BOCKENAU. Wenn im Bockenauer Narrentempel das Silberhaar auf buntes Konfetti trifft, dann ist es wieder Zeit für die traditionelle Seniorenfastnacht der Verbandsgemeinde Rüdesheim. Zum neunten Mal lud die VG am Mittwoch zur großen Prunksitzung ein, und das Programm bot alles, was das närrische Herz begehrt: von scharfer politischer Kante bis hin zu tänzerischer Eleganz.
Traditionell gehört die Bühne zu Beginn dem Gastgeber Bürgermeister Markus Lüttger. In seinem rhetorisch gewohnt geschliffenen Vortrag schlug er die Brücke zwischen lokaler Verbundenheit und bundespolitischem Klartext. Lüttger sparte nicht mit Kritik an der aktuellen Lage: Er thematisierte das „Chaos“ um die neue Grundsteuer, die für viele Hausbesitzer zum Schock wurde, und mahnte zu mehr „Bürgerkorrektheit“ statt bloßer „Parteikorrektheit“.

Besonders deutlich wurde der Bürgermeister beim Thema AfD: Wer nur schimpfe, packe selten an, so Lüttger, der den „Scheiß der AfD“ mit dem Glauben an den Weihnachtsmann verglich – nur eben ohne das schöne Ende. Auch zur Integrationsdebatte fand er klare Worte: Wer sich integriere und Deutsch spreche, gehöre dazu wie jeder andere auch. Und für alle, denen es in Deutschland dennoch nicht passe, hatte er einen humorvollen Rat parat: „Dann flieg nach Texas, such den Trump – doch werd bitte nit krank!“

Trotz aller politischen Hiebe endete sein Auftritt versöhnlich und demütig. Er dankte den Senioren, die „Stein für Stein“ das Land aufgebaut haben, und rief zu mehr Miteinander im Alltag auf. Sitzungspräsident Jürgen Klotz würdigte den „Bockenauer Bub“ anschließend als „Ideallösung“ für die VG und überreichte ihm den ersten VG-Orden der Saison.
Spitze Federn und heiliger Zorn
Die politische Aufarbeitung setzte sich im Protokoll von Helmut Hölling fort. Als „Baggewackeler mit spitzem Stift“ sezierte er das Weltgeschehen und ließ kein Thema der vergangenen Monate aus. Er erinnerte auch an das vergessene närrische Jubiläum der Baggewackeler im vergangenen Jahr. Damals gab es den Verein 2×11 Jahre und der Verein hatte es vergessen. Dabei habe ich noch in meinem Protokoll erwähnt, dass ich seit 22 Jahren der Protokoller bin“, so Hölling.

In eine ähnliche Kerbe, wenn auch mit sakralem Beigeschmack, schlug Alexander Hassinger. Als „Schwester Elvira“ vom Orden der „scharfen Schnooge“ verteilte er verbale Spitzen ohne Pardon und bewies, dass unter dem Habit ein messerscharfer Verstand und eine gehörige Portion Humor stecken.
Tänzerische Glanzpunkte und kurzfristige Retter
Für die optischen Highlights sorgten zahlreiche Tanzgruppen. Die „Konfetti Funken“ aus Bockenau wirbelten mit 22 Kindern über die Bühne, während das erst achtjährige Funkenmariechen Lea Gaul bei ihrem Debüt die Herzen im Sturm eroberte. Eine besondere Überraschung bot Daniela Hermes von den „Weisse Fräck“ aus Bad Kreuznach: Sie sprang morgens spontan für den erkrankten Andreas Schmitt (den bekannten „Obermessdiener“ aus Mainz) ein und begeisterte das Publikum sowohl mit Redebeiträgen als auch mit ihren Tänzen.

Die „Flying Dancers“ aus Waldböckelheim entführten die Zuschauer in die Welt der Emotionen, während die „Gudzjer“ aus Roxheim als „Candygirls“ im 60er-Jahre-Look die Bühne optisch „in Brand setzten“.
Lachsalven garantierte Fastnachts-Urgestein Harold Jung, der bewies, dass man auch mit „Hopfen und Malz“ im Blut geistreich und lustig sein kann. Auch Erika Bodtländer glänzte als „Mariche“ direkt von der Klassenfahrt und brachte den Saal mit ihren Erlebnissen zum Beben.
Vor dem großen Finale wurde es nochmals laut. Mit ihrem Raumschiff landeten „Piff und Paff“ (Michael Pfeifer und Markus Hay) zusammen mit dem „Mann im Mond“ )Reiner Will) und machten einen Zwischentop auf Malle. Mit ihrer Playback-Show sorgten sie zum Abschluss für einen gelungenen Abschluss der Seniorenfastnacht.
Zum großen Finale versammelten sich alle Aktiven noch einmal auf der Bühne. Sitzungspräsident Jürgen Klotz zog ein positives Resümee: „Wenn das Herz vor Freude lacht, dann ist Seniorenfassenacht.“ Mit einem dreifach donnernden Helau auf die Verbandsgemeinde wurden die Gäste in den Abend entlassen – mit der Vorfreude auf das zehnjährige Jubiläum im nächsten Jahr.
Fotoalbum zur Seniorenfastnacht
























































