvolles Miteinander an. Nach Schätzungen des Landesrates für Sinti und Roma Rheinland-Pfalz leben rund 200 Sinti und Roma in Bad Kreuznach. Seit 2024 unterstützt die Stadt diese Minderheit, indem sie ein Beratungsbüro in Bad Kreuznach zur Verfügung stellt. „Diese Ausstellung ist mehr als ein kulturhistorischer Rückblick. Sie ist Erinnerung, Mahnung und Würdigung zugleich. Der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma gehört zur deutschen Geschichte. Er verpflichtet uns – nicht nur am Gedenktag, nicht nur in Sonntagsreden, sondern im Alltag: in Haltung, in Bildung und in Zivilcourage“, so der OB bei der Begrüßung.
„Danke, dass sie uns mit offenen Armen empfangen haben“, wandte sich Torino Reinhardt direkt an den Oberbürgermeister. Der jüngste Sohn des legendären Schnuckenack Reinhardt (1921-2006), der in Weinsheim geboren wurde, gab mit seinem Bruder Forello und seinem Cousin Sascha, Sohn des populären Sintimusikers Daweli Reinhardt 1932-2016)), eine Kostprobe des Könnens. Mal einfühlsam, mal temperamentvoll zum Entzücken der fast 200 Gäste in der Loge im Haus des Gastes. Sie bewahren das Vermächtnis ihrer Väter, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg „trauten als „Zigeunermusiker aufzutreten“, ihr Publikum begeisterten und zu Weltstars wurden. Damit machten sie auch den Weg für ihre Söhne und Enkel frei, die fast alle bekannte Musiker geworden sind.
Der zweite Teil der Ausstellung dokumentiert die Karrieren so bekannter Sinti-Musiker wie Schnuckenack Reinhardt, Daweli Reinhardt, Bobby Falta, Spatzo Weiß, Hojok Merstein und Holzmano Winterstein. Im ersten Teil die leidvolle Geschichte der Sinti und Roma, die nicht erst im Holocaust mit der Verfolgung und Vernichtung beginnt. Ausgrenzung und Diskriminierung bestimmten die ganze Geschichte dieser Minderheit vom Ursprung in Indien über das Mittealter in Europa bis ins Dritte Reich. Die Furcht vor Wiederholung ist auch heute nicht ganz gebannt.

„Die Ausstellung hat viel Aufmerksamkeit verdient“, so OB-Emanuel. Sie richtet sich an die Mehrheitsgesellschaft, die über die Sinti und Roma noch viel zu wenig weiß“, sagte die Kuratorin Professor Dr. Beatrix Bouvier. Die traumatisierenden Erlebnisse des Völkermordes der Nationalsozialisten sind heute noch in der Enkelgeneration spürbar, so die Historikerin. „Die Spurensuche muss weitergehen.“ Dazu gehöre die Bereitschaft zum Zuhören. Der Vorsitzende des Landesrates der Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz, Django Heinrich Reinhardt, gab nicht nur eine kleine Gesangseinlage auf der Logen-Bühne. Er erläuterte an den Schautafeln Ausstellungsgästen die Geschichte der Sinti und Roma.
Die Ausstellung ist bis zum 27. Februar im Haus des Gastes, Seminarraum 1 im EG., Kurhausstraße 22-24., zu sehen. Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr
„Gipsy Swing und Weltmusik“ mit Schnuckenack Reinhardt und Friends gibt es Samstag, 21. Februar, 19.30 Uhr in der Loge im Haus des Gastes. Veranstalter ist der Verkehrsverein Bad Kreuznach in Zusammenarbeit mit der Gesundheit und Tourismus Gesellschaft für Bad Kreuznach (GuT), die auch den Kartenvorverkauf übernimmt. Karten: 22,00 Euro zuzüglich VVG über www.ticket-regional.de oder bei der Touristinformation im Haus des Gastes.
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